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Stralsund Nackte Fakten: Studenten aus Greifswald machen ernst
Vorpommern Stralsund Nackte Fakten: Studenten aus Greifswald machen ernst
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00:00 15.08.2014
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Greifswald

„Und, wie fühlt sich das an?!“Eine Fernsehjournalistin schiebt Marc Benedict das Mikrophon vor die Nase. Der 21-jährige Jura-Student trägt eine Brille, türkise Unterwäsche — sonst nichts. „Ungewohnt“, antwortet er, während er vor einem heruntergekommenen Jura-Gebäude in der Innenstadt posiert. „So viele Kameras — und das, wenn man fast nackt ist!“ Aber es sei ja für eine gute Sache.

Mit Fotos für einen Erotikkalender wollen Marc Benedict und viele weitere Studenten auf die nackten Fakten an ihrer Uni aufmerksam machen: fehlende Millionen im Haushalt, 77 bedrohte Stellen, viele marode Gebäude. „Es könnten langfristig sogar Institute geschlossen werden“, glaubt Marc Benedict. „Wir müssen was tun, und immer nur demonstrieren bringt nichts.“

Sex sells, schon jetzt hat sich das bestätigt: Überregionale Medien berichteten über die Idee, zum Fotoshooting für die Presse gestern wareb über 20 Pressevertreter angerückt. Angst vor ihren Blicken hat Marc Benedict nicht — und Kunststudentin Friedrike Holst noch viel weniger. Auch sie zieht sich für den Kalender aus, zumindest bis auf die Unterwäsche. „Ich hab früher als Model gearbeitet“, erzählt die 22-Jährige. Auf Fashionweeks in London und New York sei sie mitgelaufen, Magazine druckten Erotikfotos von ihr. „Aber keine Pornos, immer nur Kunst.“

Genau das ist auch der Anspruch der Protest-Studenten: Im Juli hatte das Studierendenparlament beschlossen, einen Erotikkalender zu gestalten — geschlechtergerecht mit nackten Studentinnen auf der einen Seite der Blätter, nackten Studenten auf der anderen. Oder halbnackt zumindest. Nichts Pornografisches sollte entstehen, sondern Ästhetik. Die Idee kam von der Satire-Partei „Die Partei“, eine knappe Mehrheit im Stupa stimmte zu, allerdings nach hitziger Debatte. „Einige hatten Sorge, dass es sexistisch wird, wir die Nacktheit der Körper ausnutzen“, erzählt Stupa-Präsident Philipp Schulz („Die Partei“). Ein bisschen sei es ja auch so. „Aber für einen guten Zweck.“

Über Facebook warb die Kalender-AG dann an der Hochschule um Models. „Einen Tag nach dem Aufruf war mein E-Mail-Fach schon mit Angeboten überflutet“, erzählt Anna Lou Beckmann, stellvertretende Vorsitzende des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta). Darum würden auf einigen Kalenderblättern nun zwei oder mehr Studenten gezeigt. So groß wie anfangs gedacht sei die Menge der Freiwilligen aber doch nicht, erzählt Phillip Schulz. „Als es hart auf hart kam, haben einige einen Rückzieher gemacht.“

Marc Benedict nicht. „Meine Mutter war zwar erst geschockt, als sie davon hörte, und hat gesagt, weißt Du, was Du damit auslösen kannst“, sagt er. Aber genau darum gehe es ja: etwas auszulösen. Am besten deutschlandweit. Der Medienrummel bestätigt: Das ist gelungen. „Auch unter den Studenten haben wir was bewegt“, erzählt Anna Lou Beckmann. „Viele interessieren sich ja nicht für Hochschulpolitik“, auf den Demos liefen die immergleichen Leute mit. „Aber der Erotikkalender ist überall Gesprächsthema — und mit ihm die Haushaltslage der Uni.“

Die ersten Fotos sind im Kasten. Drei Greifswalder Studenten, die als Fotografen arbeiten, haben sie geschossen. Darunter Mike Lange, 27, Lehramtsstudent. „Ich war oft in Schwerin dabei, um bei Bildungsstreiks zu demonstrieren“, erzählt er. Viele Reden von Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) habe er sich angehört. „Aber nie ist wirklich was passiert.“ Die Fotografie ist jetzt Langes Protestmittel.

Zumal er so auch die ästhetische Linie des Kalenders mitbestimmen konnte: Fotos in Schwarz-Weiß, ein Spiel mit Formen, Kontrasten, Licht und Schatten. Anfang Oktober, zur Erstsemesterwoche, soll der Kalender rauskommen, begleitet von Info-Veranstaltungen zur Finanzlage der Uni. Für die Druckkosten werben die Studenten um Sponsoren. Vorbestellen kann man den Kalender schon jetzt:

• www.uniblank.de



Sybille Marx

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