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Stralsund Nino Haratischwili in Stralsund
Vorpommern Stralsund Nino Haratischwili in Stralsund
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11:27 14.01.2019
Nino Haratischwili (r.) und Leserin Gabriele Möller von der Insel Rügen Quelle: Marlies Walther
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Stralsund

Um ihr Stralsunder Publikum muss sich die Autorin Nino Haratischwili keine Sorgen machen. Bei ihrer Lesung auf Einladung des Strandläufer Verlages am Sonntagabend im STiCer-Theater war der Saal bis auf den allerletzten Platz besetzt, und die beiden Buchhändler Katrin und Peter Hoffmann hatten erst mal gut zu tun, um alle Gäste unter zu bekommen. Die deutsche Schriftstellerin, die sich auch als Theaterregisseurin und Dramaturgin einen Namen gemacht hat und in Hamburg lebt, stammt aus Georgien. Für ihr Wirken heimste die heute 35-Jährige bereits eine Unmenge von Preisen ein. Vor allem für ihren 2014 erschienenen Roman „Das achte Leben (Für Brilka)“. Genau dieses Buch hatten viele Zuhörer dabei, um es sich signieren zu lassen.

So wie die ehemalige Stralsunderin Gabriele Möller, die jetzt auf Rügen lebt und mit ihrem Mann gekommen war. Begeistert schilderte sie, wie sie nach einer Reise durch Georgien und den Kaukasus angeregt wurde, sich in diese große Familiensaga auf über 1000 Seiten zu vertiefen. „Ich war fasziniert, habe die Nacht durchgelesen. Der Stil gefällt mir. Alles ist so lebendig, so bildhaft. Ein Buch, das man unbedingt zweimal lesen kann“, schwärmt die 54-Jährige. Deshalb wollte sie die Frau, die das alles, was von Kritikern durchaus mit Thomas Manns „Buddenbrooks“ verglichen wird, aufgeschrieben hat, unbedingt einmal live erleben. Und so erfuhr sie zugleich eine Menge mehr aus dem Leben der Autorin.

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Denn Nino Haratischwili las nicht nur Auszüge aus ihrem neuen Roman „Die Katze und der General“, der wieder ein Wälzer wurde, obwohl sie es eigentlich gar nicht vorhatte. Sondern sie gab auch eine Menge von sich selbst preis. Sie erzählte im lockeren Bühnen-Interview mit Katrin Hoffmann und im aufgeschlossenen Zuschauergespräch über die Entstehungsgeschichte, die realen Hintergründe der fiktiven Story. Im Mittelpunkt steht in verschiedenen Handlungssträngen, komponiert um drei Hauptpersonen, der Tschetschenien-Krieg. Beschäftigt habe sie dabei eine drängende Frage: Wie werden „ganz normale junge Männer“ zu Tätern?

Doch im Gegensatz zu ihrer hochgelobten „Brilka“ fiel das Feuilleton über die „Katze“ geradezu her. Obwohl sie es ausgerechnet mit diesem Roman auf die Shortlist des Deutschen Buchpreises geschafft hatte, brachen die Kritiker ein hartes, teilweise vernichtendes Urteil. Und das kam sogar von jenen, die sie zuvor überschwänglich als Genie gefeiert hatten. Eröffnet hatte die „Jagdsaison“ der „Spiegel“. Andere namhafte Medien folgten. Damit muss man erst mal umgehen können. Nino Haratischwili, die mit einem Journalisten verheiratet ist, eine Tochter hat, ihr zweites Kind erwartet und perfektes Deutsch ohne auch nur einen Hauch von einem Akzent spricht, kann es offenbar.

Die „Katze“ sei eben ein ganz anderes Buch. Sie könne doch von jetzt an nicht nur noch lauter Kopien von „Brilka“ verfassen. Das wäre zum Scheitern verurteilt, sagt sie. Schließlich schreibe sie nicht für die Kritiker und das Feuilleton. Angegriffen worden sei sie unter anderem auch wegen ihrer Emotionalität. Sie hingegen hätte noch keinen Leser getroffen, der sie gebeten hat, keine Geschichten zu erzählen, nicht zu berühren und dafür nur intellektuell zu unterhalten.

Marlies Walter

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