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Stralsund Natürlich Obst und Gemüse
Vorpommern Stralsund Natürlich Obst und Gemüse
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06:01 22.08.2018
Josef Brandl (61), Messerschleifer aus Gremersdorf bei Tribsees, arbeitet alle Geräte auf, die scharf sein müssen.
Josef Brandl (61), Messerschleifer aus Gremersdorf bei Tribsees, arbeitet alle Geräte auf, die scharf sein müssen. Quelle: Schmidtbauer Benrhard
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Gremersdorf

Blumen in vollster Blüte, schmackhaftes Gemüse verschiedenster Sorten, gesundes Obst, Eier von freiem Federvieh. Dazu Esel und Ziegenbock als Mistlieferanten – und zum Streicheln: Das bieten Anna (56) und Josef Brandl (61) auf dem etwa 5000 Quadratmeter großen naturbelassenen Garten ihres Land-ART-Hofes in Gremersdorf bei Tribsees (Vorpommern-Rügen). Im Hofladen an der Hauptstraße des langgezogenen Dorfes gibt’s die Produkte aus eigener Produktion zu kaufen.

Anna und Josef Brandl betreiben ihren Land-Art-Hof in Gremersdorf bei Tribsees. Das Land fördert naturnahe Gärten, besonders Schul- und Kitagärten.

Vögel, Insekten und Schmetterlinge fördern

Wildblumen (Bienenfreund, Akelei, Malven) sowie Wildkräuter (Gänsekresse, Salbei, Thymian) anpflanzen. Für Vögel Nist- und Versteckmöglichkeiten (Reisighaufen) anlegen. Als Futterquellen einheimische Beerensträucher und Bäume anpflanzen (Eberesche, Eibe oder Hagebutte). Laubhaufen als Unterschlupf für Kriechtiere und Insekten anhäufen. Brennnesseln in Ecken stehenlassen, sie dienen Schmetterlingen und deren Raupen als Nahrungsquelle.

„Der Garten und der Hofladen sind mein Broterwerb“, sagt Anna Brandl. Vor acht Jahren sind sie und ihr Mann aus Bayern nach Mecklenburg-Vorpommern gezogen. Beide hatten sich ins Grundstück in Gremersdorf verliebt – obwohl es Mühen ohne Ende verhieß. „Trotzdem fiel uns der Abschied von Bayern leicht“, erzählt Josef Brandl. Sein Metier ist das Schärfen von Gartengeräten & Co.

Anna Brandl wirtschaftet nach dem Prinzip der Permakultur. „Das ist Gärtnern im Einklang mit der Natur“, erzählt sie, die einst noch ganz traditionell Gärtnerin gelernt hat. Permakultur basiert auf dauerhaft funktionierenden nachhaltigen und naturnahen Kreisläufen. Ein grundlegendes Element ist das Einteilen der Gärten in Zonen. Anna Brandl nennt sie „kleine Inseln“, auf denen verschiedenste Arten von Gemüse und Feldfrüchten angebaut werden. Die Vielfalt der Kulturen ist ein weiteres Prinzip des Gärtnerns nach Permakultur. Über dieses Prinzip des Anbaus hält Anna Brandl auch Vorträge. „Ich bin offen für Leute, die etwas über das naturnahe Gärtnern lernen wollen.“ Wer ihr helfen wolle, erhält freie Kost und Logis.

„In der ersten Zone, vor der Haustür, wächst alles, was ich schnell brauche: Schnittlauch, Petersilie, Kräuter, Salat und anderes Gemüse“, zählt sie auf. Am Haus zieht sie auch schwarze Tomaten. Ein Stück weiter steht ein Baum mit Birnenquitten. Zu sehen sind zudem Zinnien, ein dekoratives Asterngewächs, sowie Skabiosen, auf die Bienen geradezu stehen.

Zwischen erster und zweiter Zone leben die Tiere: Ziegenbock „Herr Bömmel“ sowie die beiden Esel-Hengste „Fridolin“ und „Paulchen“. Die Tiere liefern zum einen Mist für den Garten. „Den Bock und die Esel habe ich auch aus Tierliebe aufgenommen“, erklärt Anna Brandl. Vielleicht wird sie die drei auch mal als Therapie-Tiere einsetzen. Dann sind da noch 40 Hühner und zwei Hähne, zehn Indische Laufenten als „Schneckenpolizei“, zwei Gänse sowie Kaninchen.

Die dritte Zone ist der eigentliche Gemüsegarten, der durch Hecken ringsum geschützt wird. „Ich baue das Gemüse oft auf Hügelbeeten aus Ästen und Kompost an, dazu mulche ich sehr viel, um das Austrocknen des Bodens zu verhindern“, sagt die Gärtnerin. Hier wachsen unter anderem Zucchini, Mangold, Meerrettich und Kürbisse. Darunter Patisson-Kürbisse, wegen ihrer linsenförmigen abgeplatteten Form.Ufo-Kürbisse genannt. Ein Stück weiter wächst Borretsch oder Gurkenkraut, das als Gewürz- und Heilpflanze verwendet wird. Selbst Brennnesseln erfüllen ihren Zweck: Die Gärtnerin stellt daraus mit Löwenzahn Jauche her, die die Pflanzen stärkt und vor Schädlingen schützt. Geröstet seien die Brennnessel-Samen ein Genuss, sagt sie. In der Nähe stehen niele alte Apfelbäume, die unzählige Früchte tragen.

Die vierte Zone ist den Feldfrüchten vorbehalten. „Wir bauen Kartoffeln, Karotten, Bohnen, Erbsen und Rote Bete an“, sagt Anna Brandl. Sie habe dort auch Topinambur gepflanzt. Das Gewächs bildet essbare Wurzelknollen, die wie Süßkartoffeln schmecken.

In der fünften Zone schließlich wird der Natur ihren Lauf gelassen; Hecken Bäume, ein kleiner teich sind Zuflucht für viele Tiere.

Das alles hört sich nach sehr viel Mühe an. „Ich mache hier aber das, was mir Spaß macht“, erklärt Anna Brandl. Früher sei sie im sozialen Bereich tätig gewesen, etwa zehn Jahre als Hospizbegleiterin. Das sei so aufreibend gewesen, dass sie sich etwas Neues suchen musste. Der große Natur-Garten – und ihr Hofladen. Da gibt’s Tomaten, Zucchini, Kürbisse, Kartoffeln und weiteres Gemüse, Fruchtaufstriche, Sirup, Marmelade, Kräutersalz sowie Honig von einem befreundeten Imker.

In naturnahen Gärten sieht Umwelt- und Agrarminister  Till Backhaus (SPD) eine Möglichkeit, ökologisch verträglich und nachhaltig zu handeln. So solle die Aktion „Natur im Garten“ dazu anregen, „durch Kompostierung, Nährstoffkreisläufe im eigenen Garten zu schaffen, Regenwasser zu nutzen und Nützlinge zu fördern“. Ein naturnaher Garten liefere gesundes Obst, schmackhaftes Gemüse und wohltuende Kräuter. Das Land hat bisher 433 Gärten mit der „Natur im Garten“-Plakette geehrt. Der Träger der Aktion, der Landschaftspflegeverband „Mecklenburger Endmoräne“, wird für seine Vereinsarbeit vom Land gefördert. Von 2015 bis 2022 sind 1,28 Millionen Euro aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Ländliche Entwicklung (ELER) sowie 142614 Euro vom Land bewilligt. Ein wichtiger Teil des Projekts ist die Förderung von Schulgärten und Gärten in Kitas. Bis zum Schuljahr 2017/18 erhielten 15 Schulen und elf Kitas in MV Schulgartenunterricht.

Auch Josef Brandl packt auf dem Hof in Gremersdorf   kräftig mit an, neben seinem Messerschleifer-Gewerbe.  Der gelernte Schlosser bearbeitet alles, was scharf sein muss: Gartengeräte von der Rosenschere bis zum Spaten, Messer aller Arten und Größen. Der Handwerker bietet dies in der Woche immer an festen Plätzen an: zweimal in Rostock, einmal in Stralsund und einmal in Langenhanshagen. In seiner mobilen Werkstatt im Transporter . Bei Bedarf nimmt er Geräte auch mit nach Hause und repariert sie dort Oder die Kunden schicken sie nach Gremersdorf. „Ich gebe den Kunden Tipps, wie Beschädigungen vermeiden werden können“, sagt er. Auf seinen Touren hat Josef Brandl immer auch Eier und Gemüse mit dabei. Damit schließt sich der Kreis zu seiner Frau, der Öko-Gärtnerin.

Land-ART-Hof, Dorfstraße 32/33, 18461 Gremersdorf-Buchholz, Telefon 038320/717460, 0174/5174041

Schmidtbauer Bernhard

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