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Stralsund Kupfermühle: Startschuss für Stadion-Neubau
Vorpommern Stralsund Kupfermühle: Startschuss für Stadion-Neubau
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15:07 23.02.2018
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Stralsund

Endlich tut sich was im Stadion Kupfermühle. Die jetzt laufenden Baumfällarbeiten kündigen den Umbau der Sportstätte an. Endlich, denn seit vielen Jahren steht die Maßnahme auf Platz 1 der Stralsunder Prioritätenliste, doch nichts tat sich. Nach vier Jahren zäher Verhandlungen mit dem Land – die Maßnahme musste immer wieder den entsprechenden Fördermittelkriterien angepasst werden – kann das 8,8-Millionen-Projekt nun hoffentlich in Angriff genommen werden.

Baumfällarbeiten lassen es erahnen: Im Stadion Kupfermühle beginnen nach jahrelanger Warterei endlich die Umbauten. 8,8 Millionen Euro will die Stadt Stralsund investieren.

Geld fehlt noch, dafür gab es grünes Lich für vorzeitigen Baubeginn

Zwar erwartet die Stadt noch immer den 75-prozentigen Zuschuss aus dem europäischen Fonds für regionale Entwicklung, aber auch ohne Fördermittelbescheid gab es jetzt die Genehmigung für einen vorzeitigen Baubeginn. Und das wertet die Stadt als positives Zeichen. „Gut, dass wir endlich anfangen können. Damit arbeiten wir den ersten großen Punkt unseres Investitionsstaus bei Sportstätten ab“, sagt Sport- und Kulturausschussvorsitzender Maik Hofmann (Bürger für Stralsund) gegenüber der OZ.

39 Bäume müssen gefällt werden

Los geht es nun erst einmal mit dem Fällen von 39 Bäumen. „Diese Bäume weisen fortgeschrittene Schädigungen auf. Aus Gründen der Verkehrssicherung im Plangebiet ist eine Fällung unvermeidbar. Die Ersatzpflanzung von 48 Gehölzen im Stadtgebiet schafft den erforderlichen Ausgleich“, so ein Sprecher im Stralsunder Rathaus.

Abriss könnte im Juni beginnen

Die für Juni geplante erste Bauphase beinhaltet den Abriss der alten Anlage samt Funktionsgebäude gehört. Aber auch die Errichtung des multifunktionalen Stadions mit Leichtathletikanlagen, den geforderten sechs Laufbahnen, Beleuchtung, Rundum-Laufparcours, Weitsprung- und Beachvolleyballbereich fällt in den Start-Abschnitt, der allein rund drei Millionen Euro kostet. Die Eigenanteile habe die Stadt angespart, so die Information im Sport- und Kulturausschuss.

Tribüne folgt im letzten Bauabschnitt

Phase 2 ist dann der Kunstrasenplatz, als Letztes folgen Gebäude- und Tribünen-Neubau.Das neue Stadion bietet sechs Laufbahnen auf modernstem Niveau - und zum Teil mehrere Möglichkeiten für Kugelstoßen, Hammerwerfen, Weit- und Hochsprung, Speerwerfen. Um die Arena herum führt eine Joggingstrecke für Jedermann. Aus dem jetzigen Hartplatz soll ein Kunstrasen-Großfeld werden, das sich in zwei Kleinfelder teilen lässt. Auch wenn der Rasen speziell für die Fußballer gedacht ist, können auch andere darauf trainieren.

Multifunktionale Sportstätte entsteht

Die Verbindung zum benachbarten eigentlichen Stadion schafft ein neuer Funktionsbau. Über zwei Etagen finden dort Umkleidekabinen, Sanitärbereiche, Vereinsräume und Abstellmöglichkeiten für sämtliche Sporttechnik Platz. Ein Hingucker ist die Tribüne obendrauf, die 206 Sitzplätze bietet. Daneben haben noch einmal 530 Zuschauer Platz, die lieber stehen, während sie ihre Mannschaft anfeuern.

Der heutige Rasenplatz wird ebenfalls erneuert, so dass er für die Fußballer beste Bedingungen bieten wird. Eine gute Nachricht für die Kicker des ESV Lok, die im Moment hauptsächlich das Areal nutzen. Doch wie die Rathaus-Mitarbeiter immer betonten, wird das Stadion nicht vorrangig für TSV oder Lok gebaut. Hier sollen sich Schul-, Vereins- und Freizeitsport zu Hause fühlen.

Das hat das neue Stadion

6 Millionen Euro EU-Förderung erwartet die Stadt für den Neubau des Stadions. Fast neun Millionen Euro kostet das Projekt insgesamt. In den ersten Abschnitt fließen drei Millionen.

530 Stehplätze entstehen im Tribünenbereich, daneben gibt es 86 im Zuschauerbereich. Hinzu kommen sechs Rollstuhlfahrer-Plätze und 206 Sitzplätze auf der Tribüne.

18 Sport-Veranstaltungen dürfen laut Lärmschutzgutachten an den Wochenenden pro Jahr im Stadion Kupfermühle stattfinden. Konzerte sind nicht möglich.30 Sportstätten hat Stralsund: sechs Plätze, acht Kleinsportanlagen und 16 Hallen. Hinzu kommen Hansedom, Dänholm, Tennisanlage, Kegel- und Bowlingbahnen, Skaterhalle sowie die Sporthallen von Fachhochschule und Berufsförderungswerk, die nicht der Stadt gehören.


Blick in die Geschichte: Stadion war einst Platz für Pferdesport

Gut 80 Jahre hat das Stralsunder Station Kupfermühle auf dem Buckel. Es wurde 1925 zunächst als Turnierplatz für den Pferdesport geplant. Der Stralsunder Reit- und Fahrverein hatte hierfür die Fäden in der Hand.

Der Verein hatte zwar schon einen Platz an der Prohner Chaussee nahe Kedingshagen, aber mit Bahnhofsnähe und Stallanlagen bot sich neben Schleusenbrücke und Viehhallen einfach mehr Potenzial. Die Tribüne mit 130 Plätzen wurde auf den neuen Platz umgesetzt. Allerdings dauerte es bis März 1928, bis Stadt und Verein einen Pachtvertrag unterschrieben. Die Stadt sorgte für Drainage, Einplanierung, Umzäunung und das Aufstellen eines Vorführrings.

Die schlechte Lage in der Landwirtschaft führte dazu, dass bald keine Reitturnier mehr stattfanden, zudem konnte der Verein 1933 die Pacht nicht mehr zahlen. Zum Glück fand die Stadt einen neuen Pächter: Zum 1. Dezember 1934 wurde der Platz an den „Reichsbahn-Turn- und Sportverein Germania von 1925“ verpachtet, und zwar für zehn Jahre.Der Verein baute das Gelände um, was sich wegen der Bodenverhältnisse schwierig gestaltete.

Erst am 9. Mai 1937 wurde das Stadion eingeweiht. Der Präsident der Reichsbahndirektion Stettin, Lohse, gab dem neuen Sportplatz in seiner Ansprache den Namen „Reichsbahnkampfstätte“. Nach weiteren Reden erfolgte die Eröffnung der Wettkämpfe. Leichtathletik stand natürlich auf dem Programm, hinzu kamen ein Faustballturnier und Handballspiele der Jugend, wobei Germania gegen den Reichsbahnsportverein Rostock gewann.

Sommer Ines