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Stralsund Landesweite Impfaktion gegen HPV in Stralsund gestartet
Vorpommern Stralsund Landesweite Impfaktion gegen HPV in Stralsund gestartet
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13:15 19.09.2019
Die HPV-Impfquote im Land liegt bei 42 Prozent, das soll sich mit der neuen Kampagne der Stiftung „Betroffen“ ändern. Quelle: dpa-tmn
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Stralsund

Den Humanen Papillomviren (HPV) wird in Vorpommern jetzt besonders der Kampf angesagt. „Diese Viren sind für die Vorstufen von Gebärmutterhalskrebs, Krebs im Anus und im Mund-Rachen-Raum verantwortlich“, sagt Professor Matthias Birth. Der Gründer der Stiftung „Betroffen“ und zugleich Ärztlicher Direktor des Hanse Helios Klinikums in Stralsund sieht deshalb in der HPV-Impfung viel Potenzial, um den Krebs zu bekämpfen.

Impfquote in MV bei 42 Prozent

Doch obwohl es den Impfstoff seit 2007 gibt, sind in Mecklenburg-Vorpommern nicht einmal die Hälfte der Mädchen im Alter von 9 bis 14 Jahren geimpft. Dabei steht unser Land im Bundesvergleich noch relativ gut da – in Bayern haben sich nur 22 Prozent die Spritze in den Oberarm geben lassen. Deutschlandweit liegt die Quote bei 32 Prozent. Hier setzt die landesweitere Aktion der Krebsstiftung „Betroffen“ an und startet jetzt eine große Aufklärungs- und Werbekampagne für den zweimaligen Pieks.

„Bisher wurde immer nur über Mädchen gesprochen, doch wir müssen die Jungs beim Impfen mit einbeziehen. Denn erstens sind sie beim Sex Überträger der Viren, zweitens könnten auch sie Mund- und Rachenkrebs bekommen“, so Matthias Birth. Übertragen werden die Viren aber nicht nur durch Geschlechtsverkehr, sondern zum Teil auch durch Hautkontakt.

Zwei Impfungen für den besten Schutz

Die Impfungerfolgt bei 9- bis 14-jährigen Mädchen und Jungen mit zwei Impfdosen in den Oberarm – im Abstand von 5 bis 13 Monaten. Bei Jugendlichen von 15 bis 17 Jahren sind drei Impfungen notwendig.

Ein intaktes Immunsystem kann die Viren bekämpfen, dies gelingt aber nicht immer. Dabei merkt der Betroffene nicht, ob er infiziert ist. Je nach HPV-Typ kann das ganz unterschiedliche Folgen haben: Unangenehme Haut- oder Genitalwarzen, Gewebeveränderungen an Gebärmutterhals, Schamlippen, Scheidenvorhof, Scheide, Penis, After oder im Mund-Rachen-Raum. Aus diesen Gewebeveränderungen kann sich im Laufe mehrerer Jahre eine Krebserkrankung entwickeln, mit Abstand am häufigsten: Gebärmutterhalskrebs.

Fast jeder macht HPV-Infektion durch

80 bis 90 Prozent aller Menschen machen im Laufe des Lebens eine HPV-Infektion durch, ohne es zu merken. Aber: Bei jedem Zehnten wird sie chronisch und führt zu Zellveränderungen. Mögliche Folgen sind dann Gebärmutterhals- und Scheidenkrebs, Mund- und Rachenkarzinome oder Analkrebs. 4600 Frauen in Deutschland erkranken zum Beispiel jährlich an Gebärmutterhalskrebs, 1500 sterben daran. 90000 Frauen werden wegen Vorstufen dieses Krebses operiert.

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Auch Mecklenburg-Vorpommerns Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) zieht in puncto Impfaktion mit. „Wir haben das Ganze mit der Stiftung auf den Weg gebracht. Vorpommern soll bei der Aktion federführend sein. Das Land hat schon 2018 mit der Impfung gegen Masern einen wichtigen Schritt gemacht. Und auch bei HPV muss es darum gehen, dass aus den Viren nicht Krebs wird“, sagte er bei der Pressekonferenz und betonte, dass das Land 40 000 Euro für die Kampagne zur Verfügung stellt.

Kampagne kostet 70 000 Euro

30 000 Euro gibt die Krebsstiftung dazu. „Mit dem Geld sollen Flyer, Videos und Werbung finanziert werden. Wir gehen aber auch in die Schulen, sprechen mit den Eltern, um sie aufzuklären“, erklärte Stiftungs-Treuhänder und Rechtsanwalt Thomas Knüppel, wo das Geld bleibt.

Apropos Aufklärung. Der Anfang ist schon gemacht, wie Stiftungssprecher Matthias Bonatz berichtete. „Wir haben gemeinsam mit dem Kinderarzt Dr. Florian Woermann schon eine Elternversammlung in der IGS Grünthal durchgeführt. Die Mütter und Väter waren sehr interessiert.“ Man wolle aber auch mit den Sportbünden und Sportvereinen zusammenarbeiten, um die Mädchen und Jungen auf das Thema aufmerksam zu machen.

Kinder- und Frauenärzte geben Impf-Spritze

Längst hängen sich auch die Ärzte richtig rein. „Die Impfung gegen die Viren sollte vor dem ersten Sex erfolgen. Bis zum 18. Geburtstag ist sie kostenlos. Auch danach kann noch geimpft werden, aber das sollte man dann mit dem Arzt besprechen“, sagt Dr. Jens Quaas. Der Stralsunder Gynäkologe geht davon aus, dass viele Kinderärzte die 9- bis 14-Jährigen impfen. „Die Mädchen kommen mit ihren Müttern natürlich auch zum Frauenarzt. Ich hatte sogar schon Jungs, die mit Mutti im Wartezimmer saßen. Und das ist gut so“, findet der 50-Jährige, der in seiner Praxis eifrig die Werbetrommel für die Impfung rührt.

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„Unser System ist schon gut. Wer regelmäßig zum Frauenarzt geht und Vorsorgeuntersuchungen machen lässt, ist in puncto Krebs gut gewappnet. Die Impfung ist ein Riesensegen, um die Rate an Vorstufen auch noch zu senken. Und ganz nebenbei werden wir die lästigen Warzen los“, so Jens Quaas im OZ-Gespräch.

Wenig Nebenwirkungen bekannt

Hautreaktionen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen, in seltenen Fällen Schwindel oder Erbrechen können mögliche Nebenwirkungen der Impfung sein. „Doch ich finde, das ist das geringere Übel, wenn man bedenkt, dass man mit den zwei Spritzen dafür sorgt, dass das eigene Kind vor Krebs geschützt werden kann“, sagt Gesundheitsminister Harry Glawe.

Von Ines Sommer

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