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Stralsund Mitarbeiter des Theaters: Löschner führt wie ein Diktator
Vorpommern Stralsund Mitarbeiter des Theaters: Löschner führt wie ein Diktator
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00:00 18.07.2014
Stralsund

Vor der für heute angesetzten Entscheidung über den Verbleib von Dirk Löschner als Intendant und Geschäftsführer des Theaters Vorpommern wächst auf ihn auch hausintern der Druck.

In einem Brief an die OSTSEE-ZEITUNG, der mit den Worten „Die Belegschaft“ unterzeichnet ist, erheben die Angestellten schwere Vorwürfe gegen ihren Vorgesetzten. „Die beratungsresistenten Handlungen und Entscheidungen des Intendanten nehmen nun zunehmend diktatorische Ausmaße an, da ihm keine direkte Kontrollinstanz über- beziehungsweise gleichgestellt ist“, heißt es in dem zweiseitigen Schreiben.

Löschner ist anders als sein Vorgänger Anton Nekovar nicht mehr „nur“ Intendant, sondern zugleich Geschäftsführer der Theater Vorpommern GmbH. Dieser Posten gehörte zuvor Hans-Peter Ickrath. Auch, weil das Verhältnis zwischen Nekovar und Ickrath als äußerst angespannt galt, hatten die Gesellschafter der Bühne, die Städte Greifswald und Stralsund sowie der damalige Landkreis Rügen, entschieden, dass beide Tätigkeiten künftig in Personalunion ausgeführt werden könnten. Darunter haben die Mitarbeiter eigenen Aussagen zufolge nun noch mehr zu leiden als unter den dauerhaften Streitigkeiten zwischen Nekovar und Ickrath.

Seinen Namen möchte auf Grund der zugespitzten Situation keiner der Theater-Mitarbeiter in der Zeitung lesen. Künstler und Angestellte im nicht-künstlerischen Bereich hätten Angst, entlassen zu werden. Zuletzt wurden die immer auf lediglich ein Jahr befristeten Arbeitsverträge der beiden Mitarbeiterinnen der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit des Theaters nicht verlängert. Für Julia Lammertz und Karina Schulz, beide sind bereits seit vielen Jahren am Theater tätig, kam dies völlig überraschend (die OZ berichtete).

Die Kritik aus den Reihen der Mitarbeiter schwelt bereits seit Löschners Amtsantritt. Damals verlängerte er die Verträge eines Großteils der Schauspieler nicht. Dies hatte über das Theater hinaus zu Unmut geführt. Aber auch Nekovar war von den Mitarbeitern in den Jahren zuvor immer wieder scharf kritisiert worden, was die Belegschaft in ihrem Brief einräumt und von „schwierigen Jahren unter Anton Nekovar“ spricht. Dieser Umstand verschärfe sich nun aber zu einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit, schreiben die Autoren.

Hintergrund dafür, dass die Mitarbeiter des Theaters die Öffentlichkeit suchen, dürfte der Wunsch des Theater-Aufsichtsrates sein, den Vertrag von Löschner vorzeitig zu beenden. Das elfköpfige Gremium hatte Ende Juni beschlossen, von einer Ausstiegsklausel Gebrauch zu machen. Demnach kann die fünfjährige Amtszeit des Intendanten auf drei Jahre verkürzt werden, falls es große Kritik an dem von ihm eingeschlagenen Kurs geben sollte.

Das letzte Wort über Löschners mögliche Abberufung zum 31. Juli 2015 hat die Gesellschafterversammlung, die heute darüber entscheiden will. Der Runde gehören die Oberbürgermeister der Hansestädte Stralsund und Greifswald, Alexander Badrow und Arthur König, sowie Vorpommern-Rügens Landrat Ralf Drescher (alle CDU) an. Nach Angaben von Badrow sei noch nicht abschließend festgelegt worden, ob diese Entscheidung im Anschluss an die Sitzung öffentlich gemacht wird. Der Beschluss des Aufsichtsrates, für den bislang offiziell keine konkreten Gründe vorliegen, hat lediglich einen empfehlenden Charakter. „Es ist aber üblich, dass die Gesellschafter unseren Entscheidungen folgen. Wir sind die Fachleute“, sagte ein Mitglied des Gremiums.

„Ich hoffe, dass sich die Gesellschafter ausreichend über die Situation im Theater informieren, bevor sie ihre Entscheidung treffen. Es wäre für alle das Beste, wenn Löschner im Sommer 2015 geht“, betonte ein Theater-Mitarbeiter im Gespräch mit der OZ. Ebenfalls nur hinter vorgehaltener Hand sagte er weiter: „Im Theater herrscht eine Traurigkeit, die irgendwie alle lähmt.“

Ein streitbarer Weg
In der Causa Löschner ist es schwierig, sich für ein klares Pro oder Kontra zu entscheiden — besonders, wenn man das Theater Vorpommern von außen betrachtet und den Intendanten nicht so kennt, wie er als Chef ist.
Von außen gesehen muss man Löschner zugutehalten, dass er von Anfang an offen über seine Art, Theater zu machen, gesprochen hat. Kleine Projekte auf Studiobühnen, auch mal ein Experiment. Das sei für das Theater der bessere Weg als eine opulente Inszenierung nach der anderen. Und diesen Weg hat der Intendant eingehalten. Alle waren mit seinen Ideen damals zufrieden. Immerhin hat der gleiche Aufsichtsrat, der Löschner nun stürzen will, sich unter vielen Bewerbern auch deshalb für ihn entschieden. Aber nur wenige Meter weiter lagen erste Stolpersteine. Die Entlassungen der Schauspieler zugunsten neuer Gesichter und anhaltende Kritik an seinem Führungsstil. Über eine diktatorische Personalpolitik lässt sich nicht verhandeln, sollten die Vorwürfe stimmen. Die Qualität der Inszenierungen, über die sich indes trefflich streiten lässt, darf aber kein Grund sein, Löschner schon jetzt abzuschieben.



Benjamin Fischer und Petra Hase

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