Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Nach Behandlung in Stralsund: Anisa (8) aus Afghanistan kehrt nach Hause zurück
Vorpommern Stralsund Nach Behandlung in Stralsund: Anisa (8) aus Afghanistan kehrt nach Hause zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
05:38 22.07.2019
Die kleine Anisa aus Afghanistan, hier im Strandbad im Kreise einiger Kinderkrankenschwestern und der Erzieherin des Hanseklinikums, hat fast zweieinhalb Jahre in Stralsund verbracht, weil sie hier operiert wurde. Nun geht es für sie wieder nach Hause. Quelle: Miriam Weber
Anzeige
Stralsund

Es gibt Kirschkuchen. Und Gummibärchen. Und Kindersekt. Und Musik. Eine richtige Kindersause, wie man sie sich vorstellt. „Sie hat sich eine Strandparty gewünscht und hat sie auch bekommen“, sagt Sylvia Schmidt. Sie ist Erzieherin auf der Kinderstation des Helios Hanseklinikums und hat sich in den vergangenen Monaten um die kleine Anisa gekümmert.

Anisa, geboren in Panjshir in Afghanistan, ist eine kleine Wasserratte, planscht durch die Wellen und jauchzt. Dass sie das tun kann, ist nicht selbstverständlich. Die vergangenen Monate hat die Achtjährige vor allem an einem Ort verbracht: dem Krankenhaus in Stralsund. Das erste Mal kam sie vor zweieinhalb Jahren an den Sund, mit einer diagnostizierten Knochenentzündung im Unterschenkel. Doch nach der Behandlung konnte sie wieder nach Hause fahren. Vor 15 Monaten dann jedoch der Rückfall: Sie kam erneut nach Stralsund und war seitdem fast ununterbrochen in der Klinik. In ihrem Heimatland Afghanistan konnten ihr die Ärzte nicht mehr helfen.

Medizinische Hilfe mit dem Friedensdorf International

Mit der Initiative Friedensdorf International (siehe Infokasten) fand Anisa jedoch Hilfe in Stralsund. „Anisa ist seit 2012 das fünfte Kind, das wir behandeln“, erklärt Unfallchirurg Dr. Bernhard Fortmeier. Dabei werden die Schützlinge des Friedensdorfes von den Kliniken kostenlos versorgt. Trotz allem ist der Fall Anisa für alle Beteiligten etwas Besonderes. „Anisa hat mittlerweile allein bei uns über zehn Operationen hinter sich“, erklärt Bernhard Fortmeier. Das Problem: Nach den ersten Operationen sah eigentlich alles ziemlich gut aus. Sie konnte zurückkehren in das Friedendorf, von dort aus sollte es bald nach Hause gehen. Doch dann kam ein erneuter Rückfall.

„Wir mussten Anisa das Schienbein entfernen, und haben uns dafür entschieden, das Wadenbein rüber zu schwenken“, wie der Mediziner erklärt. Sozusagen als Ersatz. „Das hat alles gut geklappt. Das Wadenbein ist gut eingeheilt und mittlerweile kann Anisa wieder an Gehstützen laufen.“ Doch das allein macht nicht das Besondere aus. „Sie ist für einen wirklich langen Zeitraum hier gewesen“, sagt Bernhard Fortmeier. „Während ich den medizinischen Part übernommen habe, haben die wichtigste Arbeit die Kinderkrankenschwestern und die Erzieherin auf der Station übernommen.“

Ein Wirbelwind mischt die Station auf

Und die haben sich um ihre kleine Patientin rührend gekümmert. „Am Anfang war es etwas schwierig mit der Verständigung“, schaut Erzieherin Sylvia Schmidt zurück. Aber dann klappte das immer besser, auch weil „Anisa ein aufgewecktes und intelligentes Mädchen ist“, wie Kinderkrankenschwester Ariane Nehls sagt. „Wir haben sie alle in unser Herz geschlossen und der Abschied wird nicht leicht“, sagt Anja Kunstein. Und wenn man dem kleinen Wirbelwind mit dem einnehmenden Wesen zuschaut, glaubt man sofort, dass dieser Abschied für alle schwierig wird.

Um Anisa zu fördern, hat Sylvia Schmidt vormittags mit ihr gerechnet, und Schreiben gelernt, „wir haben Unterricht gemacht“, sagt die Erzieherin. Doch der Einsatz der Schwestern ging weit über die Arbeitszeit hinaus. Kino, Strand, Zoo oder mal ein Volleyballspiel mit den Stralsunder Wildcats besuchen – wenn es Anisas Gesundheit erlaubte, waren sie viel unterwegs.

„Ich male gern und bastele“, sagt sie in nahezu akzentfreiem Deutsch und zeigt voll Begeisterung auf eine Pinata, die sie mit Sylvia Schmidt für das Abschiedsfest selbst gebastelt hat. Ein kleines Einhorn mit bunter Mähne und langen Wimpern. „Eigentlich zu hübsch, um es kaputt zu machen“, sagt sie nachdenklich und dann blitzen ihre Augen bei ihrer Idee: „Wir lassen es heil und angeln uns die Süßigkeiten einfach mit verschlossenen Augen raus!“

Schwerer Abschied

Wenn Anisa in das Kinderdorf zurückkehrt, wird sie noch bis Ende August Zeit haben, sich auf die Heimreise nach Afghanistan vorzubereiten. Zu Hause warten neun Geschwister und die Eltern auf Anisas Ankunft. „Ich freu mich auf meinen kleinen Bruder“, sagt Anisa und wechselt dann schnell das Thema. Auch für sie werden die kommenden Monate eine große Umstellung werden. Doch trotz allen Trennungsschmerzes sind sich alle bewusst, dass Anisa in ihre Familie, in ihr Zuhause zurückkehren wird. „Anisa hat das alles super gemeistert“, sagt Bernhard Fortmeier. „Und für uns gibt es nichts Schöneres, als dass wir dem Kind helfen konnten.“

Miriam Weber

Am 3. und 4. August Turniersport für Pferde und Reiter in Prohn (Vorpommern-Rügen) mit 22 Prüfungen. Dorffest steigt parallel dazu.

21.07.2019

Die Stralsunder Fischuppen-Betreiberinnen Antje Hübner und Conny Eisfeld ergriffen die Initiative und hatten Freitagabend auf die Hafeninsel eingeladen – viele machten mit.

21.07.2019

Die Eingangsstraße zur Stadt wird in den kommenden Jahren erneuert. Allein in den ersten, 220 Meter langen, Bauabschnitt sind 3,8 Millionen Euro geflossen.

21.07.2019