Neuer Hafen für Stralsund: Was die Investoren an der Schwedenschanze vorhaben
Menü
Ostsee Zeitung | Ihre Zeitung aus Mecklenburg-Vorpommern
Anmelden
Stralsund Neuer Hafen für Stralsund: Was die Investoren an der Schwedenschanze vorhaben
Vorpommern Stralsund

Neuer Hafen für Stralsund: Was die Investoren an der Schwedenschanze vorhaben

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
19:20 08.11.2021
Planer Thees Thiel (links) und Wasserbauer Nils Jaich an der Schwedenschanze. Hier entsteht der neue Sportboothafen mit 100 Liegeplätzen.
Planer Thees Thiel (links) und Wasserbauer Nils Jaich an der Schwedenschanze. Hier entsteht der neue Sportboothafen mit 100 Liegeplätzen. Quelle: Kay Steinke
Anzeige
Stralsund

Lange galt die Marina als Knackpunkt für die Entwicklung des Großprojektes Schwedenschanze. Doch nun wird dort seit mehreren Wochen gebaut.

Ein Schwimmbagger ist im Einsatz, die Rammarbeiten sollen in drei Wochen durch sein. Zu sehen ist bereits ein Wald an Pfählen im Strelasund, der den Bereich des neuen Sportboothafens markiert. Schon im Frühjahr 2022 sollen die 100 neuen Liegeplätze in Betrieb genommen werden.

Stralsund braucht dringend neue Liegeplätze

Die Pfähle für die neue Marina an der Schwedenschanze stehen bereits im Strelasund. Quelle: Kay Steinke

Diese hat die Hansestadt bitter nötig. Wer derzeit sein Motorboot oder seine Segelyacht in Stralsund parken möchte, muss dafür laut Hansestadt teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Dies bestätigt Hafenmeister Tony Reimer vom Dachverband der Stralsunder Segelvereine. „Die Reviere bei uns werden immer beliebter. Einige Segler haben heute sogar zwei Heimathäfen. Da ist es gut, wenn an der Schwedenschanze ein neuer Anlaufpunkt entsteht“, sagt Reimer.

Die meisten Liegeplätze mit je 350 würde es bisher am Wassersportzentrum Dänholm Nord und in der Citymarina Stralsund geben. Insgesamt gibt es in Stralsund rund 1300 Dauerliegeplätze. Mit dem neuen Sporthafen werden es dann mehr als 1400 sein.

Sportboothafen kostet rund drei Millionen Euro

Das gesamte Areal wird dabei nicht von der Hansestadt selbst entwickelt, sondern von zwei privaten Investoren, von Fred Muhsal und Jens Schellknecht. Laut Stadtverwaltung gibt es jedoch einen städtebaulichen Vertrag zwischen Stadt und Investoren-Duo.

Demnach hätten sich die Investoren im Sinne der Allgemeinheit dazu verpflichtet, den Sportboothafen für die Öffentlichkeit auf eigene Kosten zu bauen. Dafür müssen diese nun rund drei Millionen Euro in die Hand nehmen.

Ostseedienst GmbH baut die Marina

Mit dem Bau einer „schlüsselfertigen Marina“ wurde die Ostseedienst GmbH beauftragt, die ihren Sitz im schleswig-holsteinischen Kappeln hat. In MV sind die Wasserbauer bereits bekannt. Sie haben auf Rügen unter anderem den Hafen in Lauterbach ausgebaut und den Naturhafen Gustow gestaltet, auf Hiddensee haben sie den Hafen von Kloster flottgemacht, zudem steht noch der Anleger am Leuchtturm von Peenemünde im Portfolio.

„Die Marina an der Schwendenschanze ist für uns ein mittelgroßes Projekt“, sagt Ostseedienst-Geschäftsführer Nils Jaich (54). „Unsere Firma ist in Schleswig-Holstein groß geworden. In den letzten Jahren haben wir unsere Expertise aber immer stärker in MV eingebracht. Unser Gebiet reicht jetzt von Flensburg bis Peenemünde.“ Die größten Projekte sind aber der Kieler Sportboothafen sowie die Häfen von Neustadt (1500 Liegeplätze) und Heiligenhafen (1100) Liegeplätze.

Wasserbauer in der Region bekannt

Der Name Jaich ist in Vorpommern-Rügen eng verbunden mit der Wasserferien-Welt in Lauterbach bei Putbus. „Über Ostseedienst bauen wir Häfen und Steganlagen, die Firma Im Jaich hingegen betreibt Häfen nach der Fertigstellung“, so Nils Jaich, dessen Cousins Till und Hans Jaich die Geschäftsführung der Im Jaich oHG – Yachthäfen und Wasserferienwelt innehaben.

Für die Schwedenschanze kommt dieses Betreibermodell jedoch nicht infrage. „Wir liefern nur die schlüsselfertige Marina ab“, sagt der Wasserbau-Ingenieur. „Dabei machen wir alles auf dem Wasser, bis hin zur Spundwand.“

Ihr Newsletter für Stralsund und Umgebung

News, Tipps und Maritimes aus der Hansestadt Stralsund und dem pommerschen Umland. Jede Woche Mittwoch gegen 18 Uhr im E-Mail-Postfach.

Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.

Die Planung der Marina hat Thees Thiel (50) mit seiner Firma ITT-Port Consult übernommen, die ihren Sitz ebenfalls in Schleswig-Holstein hat. Seine 2009 gegründete Firma ist mittlerweile an 60 bis 90 Projekten pro Jahr beteiligt. Auch in Vorpommern-Rügen hat der Planer bereits seine Spuren hinterlassen, zum Beispiel über eine Planungsgemeinschaft am Nothafen Darßer Ort. Auch am Hafenkonzept für Vitte auf Hiddensee hat der 50-Jährige mitgewirkt.

„Maritime Neubauprojekte wie in Stralsund sind heute selten“, sagt Thees Thiel. „Momentan werden bestehende Häfen eher umstrukturiert.“ Zwar sei an der Schwedenschanze früher auch ein alter Militärhafen gewesen, doch von der ursprünglichen Substanz sei nichts mehr übrig gewesen.

Schwedenschanze soll neuer Anlaufpunkt für Segler werden

„Die Marina wird als neuer Anlaufpunkt für Segler dienen“, sagt Planer Thiel. „Als öffentlicher Sportboothafen wird es dafür etliche Gastboxen geben.“ Die Anlage ist als Kombination aus Feststegen und Betonpontons innerhalb eines geschützten Areals geplant. Außen wird ein Wellenschutz mit Eisabweisern installiert.

Gangway, Gittertüren, Stegausrüstung, Stegbeleuchtung und Sicherheitsausrüstung wie auch Aufstiegsleitern, Rettungsringe und Rettungsstangen werden die Anlage komplettieren. Die Stege werden später über eine bewegliche Rampe mit Stahlgeländern zu erreichen sein.

Mit Blick auf Rügen und Rügenbrücke: Der neue Sportboothafen an der Schwedenschanze. Quelle: Christian Rödel

Aktuell liegt das Vorhaben im Plan. „Solange kein Eis da ist, können wir bauen“, sagt Nils Jaich, der mit dem bisherigen Fortschritt zufrieden ist. „Wenn die Boote raus sind aus dem Wasser, ist für uns Hochsaison. Bis Januar wird die Steganlage fertig sein.“ Danach steht eine Winterpause an. Bis April 2022 werden restliche Wasserbauarbeiten vorgenommen und Elektronik verbaut. Dann könnten die Liegeplätze ans Netz gehen.

Wohnungen und Ferienapartments entstehen nach der Marina

Zum Start der ersten Saison wird das Ensemble mit den Servicegebäuden und sanitären Anlagen noch nicht fertig sein. Dafür soll es eine temporäre Lösung geben. Wenn die Marina fertig ist, werden an der Schwedenschanze weitere Gebäude hochgezogen. Dafür hat die Erschließung bereits im Jahr 2020 begonnen.

Geplant waren ursprünglich vier Häuser mit insgesamt 80 Ferienappartements und 33 Eigentumswohnungen. Nach Aussage von Muhsal gibt es durch die seltene Lage mit Sundblick sowohl für die Urlaubsdomizile als auch für die Wohnungen viele Interessenten, die die Fertigstellung herbeisehnen.

Von Kay Steinke