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Stralsund Eigentum verpflichtet – notfalls zum Abriss
Vorpommern Stralsund Eigentum verpflichtet – notfalls zum Abriss
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11:30 28.03.2019
Karl-Heinz Grießbach vor der Ruine des Hauses Rosmarinstraße 16 in Franzburg. Er setzt sich dafür ein, dass Ruinen wie diese aus dem Stadtbild verschwinden. Quelle: Jörg Mattern
Stralsund

Das Haus in der Franzburger Rosmarinstraße 16 hat seine besten Tage lange hinter sich. Das Dach ist eingebrochen, der Schutt türmt sich hinter zerborstenen Fensterscheiben in den Zimmern. Karl-Heinz Grießbach weiß: „Ruinen wie diese, Leerstand und verwilderte Grundstücke gibt es etliche in der Stadt.“ Er hat auf Fotos mindestens zwanzig davon in und um die Stadt herum festgehalten. Gemeinsam mit seinem Mitstreiter Norgast Birkenbeul will er etwas dagegen unternehmen. So verkünden es die beiden SPD-Mitglieder, die sich für die Kommunalwahl am 26. Mai als Kandidaten haben aufstellen lassen - Grießbach will für das Amt des Bürgermeisters kandidieren und Birkenbeul für die Stadtvertreterversammlung antreten.

Das Problem: „Zu Ruinen wie der in der Rosmarinstraße lässt sich mitunter kein Besitzer mehr feststellen“, sagt Grießbach. Andererseits kennt er aber auch Leute, die ihre Häuser schon nicht mehr bewohnen, weil ihnen bereits das Geld für die nötigen Reparaturen fehlt. In der Konsequenz verfallen auch diese.

„Eigentum verpflichtet“, zitiert Norgast Birkenbeul aus dem Grundgesetz. Und der Rechtsanwalt, der seit zehn Jahren in Franzburg lebt, sieht da auch jene Eigentümer in der Pflicht, die ein Haus nur deshalb leer stehen, weil sie Hoffnung haben, die Immobilie später noch gewinnbringend verkaufen zu können. „Aber wir müssen doch auch etwas für diejenigen tun, denen so ein ererbtes altes Haus zur Last geworden ist“, sagt Birkenbeul. „Sonst verschlimmert sich der Zustand der Häuser noch mehr.“

Beide sind sich einig: Es wird ein Programm gebraucht, das hier finanzielle Unterstützung leisten kann. Karl-Heinz Grießbach plädiert dafür, so etwas ähnliches aufzulegen wie das Städtebau-Förderprogramm: „Dabei bekamen Hausbesitzer für die Aufwertung ihrer Immobilien in Sanierungsgebieten doch auch finanzielle Unterstützung. Warum soll es so etwas nicht für den Abriss von Ruinen geben?“ Als SPD-Mitglieder schauen beide nach Schwerin, wollen sich ihr Parteimitglied, Infrastrukturminister Christian Pegel) zu einer Veranstaltung im Mai nach Franzburg einladen, um mit ihm und den Franzburgern das Problem zu besprechen. „Das betrifft schließlich nicht nur Franzburg“, sagt Grießbach. „Wer sich umschaut, sieht überall auf den Dörfern und drumherum verfallende Häuser und Ställe aus den Genossenschaftszeiten der untergegangen DDR.“ Bereits vor zehn Jahren ist er als Mitglied des Bauausschusses der Franzburger Stadtvertretung durch den Ort gezogen. Gemeinsam wurden Leerstand und Ruinen aufgelistet. Das Ganze wurde schriftlich an den damaligen Bürgermeister weitergereicht. „Getan hat sich bis heute wenig“, sagt Grießbach.

Dass auf dem Weg zu einem geförderten Abriss verfallender Häuser in Franzburg noch dicke Bretter gebohrt werden müssen, wird bei einer Nachfrage im Infrastrukturministerium MV deutlich. Gibt es vielleicht schon Fördermittel, auf die da zurückgegriffen werden kann? Sprecherin Renate Gundlach macht darauf aufmerksam, dass etwa das Städtebauförderprogramm hier nur in engen Grenzen greifen würde: „Eine Unterstützung im Rahmen der Städtebauförderung nur in Betracht, wenn die Gebäude oder Grundstücke innerhalb eines Sanierungs- oder Fördergebietes liegen und der Abriss/Rückbau zum Erreichen von Zielen der Stadtsanierung erforderlich ist, die die Stadt beschlossen hat.“ Nach Ministeriumsangaben habe Franzburg bis 2016 insgesamt 7,8 Millionen Euro Finanzhilfen von Land und Bund zur Beseitigung städtebaulicher Missstände im Sanierungsgebiet erhalten. „Zusammenfassend, besteht aktuell keine Möglichkeit der Unterstützung durch das Landesinfrastruktur-Ministerium“ sagt Gundlach.

Fehlanzeige auch beim Landwirtschaftsministerium MV. Hier macht Sprecherin Eva Klausner Ziebarth darauf aufmerksam, dass das Programm zur Sanierung von Bauruinen im ländlichen Räumen seit 2018 beendet ist und nicht mehr fortgeführt werden soll. „Im Amtsbereich Franzburg-Richtenberg wurden über das Rückbauprogramm eine Lagerhalle in Gremersdorf-Buchholz und das ehemalige Schwerbehindertenheim Velgast zurückgebaut, in der Region außerdem ehemalige Stallanlagen in Steinhagen, Zimkendorf sowie ein Wohnhaus in Bad Sülze“, so die Sprecherin.

Karl-Heinz Grießbach jedoch will – 30 Jahre nach der Wende – da schon etwas mehr Ergebnisse sehen: „Wir müssen mal Ordnung schaffen und können damit auf keinen Fall noch mal 30 Jahre warten.“

Jörg Mattern

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