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Stralsund Niepars: Verwaltungs-Urgestein Lothar Zimmer geht von Bord
Vorpommern Stralsund Niepars: Verwaltungs-Urgestein Lothar Zimmer geht von Bord
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05:40 08.08.2019
Lothar Zimmer (61) leitet seit 1991 das Ordnungsamt in Niepars, nun verabschiedet er sich in den Ruhestand. Quelle: Ines Sommer
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Niepars

Auch wenn man sich das Ordnungsamt in Niepars ohne die Ortskenntnisse von Lothar Zimmer kaum vorstellen kann – die Tage auf dem Büro-Sessel sind für den 61-Jährigen gezählt. Er verabschiedet sich in die Altersteilzeit. Seit der Gründung des Amtes Niepars im Juli 1991 leitet er die Ordnungsbehörde, doch nun setzt er andere Prämissen. „Ich will endlich wieder surfen, das ist meine alte Leidenschaft, und im Winter ist Skifahren angesagt.“

Seit 1979 in Vorpommern

Doch bevor er sich richtig ins Freizeitvergnügen stürzen kann, müssen im heimischen Haus in Stralsund erst einmal die Folgen eine großen Wasserschadens beseitigt werden. Dann sind da noch die Enkel. „Und ich will meiner Frau Bigi den Rücken freihalten. Sie ist Lehrerin und muss noch ein paar Jahre“, sagt der gebürtige Thüringer, der durch die Armeezeit 1979 nach Vorpommern kam und hier hängenblieb.

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„Ich habe hier in den Jahren als Verwaltungsfachangestellter – den Abschluss hab ich in den 90er-Jahren nachgeholt – einiges mitgemacht. Eine große Herausforderung kam mit der Doppik. Aber in all den Jahren hat mir der Umgang mit den Menschen am meisten Spaß gemacht. Im Ordnungsamt bist du ja immer an der Basis, da klopfen die Leute auch einfach mal an.“ Toll sei der Zusammenhalt mit den Kollegen gewesen, sagt der Mann, der viele Jahre in Klein Kordshagen lebte und nun in Stralsund wohnt.

Einst saß Lothar Zimmer auf Bürgermeisterstuhl

Wenn Lothar Zimmer durchs Ostseecenter in Langendorf geht, könnte er sich permanent auf die Schulter klopfen. Das macht er nicht, hält sich lieber bescheiden zurück. Nur wenige wissen heute noch, dass er es war, der der Gemeinde Lüssow ihren Reichtum bescherte. Er saß nicht nur von 1990 bis 1994 auf dem Bürgermeisterstuhl der Stadtrand-Kommune, sondern wurde auch Chef der Entwicklungsgesellschaft der Gemeinde, und die hat in allen Belangen ein glückliches Händchen gehabt. Grundstücksankauf, Planung, Erschließung, Verkauf, alles flutschte.

„Der damalige Bürgermeister war krank, da hat mich die LPG Grünhufe abgestellt, damit ich mich um die Gemeinde kümmere. Eigentlich war ich Betriebsschlosser, aber ich hatte mich auch um die Kultur gekümmert. Da wurde ich mal kurzerhand als Bürgermeister verpflichtet. Das wurde dann eine Lebensaufgabe.“

Die ersten fünf bis zehn Jahre nach der Wende mit dieser Aufbruch- und Aufbaustimmung waren eine tolle Zeit, findet Lothar Zimmer. „Man hat viel gelernt, konnte aber auch viel ausprobieren. Vieles wäre ja heute gar nicht mehr möglich“, sagt er und grinst.

Entwicklungsgesellschaft war Neuland

Natürlich wusste er nicht, ob sein eingeschlagener Weg für die Gemeinde Lüssow der richtige ist. „Man hatte ja überhaupt keine Erfahrung, und die Entwicklungsgesellschaften in Kramerhof und Wendorf sind zum Teil andere Wege gegangen – mit unterschiedlichem Erfolg.“ Er ziehe zum Beispiel den Hut vor den riesigen Straßenbau-Projekten, die Klaus Pöttrich für die Gemeinde Kramerhof gewuppt habe.

Und was war das Lüssower Erfolgsrezept? Immerhin konnte die Entwicklungsgesellschaft nach Abwicklung aller Aufgaben und der damit verbundenen Auflösung 2002 eine Million Mark auf das Gemeindekonto überweisen, wovon sich die Kommune schließlich das Dörphus leistete...

Was war das Erfolgsrezept?

„Wir haben zwei Wohngebiete, eine Kita und ein Feuerwehrhaus gebaut, innerhalb kürzester Zeit ist die Gemeinde um ein Vielfaches gewachsen. Und wir haben in Langendorf und Lüssow zwei florierende Gewerbegebiete. Sowas kann man nicht alleine stemmen. Ich hatte Glück, denn wir waren eine tolle Gemeindevertretung, hatten ein super Planungsbüro, haben uns aber auch Anwalt, Notar und Wirtschaftsprüfer zur Seite gestellt. Wir waren fachlich und rechtlich gut aufgestellt.“

Dabei sei natürlich nicht immer alles glatt gelaufen. „Oft mussten wir uns mit der Hansestadt auseinandersetzen. Das ist ja zum Teil heute noch so. Ich persönlich hab da immer auf Verhandlung und Kompromiss gesetzt. Aber ich werde nie vergessen, wie uns Stralsund beim Bau des Ostseecenters einen Baustopp bescherte. Anderthalb Monate haben wir uns vor Gericht auseinandergesetzt, bis wir letztendlich weiterbauen konnten.“

Vielleicht sollte Lothar Zimmer diese Geschichten an langen Winterabenden mal aufschreiben, wäre schade, wenn sie in Vergessenheit geraten...

Von Ines Sommer

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