Merkel-Vertraute Kathrin Meyer als Vize-Landrätin in Vorpommern-Rügen im Gespräch
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Stralsund Über 8000 Euro brutto: Merkel-Vertraute hat neuen Spitzenjob in Vorpommern im Blick
Vorpommern Stralsund

Merkel-Vertraute Kathrin Meyer als Vize-Landrätin in Vorpommern-Rügen im Gespräch

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17:08 21.07.2020
Erfolg im Schatten der Kanzlerin: Kathrin Meyer im Café des Bernsteinmuseums in Ribnitz-Damgarten. Quelle: Robert Niemeyer
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Lukrativer Spitzenjob für eine Merkel-Vertraute? Im Oktober will die CDU-Fraktion im Kreistag Vorpommern-Rügen Angela Merkels Büroleiterin im Bundestag, Kathrin Meyer, zur neuen Vize-Landrätin wählen lassen. Dieser Plan ist der OZ auf Anfrage von mehreren Seiten bestätigt worden. Erste Gerüchte waren vor einigen Wochen bekannt geworden. Eine weitere mögliche Kandidatin für den Job als Beigeordnete in der Kreisverwaltung hat ihr Interesse inzwischen zurückgezogen. „Meyer ist die Kandidatin der CDU“, heißt es.

Die 53-Jährige sucht aktuell nach einer neuen Tätigkeit. Merkel hatte im Oktober 2018 angekündigt, im Jahr 2021 nicht erneut für den Bundestag zu kandidieren. Ihr Abgeordnetenbüro wird anschließend aufgelöst. Ein erster Versuch Meyers schlug fehl: In diesem Jahr kandidierte sie erfolglos als Bürgermeisterin ihrer Heimatstadt Ribnitz-Damgarten. Meyer verlor in der Stichwahl gegen den parteilosen Herausforderer Thomas Huth. Ihr fehlten 129 Stimmen. Im Ehrenamt ist Kathrin Meyer erfolgreicher: Im Juni 2019 wurde sie zur Präsidentin des Kreistages von Vorpommern-Rügen gewählt.

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Grüne erzwingen öffentliche Ausschreibung

Der Spitzenjob im Landratsamt wird frei, weil der bisherige Beigeordnete, Manfred Gerth (SPD), Anfang nächsten Jahres in den Ruhestand wechselt. Gerth hat die Kreisverwaltung nach der Kreisgebietsreform gemeinsam mit dem früheren Landrat Ralf Drescher (CDU) aufgebaut.

Auf Druck der Grünen im Kreistag ist die Stelle inzwischen öffentlich ausgeschrieben worden. Dennoch gilt Meyer als die erste Kandidatin der Union, die die größte Fraktion im Kreistag bildet. Auch weitere Bewerber, die nun aufgrund der Ausschreibung ihren Hut in den Ring werfen könnten, müssen am Ende von der Mehrheit des Kreistages gewählt werden. Ein Beigeordneter ist ein Wahlbeamter. Die reguläre Amtszeit endet nach sieben Jahren. Im Kreis Vorpommern-Rügen müssen sich Beigeordnete mindestens einmal im Kreistag der Wiederwahl stellen, was als Formsache gilt.

Den Ausschreibungsunterlagen zufolge wäre die CDU-Frau dann Chefin über weit mehr als einhundert Mitarbeiter im Landratsamt. Ihr sollen die Bereiche Öffentliche Ordnung und Gesundheit unterstellt werden. Die Ausschreibungsfrist endet am 18. August. Gut acht Wochen später soll der Kreistag entscheiden. Die nötige Mehrheit wird üblicherweise zuvor unter den Fraktionen ausgehandelt, was dem Vernehmen nach auch im Fall Meyer so laufen soll.

CDU-Fraktionschef: Eine Frau wäre eine gute Wahl

Der Fraktionschef der CDU im Kreistag, Andreas Kuhn, reagiert so, wenn man ihn auf die Personalie Meyer anspricht: „Was Sie immer alles wissen. Unsere Fraktion hat offiziell bisher nicht über einen Kandidaten gesprochen. Aber wir haben natürlich Namen im Revier.“ Die Fraktion wolle Ende August nach dem Abschluss der Ausschreibungsfrist einen Entschluss fällen. Über die Ergebnisse der Ausschreibung wolle man zuvor „noch mal drüberschauen“. Grundsätzlich sei eine Frau für das Amt eine gute Wahl. „Das ist wohl wahr“, unterstreicht Kuhn.

„Die Bewerberin/der Bewerber muss die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst oder die Befähigung zum Richteramt sowie entsprechende mehrjährige Führungserfahrungen haben und dafür entsprechende Nachweise erbringen“, heißt es in der Ausschreibung. Kathrin Meyer war vor ihrer Position im Bundestagsbüro der Kanzlerin Leiterin des Amtes für Tourismus, Schule und Kultur der Stadt Ribnitz-Damgarten und dort zugleich zweite Stellvertreterin des Bürgermeisters.

Nach der Schule absolvierte sie zunächst zwei Ausbildungen: zur Betonfacharbeiterin im Betonwerk Greifswald und danach zur Fachverkäuferin für Heimwerker- und Siedlerbedarf bei der früheren HO der DDR. Nach der Wende ließ sie sich von der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie MV (VWA), einer privatrechtlichen Bildungseinrichtung in Schwerin, zur Verwaltungsbetriebswirtin fortbilden.

Zunächst Ungereimtheiten um Hochschulabschluss

Nachdem sie 2013 ins Team Merkel wechselte, soll es zunächst intern Wirbel um die Frage gegeben haben, ob Meyer ohne Hochschulabschluss als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingruppiert werden darf. Einem internen Vermerk zufolge, der ihren Bewerbungsunterlagen für den Job bei Merkel angefügt ist, lässt das Bundestagsbüro der Kanzlerin eine Stellungnahme der VWA zur Bewertung Meyers Abschlusses als Verwaltungsbetriebswirtin einholen. In dem vorgelegten Lebenslauf hatte Meyer angegeben, sie habe 2007 den „Abschluss des Verwaltungsstudiums zum Verwaltungsbetriebswirt (VWA)“ erlangt.

In dem Antwortschreiben teilt der damalige Geschäftsführer der Akademie, Heinz Hübner, dem Bundestagsbüro der Kanzlerin mit: „Die an einer VWA erworbenen Abschlüsse sind nicht den Abschlüssen an staatlichen Hochschulen oder Universitäten gleichgestellt.“ Sie erfüllt damit nicht die Voraussetzungen. In einer seinerzeit gültigen Anlage zu den Gehaltsstufen der Angestellten der Abgeordneten heißt es, dass für die Einstufung als wissenschaftliche Mitarbeiterin „grundsätzlich ein Hochschul- beziehungsweise Fachhochschulabschluss erforderlich“ ist. Die Unterlagen liegen der OZ vor.

8095 Euro Grundgehalt

Meyer sei vorerst gehaltstechnisch auf der Sachbearbeiterebene eingestuft worden und habe noch im gleichen Jahr ein zweijähriges Betriebswirtschaftsstudium aufgenommen, das auf ihre Ausbildung an der VWA aufbaut, gibt sie im März 2019 in Zusammenhang mit entsprechenden Recherchen der OZ an. 2015 erwirbt sie den Titel Bachelor of Arts (FH), kann nun als wissenschaftliche Mitarbeiterin eingruppiert werden und hat so die Chance, den möglichen Gehaltsrahmen von damals knapp 7248 Euro brutto auszuschöpfen. Sachbearbeiter verdienen 2013 im Bundestag im Höchstfall 4688 Euro brutto.

Die Beigeordneten-Stelle beim Landkreis ist in die Besoldungsstufe B3 eingeordnet worden, was einem Grundgehalt von 8095 Euro entspricht. Das wirkliche Bruttogehalt liegt in der Regel durch eine Reihe an Zuschlägen höher.

Auf Nachfrage will Kathrin Meyer zu ihrem Vorhaben, Vize-Landrätin des Landkreises Vorpommern-Rügen zu werden, nichts sagen. Eine telefonische Anfrage nimmt sie zwar an, allerdings ohne sich zur Sache zu äußern. Ein zweiter Versuch per SMS bleibt unbeantwortet, obwohl sie darum gebeten hatte.

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Von Benjamin Fischer