Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Zwei neue Glocken für Kirche in Pütte
Vorpommern Stralsund Zwei neue Glocken für Kirche in Pütte
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 04.05.2017
Anzeige
Pütte

Neue Glocken werden mit einem Gottesdienst begrüßt, das ist auch in Pütte so. Doch in der Kirchengemeinde Pütte-Niepars hat man sich für die „beiden Neuen“ einen besonderen Empfang einfallen lassen: Auf einem offenen Wagen werden die Glocken von Viersdorf (dort wurden sie zwischenzeitlich gelagert) nach Pütte geschickt. „Die Glockengießer nennen das Glockeneinholung“, sagt Pastor Stefan Busse und ergänzt: „Wir wollen diesen Zug per Fahrrad und Kremser begleiten. In Pütte trinken wir gemeinsam Kaffee, während die Glocken abgeladen werden. Und um 16 Uhr feiern wir dann gemeinsam Gottesdienst.“

Gemeindemitglieder begleiten Transport am Sonntag von Viersdorf nach Pütte per Rad und Kremser

Eigentlich wollten die Pütter ihre jetzige Glocke nur mit einem elektrischen Antrieb versehen. „Bisher brauchten wir den nicht, denn seit über 25 Jahren läutet Ewald Wichering aus Krönnevitz die Glocke per Hand. Doch der Mann, der vergangenes Jahr seinen 80. Geburtstag feierte, möchte den Glockenstrick verständlicherweise nun weitergeben“, sagt Pastor Stefan Busse. Lange habe man nach Ersatz gesucht – doch nicht gefunden. Deshalb nun die Entscheidung zum Umbau auf Elektroantrieb.

Bei einer dafür notwendigen Glockenschau durch den Sachverständigen Pastor Joachim Huse wurden allerdings gravierende Mängel in der Aufhängung und im Klöppellager festgestellt. Die Glocke war einst die kleinste in einem Dreiergeläut. Sie wurde 1802 in der Stralsunder Glockengießerei Metzger gefertigt. Die beiden großen Glocken wurden vor 100 Jahren für den Krieg geopfert. Um die jetzige Glocke zu entlasten – sie weist durch den jahrelangen „Alleingang“ schon tiefe Gebrauchsspuren auf – wurde der Kirchengemeinde empfohlen, mindestens eine weitere Glocke anzuschaffen. Zunächst gab der Kirchengemeinderat grünes Licht für Reparatur und elektrische Läuteanlage.

„Genau zu dieser Zeit erfuhren wir von zwei kleineren Glocken, die in einer Kirche in den alten Bundesländern abgehängt wurden und zum Verkauf stehen. Das Gute: Die passten genau zu unserem Glockenton“, freut sich Stefan Busse noch immer über diesen Glücksgriff. Für den man allerdings etwas tiefer in die Tasche greifen musste. 10000 Euro kosten die Glocken samt Klöppel und Joch.

Bezahlt wird das Ganze aus Spenden und angesparten Eigenmitteln der Gemeinde.

In den folgenden Tagen kommt die Firma Griwahn aus Grimmen, zieht die neuen Glocken im Turm hoch und baut sie ein. Die alte Glocke, die immer die kleinste war, wird nun zur größten. „Sie wird am Sonntag letztmalig von Hand geläutet und verstummt dann, denn auch sie muss abgehängt, repariert und in einem Stuhl an einem neuen hölzernen Joch aufgehängt werden“, erklärt der Pastor.

Am 11. Juni soll alles fertig sein, dann wird die Glockenweihe gefeiert. „Wir freuen uns schon darauf, denn dann werden wir einen vollen Glockenklang mit dem ins Ohr gehenden Te Deum-Motiv vernehmen können“, so der Pastor der Kirchengemeinde Pütte-Niepars.

Glockeneinholung wie in alten Zeiten

10000Euro kosten die beiden neuen, gebrauchten Glocken. Es handelt sich um 250 und 350 Kilo schwere Stücke, die die bisherige Pütter Glocke (etwa 450 Kilo schwer) entlasten sollen. Ursprünglich hatte Pütte ein Dreiergeläut.Am Sonntag um 14 Uhr treffen sich die Gemeindemitglieder um 14 Uhr in Viersdorf. Von dort aus machen sie sich per Rad und Kremser auf den Weg nach Pütte und begleiten den offenen Wagen mit den Glocken. Ganz so, wie man vor Hunderten von Jahren neue Glocken in der Gemeinde begrüßte.

Te Deum ist der Anfang eines feierlichen, lateinischen Lob-, Dank- und Bittgesangs der christlichen Kirche. Die Bezeugung reicht bis ins frühe 6.

Jahrhundert zurück. Man spricht beim Glockenklang auch vom Te Deum-Motiv.

Ines Sommer

Mehr zum Thema
Kultur Wut verloren, Glück gefunden - Zürich hat ein ungewöhnliches Fundbüro

Geduld verloren, Glück gefunden: In Zürich gibt es ein Fundbüro für immaterielle Dinge, wo solche Dinge als Fund oder Verlust gemeldet werden können. Ein Kunstprojekt.

30.04.2017

Bergen war einen langen Abend lang Schauplatz ganz unverhoffter Momente

02.05.2017

Krimiautorin Donna Leon plaudert in Heringsdorf über Venedig, Businesskinder und die Musik

02.05.2017

Erstmals im Frühjahr unter zehn Prozent Arbeitslosenquote

04.05.2017

Johannes Bugenhagen hat für die Reformation im Norden so viel bewirkt wie kein anderer

04.05.2017

Nachwuchswissenschaftler für neue Erkenntnisse über den Brotfisch Vorpommerns ausgezeichnet

04.05.2017