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Stralsund Mitfahr-Projekt in Altenpleen: An der knallroten Bürgerbank geht’s los
Vorpommern Stralsund Mitfahr-Projekt in Altenpleen: An der knallroten Bürgerbank geht’s los
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13:51 20.07.2019
So kann es auch bald im Amtsbereich Altenpleen gehen: Mitfahrerbank in der Eifel. Quelle: info@mitfahrerbank.com
Altenpleen

Gute Nachrichten fürs platte Land: Das Projekt Mitfahrbänke im Amtsbereich Altenpleen kommt so langsam aus den Puschen. 24 Bänke werden in den sechs Gemeinden nördlich von Stralsund aufgestellt, um den Menschen in diesem Bereich ein Stück Mobilität zurück zu geben. In vielen Dörfern ist der Busverkehr stark ausgedünnt. Nur wer ein Auto hat, ist wirklich mobil. Vor allem Senioren fühlen sich deshalb oft abgehängt, auch die jungen Leute, die noch keinen Führerschein haben, sind Fahrer aufgeschmissen.

„Wir haben Firmen gesucht, die das Projekt mit uns umsetzen wollen. Viele, wie zum Beispiel Justizvollzugsanstalten oder das CJD, stellen zwar Bänke her. Aber wir wollten schon etwas Besonderes. Unsere Bürgerbank soll kein 0-8-15-Ding sein. Wir haben etwas Schickes gesucht, das auch ein Alleinstellungsmerkmal hat. Herausgekommen ist eine knallrote Bank“, berichtet die Altenpleener Verwaltungs-Chefin Ines Materna-Braun, die sich im Auftrag der Gemeinden um das Mitfahrer-Projekt kümmert. „Wir stehen kurz vor der Auftragsvergabe und wollen zusehen, dass die Bänke im Oktober stehen.“

80 000 Euro kostet das Projekt zur Verbesserung der Mobilität auf dem Lande. 72 000 Euro davon fließen aus dem Fördertopf Land(auf)schwung. Planung, Herstellungskosten, Öffentlichkeitsarbeit und Beschilderung für den Amtsbereich werden von dem Geld ebenso bezahlt wie die Entwicklung einer App.

Und so soll das Ganze funktionieren: Die Bank, zum Beispiel an der Bushaltestelle, ist Ausgangspunkt für denjenigen, der in den nächsten Ort fahren will. Zum Beispiel von Groß Mohrdorf nach Prohn zum Arzt und zur Apotheke. Beim Trampen hat man früher an der Straße ein selbst gemaltes Schild hochgehalten und so gezeigt, wo man hin will. Das läuft nun über Schilder, die an einem kleinen Mast ausgeklappt werden können. Zum Beispiel kann man in Mohrdorf wählen: Prohn, Stralsund oder Altenpleen. Die Klappschilder zeigen auch in die entsprechende Richtung.

So wird dem vorbeifahrenden Auto signalisiert, wo die Reise hingehen soll. Wer den Wartenden mitnehmen möchte, hält an. „Das Konzept setzt auf Freiwilligkeit“, so Ines Materna-Braun. „Oftmals kennen sich die Leute ja, zumindest vom Sehen. Ich könnte mir schon vorstellen, dass man denjenigen, der da wartet, dann mitnimmt. Also ich finde die Idee gut. Ganz im Gegensatz zum Projekt Bürgerbus, das uns im letzten Jahr vorgeschlagen wurde. Da gab es viel zu viele unbekannte Größen.“

Bei der Planung muss mann auch an das entsprechende Gegenstück denken: Wer also nach Stralsund zum Strelapark will, muss auch von dort zurückkommen. Deshalb steht also auch dort eine Bürgerbank – ebenso wie am Zentralfriedhof, der eine gute Anbindung an den städtischen Nahverkehr bietet.

Die Mitfahrerbank ist ein Treffpunkt für spontane Fahrgemeinschaften. Eben wie beim Trampen. Es gibt allerdings einen Unterschied: Das Konzept setzt auf das enge soziale Geflecht im ländlichen Raum. Man kennt sich. Natürlich kann so eine Mitfahrerbank nicht den öffentlichen Nahverkehr ersetzen, aber bedient kleine Verkehrsströme und schließt damit Lücken und ist deshalb auch keine Konkurrenz für den Busverkehr. Aber man gibt den Dorfbewohnern mehr Spielraum, von A nach B zu kommen.

„Und man kommt ins Gespräch, das ist ja auch ein wichtiger Punkt“, sagt Ines Materna-Braun. Und es gibt noch einen kleinen Vorteil: Die Tramper-Bank funktioniert mit App für eine richtige Verabredung, aber eben auch ohne Handy-Empfang, weil der Wartende einfach aufs Geradewohl zur Bank geht. Und es ist ein umweltfreundliches, nachhaltiges Projekt, denn die Autos, die eh in Richtung Stralsund fahren, sind dann besser ausgelastet.

Interessant auch dieser Aspekt: Die Fahrer, die an den Bürgerbänken anhalten, sollen registriert werden, um das Ganze transparent und sicher zu machen. Sie bekommen nach Eignungsprüfung einen so genannten Ehrenamtsausweis. An der genauen Verfahrensweise wird gerade noch getüftelt.

Trampen 2.0 – hier ist’s möglich

Hier sollen die ersten Bänke stehen:
Gemeinde Preetz mit Krönnevitz, Preetz und Schmdeshagen; Gemeinde Altenpleen: Neuenpleen, Nisdorf, Altenpleen; Gemeinde Prohn: Prohn Edeka (je eine in jede Fahrtrichtung), Prohn an der Kurve; Gemeinde Klausdorf: Barhöft, KLausdorf, Solkendiorf; Gemeinde Kramerhof: Groß und Klein Kedingshagen, Parow MTS, Parow Dorf und Strelapark. In der Gemeinde Groß Mohrdorf müssen die Orte noch mit der Gemeindevertretung abgestimmt werden. Vorschlag hier: Batevitz, Bisdorf, Mohrdorf und Hohendorf.

Die erste Mitfahrerbank Deutschlands wurde übrigens 2014 aufgestellt. Damals hat die Verbandsgemeinde Speicher gemeinsam mit der Caritas in der Westeifel die erste Tramper-Bank eingeweiht. Die Gemeinde in Rheinland-Pfalz mit ihren 3000 Einwohnern wollte der mangelnden Mobilität auf dem Lande etwas entgegensetzen. Dort habe sich die Bank zu einem altersübergreifenden Treffpunkt gemausert, berichteten die lokalen Medien.

Versicherungstechnisch sei eine Mitfahrerbank unkompliziert, so die „Erfinder“ aus Speicher. OZ fragte kürzlich bei der Stralsunder Allianz-Agentur von Heike Karock nach: „Jeder Mitfahrer ist durch die Kfz-Haftpflicht des Fahrers versichert. Der Fahrer selbst könnte bei Unfallverletzungen auf seine private Unfallversicherung zurückgreifen. Ist ein anderer Fahrzeugführer schuld am Unfall, greift dessen Haftpflicht“, erklärt Mitarbeiterin Dorita Busch.

In puncto Sicherheit würde das Amt Altenpleen gern noch einen anderen Schritt gehen. „Wir möchten erreichen, dass sich die Fahrer registrieren lassen“, hofft Ines Materna-Braun auf breite Zustimmung. Aber sie weiß, dass man dazu niemanden zwingen kann.

Ines Sommer

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