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Stralsund Kinderdorf nahe Stralsund: Eintauchen und abtanzen
Vorpommern Stralsund Kinderdorf nahe Stralsund: Eintauchen und abtanzen
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10:58 11.07.2019
Die Tanzgruppe des Kinderdorfs bewegt sich hier zum Ketchup-Song. Quelle: Kai Lachmann
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Langendorf

„Gebt den Kindern das Kommando“, forderte einst Herbert Grönemeyer in dem Lied „Kinder an die Macht“. Ob es sich der Sänger so wie in Langendorf vorgestellt hätte? Denn dort leben Kinder seit Sommerferienbeginn in ihrer eigenen Welt, genauer gesagt in ihrem eigenen Dorf – mit eigenen Strukturen, eigenen Regeln, eigener Währung und jeder Menge Spaß.

„Ich wollte schon seit 2016 Bürgermeisterin werden, jetzt hat es endlich mal geklappt“, sagt die neunjährige Luise Theune. Für eine Woche wurde sie gewählt. Morgens trifft sie sich nun immer im kleinen Rathaus auf dem Dörphus-Gelände mit fünf weiteren Kindern, die den Gemeinderat bilden, um Gesetze für das Dorf zu besprechen. „Wir verstehen uns und kommen gut miteinander zurecht“, sagt die Langendorferin.

Kinder verdienen Kidos

Eine richtige Bürgermeisterin benötigt natürlich auch eine richtige Stellvertreterin – Lucy Abel (8) aus Negast: „Ich schreibe die Reden für meine Vorgesetzte“ – und eine richtige Sekretärin. Diese Aufgabe übernimmt Nele Sievert, die pflichtbewusst erklären kann, in welchen der drei Ordner sie welches Papier heftet, welche Termine es gibt und was noch alles an diesem Tag anliegt.

Außerdem ist Bürgermeisterin Luise damit beschäftigt, Urkunden zu unterschreiben, die anderen Kindern bescheinigen, dass sie Kurse und Prüfungen bei einem der mehr als 20 Gewerke im Dorf erfolgreich absolviert haben. Die Bandbreite reicht von Zoll über Gärtnerei und Kreativ-Fabrik bis zu Zeitung, Radio und TV. Die Prüfungen sind wichtig, denn wer Meister in einem Fach ist, wird für die Arbeit besser bezahlt. 55 Kidos – so heißt das Geld hier – gibt es dann für zwei Stunden, erklärt Celina Donnerstag, die im „Elterngarten“ arbeitet und Besucher über das Gelände führt.

Drei Jungs sind Polizisten

Die Scheine, um arbeiten zu können, gibt es im Arbeitsamt. Vom Gehalt müssen sogar auch Steuern gezahlt werden. Ansonsten können die kleinen Dorfbewohner ihre Kidos auf dem Gelände ausgeben – zum Beispiel im Reisebüro, das Ausflüge ins Tierheim oder zur Obstplantage nach Lüssow anbietet. Oder in den kleinen Geschäften, in denen Kinder zum Beispiel selbstgebastelte Dinge anbieten.

Was machen die Schüler im Stralsunder Umland in den Ferien? Sie arbeiten, verdienen Geld und organisieren sich auf ihre eigene Weise – und haben dabei sehr viel Spaß.

Manchmal müssen mit dem Geld auch Strafen bezahlt werden. Denn im Dorf gibt es auch ein Gericht. Die junge Staatsanwältin Lilli Kempcke erklärt: „Wenn jemand etwas tut, was er nicht darf, dann kann man eine Anzeige bei der Polizei machen.“ Drei Jungs sind heute in entsprechender Uniform auf dem Gelände unterwegs. Diese Anzeige kommt dann vor Gericht und der Richter entscheidet. Auch Sozialstunden sind möglich.

Kinderdorf ist seit Jahren beliebt

Bürokratie, Demokratie, Gerichtsprozesse, Arbeiten, Geld verdienen, Steuern zahlen – das fällt einem unter Sommerferienvergnügen bestimmt nicht zuerst ein. Doch so wie das Kinderdorf von Sozialpädagogin Julia Meiser vom Kreisdiakonischen Werk und ihrem Team organisiert und gestaltet ist, lässt es die Mädchen und Jungen voll in ihre utopische Welt eintauchen – und das schon zum 13. Mal.

„Rund 230 Kinder machen hier in den zwei Wochen mit“, sagt Meiser. Das Angebot komme so gut an, dass es Wartelisten gebe. Knapp 50 ehrenamtliche Betreuer kümmern sich um die Ferienkinder. „Wir ahmen das gesellschaftliche Leben mit allen Ecken und Kanten nach“, sagt Meiser. „Für Erwachsene ist es ein Spiel, für Kinder ist es Wirklichkeit.“ Sie würden ermutigt, Entscheidungen selbst zu treffen, die Betreuer lenken im Hintergrund.

Tanzen, Fußball, Schaumparty

Natürlich kommen auch vergleichsweise klassische Ferienaktivitäten wie Tanzen, Basteln und Fußballspielen nicht zu kurz. Tanzlehrer Philipp Prüter (16) zum Beispiel erzählt, dass am Donnerstag nach dem Vorbild der TV-Show „Let’s Dance“ ein Wettbewerb ansteht. Und beim Beachtag tragen alle bunte Hawaii-Ketten. Hinterm Dörphus befüllt die Feuerwehr ein großes Wasserbecken, damit die Kinder in Kunststoffbällen darauf herumturnen können. Eine Schaumparty steht auch auf dem Programm.

Das Dorf ist ab 8.30 geöffnet. Nach der täglichen Einwohnerversammlung um 15.30 Uhr werden die Kinder abgeholt. Organisatorin Julia Meiser berichtet: „Manchmal ist es so, dass die Eltern mit ihren Kindern noch etwas unternehmen wollen. Aber dann sagen die Kinder: ,Nein danke, ich habe heute schon so viel gearbeitet.’“

Kai Lachmann

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