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Stralsund Kostenlose Kita: Land soll Erzieher bezahlen
Vorpommern Stralsund Kostenlose Kita: Land soll Erzieher bezahlen
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05:32 21.06.2018
Großer Gärtnerstolz bei den Lütten von der Kita Biene Maja. Hier werden 71 Kinder betreut. Die erste privat geführte Kindertagesstätte Deutschlands hatte kürzlich zum 20. Geburtstag mehrere Hochbeete, wie dieses mit Erdbeerpflanzen, geschenkt bekommen. Kita-Leiterin Silke Hermann (hinten) freut sich für die Eltern, dass sie ab 2010 keine Beiträge für den Platz mehr zahlen müssen. „Aber ich wünsche mir, dass endlich der bürokratische Aufwand für uns in den Kitas kleiner wird. Es ist Wahnsinn, was da im Moment zu leisten ist.“ Quelle: Christian Rödel
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Stralsund/Grimmen/Bergen/Ribnitz

Die Begeisterung bei Müttern und Vätern mit kleinen Kindern ist groß, denn ab 2020 will das Land die Elternbeiträge für einen Kita- oder Tagespflegeplatz übernehmen. Doch bei Kreisen und Kommunen wächst die Sorge, dass sie dann mehr bezahlen müssen. Vorpommern-Rügen will nicht warten, bis das Land Finanzierungskonzepte vorgibt, sondern stürmt mit eigenen Vorschlägen voran.

Ein erster Schritt war der Beschluss des Kreistages: Vorpommern-Rügen will bei der Umsetzung der Aufgabe „kostenlose Kita“ Pilotprojekt werden. „Stolpersteine kommen oft erst in der praktischen Erprobung zu Tage, deshalb wäre ein Pilotprojekt sinnvoll“, sagt Vize-Landrätin Carmen Schröter im OZ-Gespräch und ergänzt: „Die Schwerpunkte müssen natürlich zwischen Kreis und Ministerium abgestimmt werden. Die Beurteilung der Testphase sollte durch sachverständige Dritte erfolgen.“ Wichtiges Detail bei einem Pilotprojekt: Der Kreis bekommt für die Mehrausgaben Zuschüsse.

Und noch etwas liegt dem Landkreis am Herzen – die Entbürokratisierung der gesamten Kita-Abrechnung. „Für jeden der 15 000 Plätze in unserem Kreis muss ein Datenaustausch zwischen Träger und Jugendamt erfolgen. Das betrifft die genaue Aufschlüsselung nach Vollzeit- und Teilzeitplatz, aber auch die Fachkraft-Kind-Relation, die mittelbare pädagogische Arbeit und spezielle Förderungen. Das ist jeden Monat ein riesiger Aufwand, den auch der Jugendhilfeausschuss in den letzten Jahren immer wieder kritisiert hat“, so Carmen Schröter und schiebt hinterher: „Ganz zu schweigen von den rund 3000 Kindern, für die wir auch noch den Elternbeitrag übernehmen. Das kostet den Kreis jährlich sieben Millionen Euro.“

Auch wenn sich das Land bisher noch nicht zu den Vorschlägen aus der Stralsunder Kreisverwaltung geäußert hat, legt Vorpommern-Rügen nach und unterbreitet ein ganz konkretes Bezahlmodell. Der Grundgedanke: Das Land bezahlt das gesamte Kita-Personal, also Erzieher und Kinderpfleger. Dafür kommen Kreis und Kommunen für die Sachkosten auf, bezahlen auch die Kindertagespflegepersonen.

Personalkosten: Das Land legt ja jetzt schon den Fachkräfteschlüssel fest. „Also sollte das Land auch fürs Personal in Krippe, Kindergarten und Hort aufkommen. So wie es jetzt ja auch schon bei den Schulen ist. Das Land bezahlt die Lehrer, den Rest macht der Schulträger. Vorteil: Jede Kita-Stelle wird nach Tarifvertrag im öffentlichen Dienst vergütet, wenn nicht sogar besser. So entfällt die Rumrechnerei und damit viel Aufwand, zudem werden endlich alle gleich bezahlt“, findet die Fachbereichsleiterin für Jugend und Soziales. Von 62 Kita-Trägern in Vorpommern-Rügen zahlen übrigens 35 nach Tarif – das betrifft 112 von insgesamt 150 Kitas.

Kindertagespflege: Die bleibt bei Kreis und Kommunen. „Da wir aber von anderen Personalkosten entlastet werden, haben wir dann auch Geld, um die Tagesmütter vernünftig zu bezahlen. Auch ein ansprechendes Vertretungsmodell wäre möglich“, sieht Carmen Schröter die Vorteile des neuen Modells.

Sachkosten, Betriebsaufwand und Verpflegung für alle Kitas übernehmen Kreis und Kommunen.

Kostenverteilung: 84 Millionen Euro kostet der Kita-Bereich in Vorpommern-Rügen jedes Jahr. Diese Ausgaben bleiben bis auf Tarifsteigerungen relativ konstant, sollen nach Vorschlag des Kreises aber künftig anders aufgeteilt werden. Die Elternentlastung will das Land so wie so übernehmen, so dass dort die Ausgaben ab 2020 von 32,5 auf 44,8 Millionen Euro steigen. „Wenn schon Mehrausgaben, dann mit einem Modell für die Zukunft“, sagt die Stellvertreterin des Landrates und rechnet mit Landesausgaben von insgesamt 58 Millionen, wenn die Personalkosten komplett übernommen werden.

Für den Kreis liegen die Ausgaben nach neuem Modell bei 11,5 statt bisher 12,8 Millionen Euro. Stärker spürbar wäre die Entlastung bei den Kommunen. Hier wären statt bisher 23 nur noch 11,5 Millionen Euro fällig. Damit bliebe aber endlich auch Geld übrig, um in Kita-Gebäude zu investieren. „Im Moment dreht sich ja alles um die Förderung von neuen Plätzen, doch wir müssen auch an den Erhalt der jetzigen Kapazitäten denken“, sagt Kathrin Meyer (CDU), Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses.

Kreis und Kommunen könnten eingespartes Geld in Erhalt der Kita-Plätze investieren

62 Kita-Träger gibt es in Vorpommern-Rügen, 28 von ihnen zahlen den Mitarbeitern keinen Tariflohn. Das betrifft 38 von etwa 150 Kitas. „Der Fachkräftemangel wird sich verschärfen. Wir brauchen nicht nur neue Kita-Plätze, sondern auch gut ausgebildetes Personal. Eine einheitliche Entlohnung nach Tarif oder darüber hinaus wäre ein erster Schritt“, sagt Carmen Schröter.15 500 KitaPlätze stehen im Kreis für Krippe, Kindergarten und Hort zur Verfügung.

84 Millionen Euro (mit Verpflegung) kostet der gesamte Kita-Bereich von Vorpommern-Rügen jährlich. 32 Millionen zahlt das Land, 12,8 Millionen der Kreis, 23,2 Millionen die Kommunen und 13,6 Millionen die Eltern. Aus dem Bildungs- und Teilhabepaket fließen 1,8 Millionen.

Übernimmt das Land ab 2020 die Elternbeiträge, steigt der Landesanteil auf rund 45 Millionen Euro.

58 Millionen Euro hoch wäre der Anteil des Landes, wenn man dort dem Kreis-Vorschlag folgt, komplett die Personalkosten für Erzieher und Kinderpfleger zu übernehmen. Eine einheitliche, gute Entlohnung wäre die Folge, ähnlich wie in Schulen bei den Lehrern.

Der Vorteil: Kreis und Kommunen müssten nur noch je 11,5 Millionen Euro auf den Tisch legen, hätten im Gegenzug aber mehr Geld für Kindertagespflege und könnten in den Erhalt der Kita-Plätze, also in Sanierungen, investieren.

Ines Sommer

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