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Stralsund Ist das Wald oder kann das weg?
Vorpommern Stralsund Ist das Wald oder kann das weg?
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06:07 27.03.2019
Den Ideen eines Investors für einen neuen Supermarkt in Andershof erteilte das Forstamt eine Absage. In den ausgewiesenen Gewerbegebieten der Stadt ist man zwar kompromissbereiter, die Stadtverwaltung übt dennoch scharfe Kritik am Waldschutz. Quelle: Christian Rödel
Stralsund

Wild aufgewachsene Bäume und Sträucher machen der Stadtverwaltung und potenziellen Investoren in Stralsund das Leben schwer. Nach dem Konflikt mit dem Forstamt in Andershof (die OZ berichtete) wird deutlich: Auch andere Gewerbegebiete sind von ähnlichen Konflikten zwischen Waldschutz und Wirtschaftsinteressen betroffen. „Die ’Waldproblematik’ ist in und an allen Gewerbegebieten der Stadt anzutreffen, Schwerpunkte bilden dabei "Grünhufe/An der B 105" und "Stralsund/Lüdershagen“, so Peter Koslik, Pressesprecher der Stralsunder Stadtverwaltung.

An beiden Orten wurden in den 90er-Jahren Gewerbeflächen ausgewiesen. Einige Grundstücke wurden allerdings nie bebaut und die Natur nahm ihren Lauf. Was für manchen „Wildwuchs“ oder „Gestrüpp“ ist, gilt nach dem Landesgesetz bereits als Wald, weil die Pflanzen entsprechend hoch gewachsen sind und sich zusammenhängende Flächen von mehr als 2000 Quadratmetern ergeben. Und dieser Wald ist erstmal geschützt – auch wenn es inzwischen Interessenten für die Grundstücke gibt. Eine Rodung und anschließende Bebauung ist nur im Einvernehmen mit dem zuständigen Forstamt Schuenhagen erlaubt. Und: Für jeden Quadratmeter der gerodet wird, müsste an anderer Stelle aufgeforstet werden.

Ein aufgeb(a)uschtes Problem?

Im Gewerbegebiet Grünhufe in direkter Nachbarschaft zum Ostsee-Center sind zwei Drittel der noch freien Flächen betroffen, weil sie entweder selbst von Bäumen und Sträuchern bewachsen sind oder in die Schutzzone von 30 Metern um eines der Waldstücke fallen. Konkret wurde der Konflikt jetzt an einem Grundstück in der Rudolf-Diesel-Straße, für dass es nach Informationen der Stadt einen Interessenten gibt. Auf Seiten der Stadtverwaltung führt das zu heftiger Kritik: Das Waldgesetz bremse die Entwicklung der Stadt aus, heißt es aus dem Rathaus. Bürgermeister Alexander Badrow (CDU) fordert schon länger eine Gesetzes-Änderung, die Bauprojekte in Städten erleichtert. Für Peter Fürst, Leiter der Wirtschaftsförderung in Stralsund, ist „nicht nachvollziehbar“, warum definierte Gewerbegrundstücke nun als Wald gelten und damit „praktisch unverkäuflich“ seien.

Allerdings: Ganz so dramatisch wie man die Lage im Rathaus schildert, ist sie möglicherweise nicht. Das macht Forstamtsleiter Andreas Baumgart deutlich. „Eine Umwandlung wäre in dem konkreten Fall problemlos möglich“, sagt er. Eine Zustimmung des Forstamtes habe er der Stadt bereits 2017 signalisiert. „Es ist ja klar, dass diese Flächen mal als Bauland vorgesehen waren“, sagt er. Mit dem Fall in Andershof, wo sich die Forstbehörde bislang gegen den Bau eines Supermarktes auf einem Waldgelände ausspricht, sei das nicht vergleichbar. Damit bliebe noch das Problem der Ausgleichsmaßnahmen und der damit verbundenen Kosten. „Vermutlich ist das eher die Schwierigkeit für die Stadt“, so Baumgart. Wie groß die Fläche dafür sein müsste, hänge an einem komplexen Berechnungsverfahren. „Grob geschätzt wäre das in dem Fall das 1,7- bis 1,8-fache der betroffenen Waldfläche“, erläutert er.

Rasenmähen ist nicht verboten

Im Rathaus muss man sich auch die Frage gefallen lassen, ob es nun Unwissenheit, Sparzwang oder Gleichgültigkeit war, die zu den Konflikten mit dem Waldgesetz geführt haben. Denn darin sind explizite Ausnahmen vom Waldschutz für definierte Bebauungsgebiete geregelt. Entsprechende Beschlüsse behalten ihre Gültigkeit über zehn Jahre, selbst wenn dort Bäume und Sträucher wachsen. In Grünhufe sind seitdem zwar mehr als zwanzig Jahre vergangene, allerdings hätte die Stadt als Eigentümerin des Geländes den Aufwuchs auch durch entsprechende Landschaftspflege verhindern können. Das Gesetz verbiete niemandem, sein Bauland regelmäßig zu mähen oder zumindest alle paar Jahre wild aufgewachsene Pflanzen zu entfernen, bevor ein Wald entsteht, so Baumgart. Grünpflege, räumt Pressesprecher Koslik ein, habe in Gewerbegebieten vorrangig nur an den Straßen stattgefunden, damit der Verkehr nicht behindert wird. Andere Arbeiten habe man aus personellen Gründen nur sporadisch durchgeführt. „Zumal immer davon ausgegangen wurde, die Verbuschungen jederzeit bei Bedarf entfernen zu können“, so Koslik.

Carsten Schönebeck

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