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Stralsund Nach Wasserschaden: Stralsunder Hospiz zieht ins Pflegehotel
Vorpommern Stralsund

Nach Wasserschaden: Stralsunder Hospiz zieht ins Pflegehotel

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07:00 18.01.2020
Nach einem Wasserschaden im Hospiz sind die Gäste vorübergehend ausgezogen. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Diesen Januar-Sonntag werden die Pflegekräfte im Stralsunder Hospiz „Gezeiten“ wohl noch lange in Erinnerung behalten. Denn plötzlich wurden die Wände feucht, und das in einem Haus, das erst im August 2018 übergeben wurde. Schnell war klar, dass ein Schaden für das viele Wasser verantwortlich war. „Wir hatten ein Leck in der Heizung, so wurde erst der Fußboden feucht, und dann zog die Nässe in die Wände“, berichtet Annett Mülling, Geschäftsführerin der Stralsunder Wohlfahrtseinrichtungen im OZ-Gespräch.

Fachfirmen beseitigen Schäden

Die Hospizgäste wohnen nun im Pflegehotel. Quelle: Stefan Sauer

Die Monteure wirbeln bereits seit Tagen. Dennoch: Die Reparatur durch die Fachfirmen wird etwa acht Wochen dauern. Das Leck muss beseitigt werden, dazu erfolgt die Trockung, aber vorher galt es, den betroffenen Bereich gründlich zu desinfizieren.

„Wir haben uns dann relativ schnell entschieden, mit den Gästen aus dem Hospiz auszuziehen. Das wurde in unserem Haus bestens vorbereitet. Und so ging das innerhalb von ein paar Stunden über die Bühne“, so Annett Mülling und ergänzt: „Das war Teamwork. Nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch unsere Ehrenamtlichen und die Familien der Betroffenen haben mit angepackt.“ Zur Höhe des Schadens wollte sie sich nicht äußern. „Das liegt jetzt alles in den Händen der Versicherungen.“

Hospiz-Gäste können sich im Nachbarhaus wohl fühlen

Das Gute: Die acht Gäste aus dem Hospiz und zwei Tagespflegegäste konnten gleich nebenan untergebracht werden – im Pflegehotel. „Dort haben wir eine abgeschlossene Etage nur für die Hospizgäste frei gemacht. Die Räumlichkeiten sind ähnlich, es fehlt an nichts. In Pflege und Betreuung gibt es keinen Abbruch. Wir können die Qualität in jedem Fall halten“, betont die Unternehmensleiterin, die seit 2018 auf dem Chefsessel sitzt und berichtet, dass der Umzug mit allen Partner abgestimmt wurde.

Das Hospiz in Stralsund wurde 2018 eingeweiht. Quelle: Stefan Sauer

„Zum Glück sind wir ein großer Träger mit mehreren Häusern und etwa 350 Mitarbeitern, die fast 500 Menschen umsorgen und betreuen. Da findet man auch in so einem Havariefall schnell eine gute Lösung. Das System, und damit meine ich auch die Arbeit der Ehrenamtlichen, funktioniert in Stralsund sehr gut.“

Der Vorsitzende des Hospiz-Fördervereins Dr. Johannes Plath sagte uns: „Als ich die Nachricht von dem Wasserschaden bekam, war ich sehr betroffen. Aber ich bin froh, dass jetzt eine gute Übergangslösung gefunden wurde.“

2010 wurde Idee eines Hospiz geboren

Der Neubau des Hospizes „Gezeiten“ präsentiert sich im März 2018 als fertiger Rohbau auf dem Gelände der Stralsunder Wohlfahrtseinrichtungen. Quelle: Jörg Mattern

2010 war es, als sich die Bürgerschaft dazu bekannte, ein Hospiz am Sund zu unterstützen. Drei Jahre später wurden die Wohlfahrtseinrichtungen mit ins Boot geholt.Der Förderverein Stationäres Hospiz Stralsund wurde Ende 2013 mit dem Ziel gegründet, Spenden für den Neubau einzuwerben.

Im April 2016 nahm in einem Trakt der Wohlfahrtseinrichtungen am Grünhufer Bogen das Hospiz „Gezeiten“ seine Arbeit auf. Seither wurden hier 219 Menschen in ihren letzten Lebenstagen von 14 Mitarbeitern sowie ehrenamtlichen Helfern des Caritas-Hospizvereins sowie des Stralsunder Hospizvereins betreut.

OZ-Leser spendeten damals 84 000 Euro

Zur OZ-Weihnachtsaktion 2016 spendeten OZ-Leser 84000 Euro für den Hospizneubau. Die Krankenkassen finanzieren das Hospiz zu 95 Prozent. Fünf Prozent müssen über Zuwendungen finanziert werden. Für das Stralsunder Hospiz sind das 35 000 Euro, die jährlich an Spenden nötig sind.

Im Dezember 2017 wurde für den Neubau am Grünhufer Bogen schon Richtfest gefeiert, im März 2018 war der Rohbau fertig. Eingeweiht wurde das neue Hospiz im August 2018. Zu Gast war damals auch Bundeskanzelerin Angela Merkel.

Viele Spender machten Neubau möglich

Kanzlerin Merkel kam 2018 zur Einweihung des Stralsunder Hospiz-Hauses. Quelle: Jörg Mattern

Das neue Haus war außen wie innen schön geworden – von den Zimmern der Bewohner über den großen Gemeinschaftsraum, der auch gemeinsames Kochen ermöglicht, bis hin zum Raum der Stille als einem Ort für Besinnung und zur inneren Einkehr.

Doch ohne die zahlreichen Spender wäre der Neubau nie möglich gewesen. Der Hospizförderverein sammelte eine sechsstellige Summe dafür. Die Stiftung „Betroffen“ von Prof. Matthias Birth, Ärztlicher Direktor des Hanseklinikums, ermöglichte die Ausstattung zweier Tagespflegeplätze. Aber auch der Rotary-Club Stralsund (3500 Euro) und die Hermann-Reemtsma-Stiftung unterstützten das Projekt.

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