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Stralsund Kreis funkt SOS: Pflegeeltern dringend gesucht
Vorpommern Stralsund Kreis funkt SOS: Pflegeeltern dringend gesucht
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15:23 09.06.2018
Vorpommern-Rügen: 388 Kinder mussten 2017 vom Jugendamt aus ihren Familien genommen und in einer der 226 Pflegefamilien betreut werden. Quelle: Foto: Patrick Pleul/dpa
Stralsund

„Frau schlägt Ehemann mit Gurkenglas nieder“ – hinter dieser Meldung in der OZ vor ein paar Tagen steht nicht nur eine Körperverletzung, sondern auch ein trauriges Schicksal für ein Zwillingspaar. Weil die Eltern aus der Gemeinde Sundhagen ein gewaltiges Alkoholproblem haben und die Mutter mit Werten von bis zu 5,3 Promille nicht mehr in der Lage ist, sich um den Nachwuchs zu kümmern, mussten die anderthalbjährigen Kinder schließlich vom Jugendamt aus der Familie genommen werden. Mit anderen Worten: Die Kleinen werden nun von Pflegeeltern umsorgt. 226 Pflegefamilien gibt es im gesamten Landkreis Vorpommern-Rügen – zu wenig, denn 388 Mädchen und Jungen müssen versorgt werden. 181 in Stralsund, 111 in Nordvorpommern und 96 auf Rügen.

Und die Tendenz ist steigend, denn 2015 waren es nur 285. Dabei sind in der Statistik nur jene Mädchen und Jungen erfasst, die längere Zeit bei „Ersatz-Eltern“ verbringen. Für akute Notfälle, nämlich dann, wenn ein Kind auch mitten in der Nacht in Obhut genommen werden muss, stehen zusätzlich so genannte Bereitschaftspflegeplätze zur Verfügung. 15 sind das im Kreis, dahinter stehen sieben Familien, die die Kinder dann umsorgen, wie zuletzt in Grimmen einen Achtjährigen, der seine Mutter verloren hatte. Manchmal kommt auch eine Kurzzeitpflege in Frage, zum Beispiel, wenn eine alleinerziehende Mutter ins Krankenhaus muss und nicht auf Oma und Opa zurückgreifen kann.

Unter den 226 Pflegeeltern sind 65, die mehr als ein Kind betreuen. Die Grenze des Machbaren sei erreicht, so die Nachricht im Jugendhilfeausschuss. „In und um Stralsund oder andere Städte geht es, aber die ländlichen Regionen sind unterversorgt. Besonders auf Rügen müssen wir unser Angebot stärken. Scheiden Familien aus, finden wir kaum neue“, berichtet Patricia Hartmann vom Jugendamt.

Die Kinder, für die Mutter und Vater auf Zeit gesucht werden, sind meistens im Kleinkindalter, also von 0 bis 3 Jahre alt, aber der Rahmen wird schon bis zu 6- bis 8-Jährigen gesteckt. Für die Teenies sucht der Kinderpflegedienst möglichst Wohngruppen oder betreute Wohnformen, aber auch der Kinder- und Jugendnotdienst in Stralsund bietet eine Betreuung. Im letzten Jahr wurden in der Einrichtung des Internationalen Bundes 98 Kinder im Alter von 5 bis 18 versorgt.

Doch was erwartet Pflege-Mama und Pflege-Papa, wenn sie einem in Not geratenen Knirps helfen und ein Zuhause geben wollen? „Bewerben können sich Paare, die hier wohnen und in der Regel nicht älter als 40 Jahre sind. Wir prüfen dann natürlich die wirtschaftlichen und räumlichen Verhältnisse, hinterfragen die Motivation des Antragen und verlangen natürlich auch ein polizeiliches Führungszeugnis“, antwortet Patricia Hartmann auf die Fragen im Jugendhilfeausschuss. Die Mitarbeiterin im Sozialpädagogischen Dienst, die im Jugendamt als so genannte Führungsunterstützung eingesetzt ist, betont, dass die ständige Zusammenarbeit wichtig sei. „Und die Pflegeeltern müssen wissen, dass für viele Kinder die Rückführung in ihre eigentliche Familie geplant ist, wenn dort wieder alles läuft“, so die Sozialarbeiterin.

Anett Kindler (Grüne) wollte wissen, ob das mangelnde Interesse an der Arbeit als Pflegefamilie mit der Bezahlung zusammenhängt. „Die Summen liegen Ihnen vor, da muss jeder selbst entscheiden, ob das viel oder wenig ist“, meint Patricia Hartmann. „Das, was da geleistet wird, wenn so ein kleines Puschelchen vielleicht schon als Baby Schlimmes erlebt hat und wieder aufgepäppelt werden muss, kann man gar nicht mit Geld bezahlen“, so Andrea Kühl (Linke). Klopfende Zustimmung in der Runde.

Fakten zur Pflege

226 Pflegefamilien gibt es in Vorpommern-Rügen, sie betreuen 388 Kinder, die meisten sind im Kleinkindalter.

98 ältere Kinder, die ebenfalls vom Jugendamt in Obhut genommen wurden, sind 2017 im Kinder- und Jugendnotdienst in Stralsund versorgt worden.

702,50 Euro bekommen Pflegeeltern für die Betreuung ein Kindes bis 5 Jahre, bei 6 bis 11-Jährigen gibt es 773 Euro, für die Großen sind es 866 Euro. Hinzu kommen Zuschüsse für Erstausstattung, Einschulung, Jugendweihe oder Klassenfahrt, aber auch für besondere Hilfsangebote.

Sommer Ines

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