Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Kindernotdienst Stralsund: Vivien Müllers Herz schlägt für Kinder
Vorpommern Stralsund Kindernotdienst Stralsund: Vivien Müllers Herz schlägt für Kinder
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:00 07.12.2019
Bunte, helle Räume und Plüschtiere zum Kuscheln für „kleine Superhelden“. Heilerzieherin Vivien Müller gehört zum siebenköpfigen Betreuerteam für die Mädchen und Jungen, die im Kindernotdienst Aufnahme finden. Quelle: Jörg Mattern
Anzeige
Stralsund

Mitten ins Gespräch platzt ein kleiner Blondschopf herein. Der Junge sprudelt über vor freudiger Erregung. „Guck mal“, ruft er und zeigt eine kleine Tüte vor, aus der er ein paar Bonbons und einen Schoko-Weihnachtsmann purzeln lässt. Wie sich herausstellt, durfte der Lütte in der Grundschule das Tütchen vom Adventskalender knüppern. Er stopft sich glücklich ein Bonbon in den Mund.

Es sind Momente wie diese, von denen Vivien Müller sagt: Ich haben alles richtig gemacht, als ich im Juli zum Kindernotdienst gewechselt bin.“ Die Arbeit mit Mädchen und Jungen, die das Jugendamt in einer Notsituation aus Familien nehmen musste, gebe ihr ein gutes Gefühl, sagt die gelernte Heilerzieherin. Immer dann, wenn sie sieht, dass die Kleinen hier wieder aufblühen.

Bei Kindern schlägt ihr Herz höher

Sie hat ihre Ausbildung an der beruflichen Schule in Stralsund absolviert. „Ursprünglich wollte ich mit beeinträchtigten Menschen arbeiten“, sagt die 30-Jährige. Nach Praktika an der Stralsunder Ernst-von-Haselberg-Förderschule und beim Verbund für soziale Projekte (VSP) schwenkte sie um. „Ich habe schnell gemerkt, dass mein Herz für Kinder schlägt“, sagt sie lächelnd.

Bei VSP hat sie dann in der Familienhilfe gearbeitet und in einer stationären Wohngruppe Kinder zwischen elf und 18 Jahren betreut. Mit ihrer Entscheidung, sich innerhalb des VSP für den Kindernotdienst zu bewerben, hat sich die Erzieherin einer neuen Herausforderung gestellt.

Kindernotdienst fängt Kinder auf

„Hier kommt es darauf an, dass die Kinder, die zu uns gebracht werden, emotional schnell aufgefangen werden“, sagt Vivien Müller. Denn für die Kleinen ist es ein großer Einschnitt in ihrem bisherigen Leben, wenn sie plötzlich aus ihren Familien heraus in den Notdienst gebracht werden müssen. Für diese Kinder ist in der neuen Umgebung erst einmal alles fremd und es dauert ein paar Tage, bis ihnen ihre Betreuer etwas vertrauter geworden sind. „Es ist unsere Aufgabe, sie schnell zu stabilisieren“, so die Erzieherin.

Das gelingt umso besser, wenn die Schützlinge schnell wieder in vertraute Strukturen gebracht werden, etwa in ihre Kindergartengruppe oder ihre Schulklasse, wo sie ihre Freunde haben. Dennoch ist es anfangs schwer, besonders die Kleinen abends in den Schlaf zu bekommen. „Manche haben ja nicht einmal ein Kuscheltier von zu Hause mitbekommen.“ Doch da können die Betreuer schnell Abhilfe schaffen.

„Jedes Kind ist etwas Besonderes“

Es geht darum, Sicherheit zu vermitteln und Ablenkung zu organisieren. „Jetzt, in der Adventszeit gehen wir mit den Kindern gerne auf den Weihnachtsmarkt oder mit den Größeren ins Kino“, sagt Vivien Müller. Fahrten zu Indoor-Spielplätzen in der Umgebung lassen Kinderaugen strahlen. Besonders beliebt sind die Besuche im Stralsunder Tierpark. „Das könnten wir jeden Tag anbieten.“ So denkt man beim VSP darüber nach, mit dem Zoo eine Kooperation zu vereinbaren. „Ein paar Jahreskarten wären da für unsere Arbeit schon sehr hilfreich“, sagt sie.

Und wie emotional berührt sie selbst eigentlich die Arbeit im Kindernotdienst? Vivien Müller, Mutter von zwei Jungs, sagt: „Ein Stück weit ist man natürlich auch das Ventil für die Konflikte, die manche Kinder hier mit sich austragen. Es kommt zu Situationen, wo man innehalten muss und sich fragt, wie gehst Du jetzt mit diesem Ausraster um.“ Sie versuche, das auszuhalten, auslaufen zu lassen und dann mit dem Kind aufzuarbeiten. „Jedes Kind ist etwas Besonderes. Darauf muss ich mich jeden Tag neu einstellen.“ Für sie macht vor allem das ihre Arbeit spannend und vielseitig.

Ideen werden in die Arbeit eingebracht

Es hilft ihr, dass die Schicht im Kindernotdienst tagsüber stets mit zwei von sieben Mitarbeitern des Kindernotdienstes besetzt ist. Der gemeinsame Austausch im Team erleichtert nicht nur die Arbeit, sondern hilft auch dabei, nicht alle Emotionen mit nach Hause zu nehmen. „Jeder hier bringt neben seiner Berufserfahrung auch viele Ideen für unsere Arbeit mit“, sagt die Erzieherin.

Für Jan Peters, Koordinator des VSP, ist es vor allem eine wichtige Eigenschaft, die seine Mitarbeiter für die Arbeit im Kindernotdienst mitbringen: „Für jeden im Team ist das eben nicht nur ein Beruf, sondern vor allem eine Berufung.“

OZ-Leser spenden für einen Spielplatz am Kindernotdienst

Der Verbund für soziale Projekte (VSP) Stralsund erst im Juli den Kindernotdienst eröffnet. Eigens dafür hat der gemeinnützige Verein das denkmalgeschützte einstige Landwarenhaus an der Alten Richtenberger Straße 60 mit großem Aufwand saniert. Es entstanden kindgerecht eingerichtete Zimmer mit bunten Wänden und moderne Sanitäranlagen, eine geräumige Wohnküche sowie Aufenthaltsräume für die Mitarbeiter.

Hier werden seither Kinder betreut, die das Jugendamt zu ihrem Schutz zeitweise aus Familien nehmen muss. Was jetzt noch fehlt, ist die Gestaltung der Außenanlagen am Kindernotdienst. Der VSP möchte diese um einen kleinen Spielplatz mit Sitzecke bereichern, der den im Notdienst betreuten, zum Teil traumatisierten Kinder künftig ihr Los etwas erleichtern und ein Lachen ins Gesicht zaubern soll.

Dafür hat die OZ-Weihnachtsaktion„Helfen bringt Freude“ ihre Leser in der Adventszeit zu Spenden aufgerufen. Und die haben ein großes Herz für Kinder. Kurz vor dem zweiten Advent ist die Spendenbereitschaft hoch, sind auf dem Spendenkonto 5460 Euro eingegangen.

30 Eurofür dieses Zwischenergebnis spendete Angelika Gneuss. 100 Euroüberwiesen auf das Spendenkonto: Herbert Erdtmann, Jutta und Harald Schädlich, Henning Wolgast sowie Bettina Berg. Und 150 Euro gaben Ilka und Ralph Renneberg für den Spielplatz am Kindernotdienst dazu.

Hier können Sie spenden: Spendenkonto bei der Sparkasse Vorpommern:

IBAN: DE 39 1505 0500 0112 2475 80Verwendungszweck: „Helfen bringt Freude“, Spielplatz VSP sowie, falls benötigt, die Anschrift für eine Spendenquittung

Lesen Sie auch:

Von Jörg Mattern

Hans-Peter Hahn und Peter Körner bringen am 11. Dezember plattdeutsches Weihnachtsprogramm ins Vorpommernhus nach Klausdorf (Vorpommern-Rügen).

07.12.2019

Für 3,57 Millionen Euro wurde ein Teil der Hauptverkehrsader Stralsunds saniert. Weiter geht es mit den Bauarbeiten im April 2020.

06.12.2019

Einzelabgeordnete Dr. Carmen Kannengießer und Andrea Kähler bilden nun mit Grünen eine Fraktion.

06.12.2019