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Stralsund Kerths Kopftuch-Debatte: Frauen-Organisation kritisiert Linke
Vorpommern Stralsund Kerths Kopftuch-Debatte: Frauen-Organisation kritisiert Linke
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15:07 29.01.2019
In MV noch immer ein eher seltenerer Anblick: Muslimische Frauen mit Kopftuch wie hier in Brüssel. Quelle: picture alliance / Winfried Roth
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Stralsund

Nach der Kritik der Partei Die Linke an Vorpommern-Rügens SPD-Landrat Stefan Kerth hat die Frauenrechtsorganisation Terres des Femmes sich mit Kerth solidarisiert. „Es ist sehr schade, dass auch Sie Gegenwind erhalten. Wir kennen diese Situation allzu gut, ohne reflektierte Betrachtung und Auseinandersetzung, in die politische Rechte gerückt zu werden“, heißt es in einem Unterstützerbrief, den die Bundesgeschäftsführerin der Organisation, Christa Stolle, an das Landratsamt übermitteln ließ.

Kerth hatte zuvor eine Petition für ein Kopftuchverbot in Schulen und Kindergärten der Organisation unterzeichnet und betont, dass „Kinder ein selbstbestimmtes Denken erlernen und keine Selbstdiskriminierung“ erleiden sollten. Daraufhin hatte ihm Linken-Landeschefin Wenke Brüdgam mangelnde Toleranz vorgeworfen.

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Das Kinderkopftuch stelle Stolle zufolge eine Kinderrechtsverletzung dar. Die Verschleierung von Kindern sei Teil einer fundamentalistischen Agenda, die auf Indoktrination abziele und Mädchen gezielt diskriminiere, betonte Stolle weiter. Zudem würden Kinder so sexualisiert, da die Bedeckung des Haars einer Frau für sexuelle Nichtverfügbarkeit stehe, die so äußerlich sichtbar gemacht werde. Stolle: „Verschleierte Kinder werden de facto für geschlechtsreif erklärt. “ Die Trennung zwischen kindlicher und erwachsener Sexualität werde damit aufgelöst.

Der Linken warf Stolle vor, ihr Engagement für mehr Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann vorrangig auf die Arbeitswelt zu begrenzen und zu vergessen, dass eine patriarchalische Gesellschaft zugleich durch fast alle monotheistischen Religionen und ihre gottgewollte Geschlechterordnung grundlegend zementiert werde.

Linken-Vorsitzende Brüdgam wies die Kritik zurück. „ Ich bin der festen Überzeugung, dass ein Verbot von Kopftüchern am Ende nur dazu führen wird, dass diese Mädchen Einrichtungen wie Kindergärten oder Schulen nicht mehr besuchen dürfen.“ Dann gebe es „keine Chance mehr, auf die freie Entwicklung hinzuwirken“. Zudem würden die Äußerungen der Frauenrechtsorganisation implizieren, dass kopftuchtragende Frauen nicht frei denken und handeln könnten.

Benjamin Fischer