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Stralsund Mit Volkstanzgruppe und Jugendklub fing alles an
Vorpommern Stralsund Mit Volkstanzgruppe und Jugendklub fing alles an
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05:52 29.06.2018
Die Theatergruppe ist ein Aushängeschild des Richtenberger Kulturtreff-Vereins.
Die Theatergruppe ist ein Aushängeschild des Richtenberger Kulturtreff-Vereins. Quelle: Ines Sommer
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Richtenberg

Das kulturelle Leben in Richtenberg ist seit Jahren eng verknüpft mit einem Verein, dem Kulturtreff. Gegründet wurde er 1998 in einer Zeit, als sich die Kommunen, die die Kulturarbeit vom Kulturbund übernommen hatten, Schritt für Schritt von Personalstellen verabschiedeten. In Richtenberg kam hinzu, dass der Karnevalsclub nicht mehr für die gesamte Kultur verantwortlich sein wollte und konnte, denn der RCC bekam keine Fördermittel...So suchte sich Angelika Meier, viele Jahre auch Kulturhausleiterin, ein paar Verbündete – und gründete mit elf Mitgliedern einen Verein. Der wurde am 4.<TH>November 1998 aus der Taufe gehoben, zählte bald 33 Mitglieder. Und das hatte einen guten Grund, denn viele Interessengruppen waren hier vereint. Da gab es bis 2002 den Chor, eine Plattdeutschgruppe (die übrigens Verstärkung sucht), aber Heimatgeschichte und Volkstanzgruppe.

Jugendarbeit und Tourismus angekurbelt

1999 war ein besonderes Jahr, denn da hat der Kulturtreff auch Jugendarbeit und Tourismus (so wurde am Markt eine Stadt-Information eröffnet) in sein Programm mit aufgenommen. „Wir übernahmen den Jugendklub mietfrei von der Stadt und haben mit ABM-Kräften das Haus auf Vordermann gebracht. Davon profitierten nicht nur die jungen Leute, denn wir konnten Theater, Sommerfeste und Konzerte dort veranstalten“, erzählt Angelika Meier, Gründerin und erste Chefin des Vereins. Im Rahmen eines Kleinprojektes konnte auch der Kiosk nebenan erneuert werden. Nach drei Jahren war dann Schluss mit dem Jugendklub, denn Förderungen wurden rar. Ehrenamtlich war dies nicht zu leisten. 2006 wurde – wieder durch Fördergeld – ein Lesecafé eröffnet. Doch als Vandalismus und Zerstörung auf dem Gelände der Freilichtbühne zu groß wurden, der Verein die Reparaturen nicht mehr schultern konnte, wurde das Haus 2007 aufgegeben.

Park der Wirtschaftsrelikte sorgte für Furore

Doch schon längst hatte der Kulturtreff mit einem anderen Projekt für Furore gesorgt, dem Park der Wirtschaftsrelikte. „Viel Anerkennung bekamen wir damals, als wir das Herzstück des Parks, die alte Dampfmaschine der Kornbrennerei geborgen haben. Dafür haben sich aber auch viele ehrenamtliche Helfer, ABM-Kräfte und Sponsoren engagiert“, zieht Angelika Meier heute noch den Hut.Die 66-Jährige hatte zwar nach gesundheitlichen Problemen den Vereinsvorsitz an ihren Mann Bernd abgegeben, doch ihr Organisationstalent blieb erfolgreich. Immer wieder schaffte es die Richtenbergerin, Geld für Projekte an Land zu ziehen, suchte weitere Partner, setzte neue Ideen um. „Ja, das war eine aufregende Zeit. Aber man muss auch damit klarkommen, dass sich Dinge verändern, Gruppen gehen ein, andere wachsen“, sagt sie. Gemeint ist damit zum Beispiel die Volkstanzgruppe, die in den Neunzigern für Stimmung sorgte. In schicken pommerschen Trachten übten sie Kreistänze ein. Acht Erwachsene und acht Kinder trainierten fleißig, u.a. bei Holger Hurtig vom Wossidlo-Ensemble. „Männermangel hatten wir von Anfang an, aber irgendwann waren wir einfach zu wenig Leute. Schade, denn das war eine tolle Sache“, schwärmt die ehemalige Vereinschefin.Mittlerweile liegt die Vereinsleitung in jungen Händen, denn 2017 übernahm Jan Zipperling den Chefposten. Er freut sich, dass besonders die Theatergruppe so einen Erfolg hat. Schließlich hat er als Kind dort bei den Helmerich-Sagen selbst auf der Bühne gestanden. Mittlerweile kümmert sich der 25-Jährige lieber um die Technik hinter der Bühne. Ob Märchenmarkt, Helmerich-Stücke oder Wichtelmarkt, über 20 Leute wirbeln in der Theaterwerkstatt mit – beim Spielen, beim Texteschreiben, beim Nähen der Kostüme und beim Kulissenbau.

Junge Leute übernehmen nun Verantwortung

Jan Zipperling, er studiert in Greifswald Geologie, verrät auch ein neues Vorhaben. So wollen die Richtenberger enger mit der Barther Boddenbühne zusammenarbeiten. „Da geht es um Weiterbildung in puncto Drehbuch, Regie, Spiel und Technik“, sagt er. Und Christine Rudolph ergänzt: „Wir wollen uns auch ein paar Hinweise für die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen holen.“ Dafür, dass mit den Finanzen nichts schief geht, sorgt Schatzmeisterin Cornelia Dobbert. Auch wenn sie nicht von Anfang an dabei ist, sieht sie es als großen Erfolg, so einen Verein über 20 Jahre stabil zu halten, auch wenn es finanziell eng wurde.Auch wenn es am Wochenende also viel Grund zum Feiern gibt, werden die Richtenberger doch bei einem Punkt etwas wehmütig: die Heimatgeschichte. Viele Jahre hat der Kulturtreff Material, Bilder, Urkunden und Exponate gesammelt, zunächst im Rathaus, später in der ehemaligen „Ente“ am Markt gezeigt. Auch die Brennereigeschichte wurde aufgearbeitet. Doch Ende 2017 lief der mietfreie Vertrag für das kleine Heimatmuseum aus (die OZ berichtete), und so musste die Ausstellung schließen.

Sommer Ines