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Stralsund Kommt Rügens Silberschatz in die Mönchguter Museen?
Vorpommern Stralsund Kommt Rügens Silberschatz in die Mönchguter Museen?
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00:00 20.06.2018
Petra Wolter, Vorsitzende des Museumsfördervereins (l.), überreicht mit Heidrun Zulbeari einen Scheck in Höhe von 4500 Euro an Göhrens Bürgermeister Wolfgang Pester. Quelle: Foto: Gemeinde
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Göhren

Das Tauziehen um den Wikingerschatz geht weiter: Jetzt bringt sich auch Göhren als Ausstellungsort für den im April bei Schaprode aufgespürten Silberfund ins Spiel. Bisher waren das noch zu bauende Archäologische Landesmuseum in Rostock, das Stralsund Museum, wo bereits der Hiddenseer Goldschmuck präsentiert wird, das Pommersche Landesmuseum in Greifswald und zuletzt auch das Bergener Stadtmuseum im Gespräch. Verschiedene Rügener Vereine, Verbände und Personen hatten gefordert, dass der Schatz einmal da zu sehen ist, wo er gefunden wurde – auf der Insel. Vielleicht in einem Rügen-Museum, in dem die eigene Geschichte und Kunst gezeigt werden kann.

Die Gemeinde Göhren hat einen Antrag gestellt, den Fund von Schaprode in ihrem Ort auszustellen – Rostock, Greifswald und Stralsund wollen ihn aber auch

In Göhren hingegen sieht man den mehr als 1000 Jahre alten Fund aus der Zeit des Dänenkönigs Harald Blauzahn (910-987) in den Mönchguter Museen am besten aufgehoben. Im sanierten Heimatmuseum, das seit einem Jahr zudem einen neuen, noch ungefüllten Anbau hat, wäre dafür Platz – neben der geplanten Ausstellung Pommerscher Trachten.

„Der Kreistag hatte den Beschluss gefasst, dass der Silberschatz in Vorpommern gezeigt werden soll. Göhren hat nun beim Landrat den Antrag gestellt, dass er hier ausgestellt wird“, informierte Bürgermeister Wolfgang Pester. Das Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege habe dies bereits zur Kenntnis genommen. „Der Schatz würde ein Magnet für das Museum sein und Synergien haben“, sagt Pester.

Die Besucherzahlen der seit Jahren um ihren Fortbestand kämpfenden Einrichtung dürften mit dem Schatz „einen Schub“ erhalten, meint der Bürgermeister. Mit einer solchen Attraktion könnte man auch den Landkreis ins Boot holen, sagt Pester. „Zum Beispiel auch zur Finanzierung einer Mitarbeiterstelle.“ Neben Museumsleiterin Ellen Melzer wurde im Mai Marika Emonds als Sachbearbeiterin für drei Jahre befristet eingestellt, die sich um die dringend notwendige Aufarbeitung des Museumsfundus kümmert.

Derzeit sei man dabei, einen historischen Bezug zum Schatz herzustellen, sagt Göhrens Kurdirektor Jörn Fenske. Museumsgründerin Ruth Bahls (1909 bis 1994) sei in der Szenerie der Bodendenkmalpflege auf der Insel ein starker Partner gewesen. „Dies ist eine Brücke, dass solche Schätze hier wissenschaftlich anständig präsentiert werden.“ Wichtig sei eine inselweite Zusammenarbeit, ein Museumsverbund für Rügen. Fenske: „Wir stehen einem Rügen-Museum offen gegenüber. Ein Museum kann nicht nur für eine Gemeinde allein sein, weil Inselgeschichte immer miteinander verbunden ist. Darum soll sie auch gemeinsam erzählt werden.“

In Göhren fühlt man sich mit den Museen bisher aber allein gelassen. „Bis auf Baabe hat leider keine Nachbargemeinde ihre Unterstützung erklärt“, bedauert Pester. Göhren könne diese Mammutaufgabe aber nicht allein stemmen. Die Gemeinde kämpft ohnehin um eine sichere Zukunft für die Mönchguter Museen. Der kommunale Eigenbetrieb Kurverwaltung hatte 2014 die Regie für die Einrichtungen (Heimatmuseum, Museumshof, Rookhus/Haus Damp und Museumsschiff „Luise“) übernommen. Denn nach zwölf Jahren musste der Museumsförderverein deren Betrieb aufkündigen, weil er die Kosten für Personal und Unterhaltung nicht mehr weiter hätte aufbringen können. Um die Mönchguter Museen zukunftsfähig zu machen, soll das Heimatmuseum nun neu konzipiert und zum „Pommerschen Trachtenmuseum“ als wissenschaftlich arbeitendes Museum entwickelt werden. In die Sanierung des denkmalgeschützten Heimatmuseums und die Errichtung des modernen Anbaus sind bereits 700000 Euro investiert worden.

Die inhaltliche Ausrichtung ist nun Bestandteil des Polnisch-Deutschen Geschichtsforums, für das Göhren zusammen mit seinen Partnerstädten Karlino und Walcz (beide Polen) europäische Fördermittel in Höhe bis zu 1,74 Millionen Euro beantragt hatte. Diese wurden auch zugesagt. Allerdings hat Göhren Probleme, den Eigenanteil zu finanzieren.

Ein Lichtblick: 4500 Euro hat kürzlich der Museumsförderverein an die Gemeinde übergeben. Die Summe kam durch einen Spendenaufruf zusammen, um die Mönchguter Tracht aus dem Museumsbestand dauerhaft zu erhalten. Mit dem Geld wird eine Restauratorin beauftragt, die Kleidung fachmännisch zu säubern, aufzuarbeiten und zu konservieren. Im Blick hat man dabei eine Tracht für einen Mann, eine Frau und ein Kind sowie auch eine Hochzeitstracht.

Schatz aus 1920 Einzelteilen

Der Silberschatz von Schaprode ist etwa 1,7 Kilogramm schwer und besteht aus insgesamt 1920 Einzelstücken. Darunter befinden sich etwa 250 dänische sowie 600 islamische Münzen und Münzfragmente sowie etwa 450 Reichsmünzen. Daneben wurden zudem Schmuckstücke sowie -fragmente von Ringen, Fibeln, Hals- und Armreifen inventarisiert.

Der Schatz gehört dem Land MV. Er wird verbunden mit dem Dänenkönig Harald Blauzahn (910-987). Laut historischen Quellen soll dieser im Jahr 986 nach einer verlorenen Schlacht gegen seinen Sohn Sven Gabelbart nach Vorpommern geflüchtet sein. Es wird angenommen, dass er seine Schätze vergraben hat.

Gerit Herold

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