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Stralsund Kinder und Jugendliche künftig nicht mehr unter einem Notdienst-Dach
Vorpommern Stralsund Kinder und Jugendliche künftig nicht mehr unter einem Notdienst-Dach
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06:00 08.01.2019
Der gemeinsame Kinder- und Jugendnotdienst des Internationalen Bundes befand sich bisher in der Friedrich-Naumann-Straße in Stralsund. Quelle: Internationaler Bund
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Stralsund

Vier- und dreijährige Geschwister, die nach einer Kindeswohlgefährdung aus schlimmen Familienverhätnissen vom Jugendamt in Sicherheit gebracht werden, und 14- bis 16-Jährige, die gerade mal wieder voller Wut und Aggression von zu Hause abgehau’n sind – sie alle sind Bewohner des Kinder- und Jugendnotdienstes. Die Einrichtung in der Stralsunder Friedrich-Naumann-Straße wird vom Internationalen Bund betrieben. Und der hat nun SOS gefunkt, will den Notdienst künftig in zwei Bereiche trennen.

„Wir haben in letzter Zeit festgestellt, dass die Bedarfe bei unseren kleinen und großen Bewohnern immer mehr auseinander gehen“, sagt Martin Pollmann. Der IB-Geschäftsführer betont, dass gerade die Probleme der Jugendlichen immer vielschichtiger und deshalb auch schwieriger zu händeln sind. Mit der Idee, das Ganze in einen Kinder- und einen Jugendnotdienst zu teilen, stieß man beim Jugendamt Vorpommern-Rügen auf offene Ohren und konnte sich konstruktiv austauschen.

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14 Plätze hatte der Kinder- und Jugendnotdienst in seiner jetzigen Form. Die Einrichtung wurde 1996 gegründet. Dabei fungiert das Haus als „erstes Auffangen“. Die Bewohner werden danach in andere Hilfsangebote vermittelt. Das reicht von der ambulanten Hilfe bis hin zum Betreuten Wohnen. Die meisten Betroffenen können bei laufender Familientherapie in ihr Zuhause zurückkehren.

„Wir haben mit dem IB auf Augenhöhe diskutiert und sind zu dem Schluss gekommen, dass wir die Schutzmaßnahmen neu organisieren müssen. Viele Gespräche haben dazu stattgefunden, auch unter Einbindung der Polizei“, sagt Falk Ellwitz, Leiter des Fachdienstes Sozialpädagogischer Dienst in der Kreisverwaltung.

Erstes Ergebnis: Die Trennung der beiden Bereiche soll durchgesetzt werden. Der Internationale Bund wird auf jeden Fall den Jugendnotdienst in der Naumann-Straße weiter betreiben. „Wir planen mit neun Plätzen“, bestätigt Martin Pollmann.

Zweites Ergebnis: Für den Kinder-Notdienst gibt es ein Interessen-Bekundungsverfahren, also eine vereinfachte Ausschreibung. „Die Einrichtung soll sich im Raum Stralsund befinden, wir gehen erst einmal von fünf Plätzen aus“, sagt Falk Ellwitz gegenüber OZ und erklärt, dass es im Falle einer Kindeswohlgefährdung im gesamten Kreis auch Bereitsschaftspflegestellen gibt, wo man sich besonders um ganz kleine Kinder liebevoll kümmert. Aber allein in den letzten beiden Jahren mussten 182 Kinder im Alter bis zu 13 Jahren in Obhut genommen werden. Deshalb müsse man dringend handeln.

Das Verfahren läuft seit Ende November, Abgabetermin war der 31. Dezember. Einige Bewerbungen seien eingegangen, so der Chef des Sozialpädagogischen Dienstes, der von mindestens drei Interessenten spricht. „Wir wollen auf jeden Fall mit diesen Trägern sprechen, so dass noch im ersten Quartal eine Entscheidung getroffen werden kann, wer künftig das Angebot eines Kindernotdienstes vorhält“, erklärt Falk Ellwitz und schiebt hinterher: „Allerdings sind wir uns noch nicht ganz im Klaren, wer die Entscheidung trifft. Ich gehe aber davon aus, dass der Jugendhilfeausschuss mit einbezogen wird.“

Fakt ist, dass sich auch der Internationale Bund für das Angebot interessiert. „Der Kinder-Notdienst ließe sich hervorragend in unser neues Kita-Haus integrieren. Hier haben wir ein ganzheitliches Konzept in Verbindung mit Krippe, Kindergarten, Hort, Frühförderung und anderen Beratungsangeboten vor Augen“, sagt IB-Chef Martin Pollmann auf Anfrage der OSTSEE-ZEITUNG.

Bessere Hilfe für die Lütten

Fünf Plätze soll der neue Kinder-Notdienst haben. Das Angebot soll sich nach dem Wunsch des Jugendamtes schon zentral im Raum Stralsund befinden und möglichst mit dem Nahverkehr gut erreichbar sein.

Gedacht werden sollnicht nur an eine altersgerechte Unterbringung der 0- bis 13-Jährigen, sondern auch an ein entsprechendes Außengelände mit verschiedenen Freizeitangeboten.

Von den Bewerbern im Interessen-Bekundungsverfahren sind ein sachliches und räumliches Konzept ebenso gefordert wie ein pädagogisches Konzept samt zeitlicher Skizzierung der Umsetzung.

Das Jugendamtrechnet mit einer Entscheidung noch im ersten Quartal 2019.

Ines Sommer

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