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Stralsund Kindern in Not helfen: Traumatisierte Mädchen und Jungen brauchen Spielplatz
Vorpommern Stralsund Kindern in Not helfen: Traumatisierte Mädchen und Jungen brauchen Spielplatz
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09:10 30.11.2019
Jan Peters, Koordinator beim Verbund für soziale Projekte Stralsund, vor dem frisch sanierten Gebäude des Kindernotdienstes. Hier, rund um den einsamen Sandkasten, soll ein Spielplatz entstehen. Quelle: Jörg Mattern
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Stralsund

Stolz führt Jan Peters durch die Räume an der Alten Richtenberger Straße 60 – durch kindgerecht eingerichtete Zimmer mit bunten Wänden und moderne Sanitäranlagen, eine geräumige Wohnküche sowie Aufenthaltsräume für die Mitarbeiter. Mitunter vermeint man noch, den Geruch von frischer Farbe zu spüren, so neu wirkt das alles. Ist es auch, denn erst im Juli hat der Verbund für soziale Projekte (VSP) hier im einstigen Landwarenhaus den neuen Kindernotdienst für den Landkreis Vorpommern-Rügen eröffnet.

„Wir betreuen hier Kinder vom Neugeborenen bis zum Alter von 13 Jahren, die das Jugendamt in seine Obhut genommen hat“, sagt Jan Peters, Koordinator des VSP in Stralsund. Das sind Mädchen und Jungen, die zu Hause seelisch und körperlich vernachlässigt oder misshandelt wurden. „Seit der Eröffnung am 1. Juli waren das in unserer Einrichtung bereits 19 Kinder“, sagt Peters.

Kinder werden rund um die Uhr betreut

Im Kindernotdienst werden sie von sieben Mitarbeitern, darunter zwei Männer, rund um die Uhr betreut. Einer von ihnen ist Sebastian Kottwitz. Der staatlich anerkannte Erzieher ist selbst Vater dreier Kinder. „Das hat zumindest den Vorteil, dass mir das Windelwechseln bei unseren kleinsten Schützlingen nicht ganz so fremd ist wie manch jungem Kollegen“, sagt der 39-Jährige mit einem Augenzwinkern. Ansonsten erfordert sein Beruf viel Nervenstärke. „Ich bin schon emotional berührt, wenn ich erfahre, aus welchen Situationen die Kinder zu uns gebracht werden“, sagt er.

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Auch Waisen unter den traumatisierten Kindern

Das Spektrum dabei ist groß. Es werden Kinder aus total vermüllten Wohnungen geholt, vernachlässigt und hungernd. Es kommen Kinder mit schrecklichen Gewalterfahrungen. Es sind Kinder dabei, die in problematischen Familienverhältnissen vernachlässigt werden. Sei es, weil Eltern psychisch krank sind oder weil Partner sich trennen – mit all den unschönen Folgen, die ein Rosenkrieg haben kann. Es sind auch schon Kinder aufgenommen worden, die über Nacht zu Waisen geworden sind.

Sebastian Kottwitz sagt: „Ich versuche, solche Erfahrungen nicht mit nach Hause zu nehmen.“ Er hält sich vielmehr an die schönen Seiten seines Berufes. „Bloß, weil es zu Hause schwierige Verhältnisse gibt, sind die Kinder doch nicht verkehrt.“

„Die Mädchen und Jungen können nichts für ihre Situation.“

Jan Peters bekräftigt das. „Die Mädchen und Jungen werden in solche Situationen hineingeboren, für die sie nichts können und in der sie Unterstützung brauchen.“ Im Kindernotdienst wird ihnen als Erstes geholfen. Hier werden sie in einen strukturierten, freundlichen Alltag aufgenommen, werden in den Kindergarten gebracht und zur Schule geschickt. Meist ist der Aufenthalt im Notdienst nur kurz, bis das Jugendamt eine Pflegefamilie oder eine andere Lösung für sie gefunden hat.

Um den Kindern den Aufenthalt im Notdienst so schön wie möglich zu gestalten, hat der VSP einen großen Aufwand betrieben. „Das Jugendamt hatte sich im vergangenen Jahr entscheiden, den einstigen Kinder- und Jugendnotdienst in der Betreuung räumlich zu trennen und die Aufgabe ausgeschrieben“, sagt Jan Peters. Der VSP hatte sich mit seinem Konzept beworben und erhielt den Zuschlag. Das leerstehende Landwarenhaus bot sich als Immobilie dazu an.

„Vor uns stand eine Kernsanierung des denkmalgeschützten Gebäudes“, sagt der VSP-Koordinator. Der Verbund nahm dafür einen Kredit auf. Für den Kindernotdienst entstanden vier Zimmer mit fünf Plätzen sowie den Räumen für die Mitarbeiter und den Betrieb der Einrichtung. In einem weiteren Teil des Gebäudes gibt es zudem noch Wohngruppenplätze im Kinder- und Jugendhaus, für eine Mutter-Kind-Betreuung und Betreutes Wohnen

Für eine gute Zeit wird ein Spielplatz gebraucht

„Was jetzt noch vor uns steht, ist die Gestaltung der Außenanlagen“, sagt Peters. Da, wo jetzt noch ein verwaister Sandkasten auf dem Rasen steht, möchte der VSP gerne einen kleinen Spielplatz drum herum bauen, mit Klettergerüst, Schaukel und anderen kindgerechten Spielgeräten. „Uns schwebt auch eine gemütliche Sitzecke vor, wo sich die Kinder und ihre Betreuer sowie die anderen Bewohner der Einrichtung versammeln können. „Dafür können wir eine finanzielle Unterstützung gut gebrauchen“, sagt Jan Peters.

Hier helfen OZ-Leser

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IBAN: DE 39 15050 50001 12247 580Verwendungszweck:„Helfen bringt Freude“Spielplatz VSPsowie Anschrift für Spendenquittung

Mehr zu Jörg Mattern lesen Sie hier.

Von Jörg Mattern

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