Landrat Kerth zu Merkel-Abschied in Stralsund: „Andere waren Papst, wir waren Kanzlerin!“ 
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Stralsund Landrat Kerth zu Merkel-Abschied in Stralsund: „Andere waren Papst, wir waren Kanzlerin!“
Vorpommern Stralsund

Landrat Kerth zu Merkel-Abschied in Stralsund: „Andere waren Papst, wir waren Kanzlerin!“ 

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19:28 19.10.2021
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verabschiedete sich am Dienstag von der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen.
Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verabschiedete sich am Dienstag von der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat sich am Dienstag von Vorpommern-Rügen verabschiedet. Laut eigenen Angaben war es ihr letzter Besuch im Landkreis als Bundestagsabgeordnete. In der Hansestadt Stralsund besuchte sie die Mitarbeiter der Kreisverwaltung. Auf die aktuelle politische Lage in Berlin ging sie nicht ein – sondern sagte vor dem Landratsamt lediglich symbolisch „Auf Wiedersehen!“

„Viele Deutsche waren Papst. Aber Kanzlerin waren nur wir“, sagte Landrat Stefan Kerth (SPD) auf der Verabschiedung. In dem vorpommerschen Wahlkreis hatte ab 1990 auch Merkels politische Karriere an Fahrt aufgenommen. Seitdem ist ihre Biografie untrennbar mit Vorpommern-Rügen verwoben – auch durch etliche Projekte, die sie angeschoben hat.

Das spektakulärste davon ist vermutlich die Rügenbrücke, die seit 2007 die Hansestadt Stralsund mit der Insel Rügen verbindet. Dazu zählen laut Kerth aber auch der Breitbandausbau, das Kunstmuseum Ahrenshoop, die Darßbahn – und ihre jährlichen Empfänge im Störtebeker Brauquartier.

Mit der Kreisverwaltung hätte Merkel viel auf den Weg gebracht

Kerth empfing die Kanzlerin in einer lockeren Atmosphäre – mit zahlreichen Mitarbeitern des Landratsamtes. Dabei überreichte der Landrat Merkel unter anderem ein Aquarell mit Zeesbooten. Merkel hingegen lobte das Engagement der Verwaltung. „Wir haben miteinander viel auf den Weg gebracht“, sagte sie. „Die Älteren wissen noch, wie es 1990 in Stralsund oder Greifswald ausgesehen hat. Wie wäre es ohne die Wende in diesen Städten weitergegangen?“

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) verabschiedete sich am Dienstag von der Kreisverwaltung Vorpommern-Rügen. Hier überreicht Landrat Stefan Kerth (SPD) der Noch-Kanzlerin ein Gemälde. Quelle: Christian Roedel

Kanzlerin lenkte Weltöffentlichkeit auf Stralsund und Rügen

Immer wieder hat Merkel ihre Position genutzt, um die Weltöffentlichkeit auf ihren Wahlkreis zu lenken. „Viele der internationalen Besucher waren extrem begeistert von der Region“, resümiert Merkel. Unübertroffen sei jedoch der Besuch des früheren US-Präsidenten George W. Bush gewesen. „Ich hatte das Gefühl, dass er einmal sehen sollte, wie es im ländlichen Bereich des Sozialismus aussah“, sagte Angela Merkel. „Ich finde, Trinwillershagen ist genau dafür sehr typisch. Wer jemals in den amerikanischen Weiten des Westens unterwegs war, weiß, dass wir hier eine tolle Infrastruktur haben.“

Kanzlerin Merkel will privat an die Ostsee kommen

Merkel will ihrem Heimat-Wahlkreis weiterhin treu bleiben. „Ich werde auch weiterhin an die Ostsee kommen. Hier finde ich Bodenhaftung“, sagt sie.

Das Büro der Bundestagsabgeordneten Angela Merkel in der Ossenreyerstraße in Stralsund wird in diesen Tagen leer gezogen. Quelle: Kai Lachmann

Ihr Wahlkreisbüro in der Stralsunder Innenstadt wird es nun jedoch bald nicht mehr geben. Zuletzt wurden vor wenigen Tagen die schutzsicheren Fenster entfernt. Noch war das Klingelschild mit dem prominenten Namen aber zu sehen.

Von Kay Steinke