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Stralsund Nach Tod von Graf: Witwe Wioletta angelt sich Millionär(78) und macht jetzt Kunst
Vorpommern Stralsund Nach Tod von Graf: Witwe Wioletta angelt sich Millionär(78) und macht jetzt Kunst
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14:46 26.10.2019
Sie strahlt wie immer: Dr. Wioletta Gräfin von Klot-Trautvetter stellt ab Sonntag ihre Kranich-Bilder in der Hohendorfer Schlossresidenz aus – für eine Woche. Quelle: Ines Sommer
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Hohendorf

Das Heimweh hat sie wieder nach Hause getrieben. „Hohendorf ist meine Heimat“, sagt Wioletta Gräfin von Klot-Trautvetter etwas melancholisch, als hätte es bis zu dieser Erkenntnis seine Zeit gebraucht. „Nach dem Tod meines geliebten Hubertus 2015 musste ich erst mal weg hier, ich war plötzlich ganz alleine“, sagt sie, denn nicht nur der Mann war plötzlich nicht mehr da, auch die beiden Söhne zog es samt Stralsunder Freundinnen zum Studium in andere Ecken Deutschlands. So ging sie auf Reisen.

Verliebt in den norwegischen James Bond

In Norwegen haben die Zeitungen groß über das Grafenpaar berichtet, wie uns Wioletta von Klot-Trautvetter stolz präsentiert. Quelle: Ines Sommer

„Ich brauchte etwas Neues, deshalb hab ich sofort die Zeitungen durchgeguckt nach einem passenden Mann. Und da fiel mir sofort ein norwegischer Millionär ins Auge. Der Mann – ich nenne ihn immer den James Bond von Norwegen – hat mir schon eine Liebeserklärung gemacht, obwohl er mich noch gar nicht gesehen hatte“, schwärmt sie von ihrem 78-jährigen Mann. „Nach Hubertus war das mein zweiter Sechser im Lotto“, sagt sie und strahlt.

Aber eines möchte die Gräfin, die sich mit einem Doktortitel in Literaturwissenschaften schmücken darf, mal gleich klarstellen: „Mir gehört dort in Norwegen nichts, wir haben eine Gütertrennung, das ist dort so. Aber natürlich geht es mir gut. Mein Mann Terje hat mehrere Häuser, großes Auto, deshalb leben wir zum Teil in Berlin, zum Teil im norwegischen Bergen oder in Oslo.“

Gräfin handelt jetzt mit Aktien

Trotz des hohen Alters arbeitet ihr Mann, der übrigens bei der Hochzeit den Namen von Klot-Trautvetter samt Grafentitel annahm, viel. Terje Wigstom, einst Korvettenkapitän bei der Marine, ist heute Immobilienmakler und hantiert äußerst erfolgreich an der Börse.

„Uns fehlt es an nichts. Aber irgendwie reichte mir das nicht – nur spazieren gehen, schöne Natur genießen und vielleicht shoppen. Ich brauchte eine neue Aufgabe“, sagt die 49-Jährige. Da hat sie zuerst mal Norwegisch gelernt. „Und dann habe ich mich auf den Aktienmarkt getraut. Täglich lernt man dazu“, sagt sie und gesteht, dass die Gazprom-Aktien ihre Lieblinge sind.

Heimweh wurde immer stärker

Doch bei aller Ablenkung, das Heimweh wurde immer stärker. Deshalb schaute sie immer mal wieder in Hohendorf vorbei. Doch jetzt kommt sie öfter. Und wer die flotte, quirlige und superaktive Gräfin kennt, weiß, dass sie eine Menge Ideen im Kopf hat.

Ab Sonntag: Kranich-Malerei in der Schlossresidenz

Die Gräfin malte 99 Kranichbilder. Quelle: Ines Sommer

„Zuerst möchte ich meine erotische Kranich-Malerei zeigen. Von Sonntag bis nächsten Sonntag öffne ich deshalb die Schlossresidenz in Hohendorf. Täglich von 11 bis 17 Uhr können die Leute die Bilder anschauen – und nebenbei ein Käffchen trinken. Denn mein Café ist natürlich offen“, sagt Dr. Wioletta. Die Schlossresidenz, vor 20 Jahren von Gräfin Petra, der früheren Frau von Hubertus, neu gebaut, wird derzeit gerade wieder freigeschnitten, denn sie war zugewuchert wie ein Märchenschloss. Früher stand auf dem Platz übrigens das Gutsverwalterhaus.

Norweger heiß auf Kranich-Erotik

„Die Kranichbilder sind dann nämlich weg. Die gehen nach Norwegen, speziell ins Museum nach Bergen. Die Kunstsammler dort wollen meine Bilder unbedingt kaufen. Mal sehen, wie wir uns einigen. Aber ich wollte diese Malerei vorher noch einmal in Deutschland zeigen“, sagt sie. Die Kranichbilder entstanden 2011/12 auf Acryl. Es sind 99 Bilder, immer ein Meter mal 1,60 Meter groß. Unterzeichnet mit dem Künstlernamen Millo.

Vielleicht kommt die Gräfin von Klot-Trautvetter vor Weihnachten noch einmal wieder. „Eine Märchenstunde vor dem Kamin wäre doch schön. Und wir könnten auch die coole Kids-Kunst zeigen“, so die Idee der gebürtigen Polin, die übrigens ihre Mama mit nach Hohendorf gebracht hat. „Alleine ist es doch etwas unheimlich hier“, findet sie.

Buchholz-Bilder bald in Hohendorf zu sehen

Ganz nebenbei hat sie immer Kontakt zu ihrem Freund, dem Maler Eckhard Buchholz, gehalten. „Ich habe viele seiner Bilder gekauft, und die will ich dann hier im Café zeigen. Und wer weiß, vielleicht male ich noch mal zum Thema Kranich-Paradies. Auf jeden Fall will ich im Sommer drei Monate hierbleiben“, so ihr Ziel.

„Ich will jetzt wieder öfter kommen, das ist doch schließlich mein Reich hier. Viele fragen, ob ich verkaufen will. Nein, liebe Leute, ich behalte das. Und wenn ich mal nicht mehr bin, soll es ein kleines Museum zu den letzten Klot-Trautvetters werden“, hat Gräfin Wioletta auch schon mal für die Zeit nach ihrem Leben geplant.

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Mehr zur Autorin: Ines Sommer

Von Ines Sommer

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