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Stralsund Pegel: Behelfsbrücke für A 20 noch in diesem Jahr
Vorpommern Stralsund Pegel: Behelfsbrücke für A 20 noch in diesem Jahr
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06:00 05.06.2018
Rückbau der teilweise im Moor versunkenen Ostseeautobahn A 20. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Anfrage an US-Action-Held Chuck Norris, ob er die A 20 bei Tribsees reparieren könne. Norris antwortet, er komme nur, wenn er nachmittags noch den Berliner Flughafen klarmachen kann. Diesen Witz erzählt Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) am Montagabend bei einem Bürgerforum im Rathaus. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) informiert über die Bauarbeiten an der A 20, nur rund 40 Interessierte sind gekommen. „Es fällt sehr schwer zu verstehen, dass es so ein bürokratisches Hindernis ist“, so Badrow. Viele Fragen hätten ihn dazu erreicht. Kaum jemand verstehe, warum das A-20-Problem in einem führenden Wirtschaftsland so lange dauere.

Pegel kann nicht lachen. Er berichtet vom Problem, Firmen für das Bauvorhaben zu gewinnen, auch weil diese Angst vor dem schlechten Baugrund hätten. Auf die EU-weite Ausschreibung zur Behelfsbrücke hat sich nur eine Firma gemeldet. Es werde vermutet, dass die alte Bauweise mit Säulen – nur einmal an deutschen Autobahnen eingesetzt – Ursache für das Absacken der Trasse war. Im Zuge der neuen Arbeiten sollen Säulen geborgen und untersucht werden. Dass eine 2005 erfolgte Wiedervernässung der Moore um Tribsees Ursache des Absackens war (die OZ berichtete), glaube er nicht. Das sei den Experten beim Autobahnbau vorher bekannt gewesen. Was aus seiner Sicht gegen die Vernässung spricht, sei das noch stehende Brückenbauwerk, auch auf Moor. Pegel: „Es ist ein Fließmoor. Das hat auch damals jeder gewusst.“ Zweifel im Stralsunder Rathaus.

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„Eine Autobahn sollte 60, 65 Jahre halten“, so Pegel. Nun müsse ein komplett neues Bauwerk her. Der Bau der Behelfsbrücke – zunächst für Spätsommer avisiert – werde sich weiter verzögern. „Bis Ende des Jahres“ rechne er mit einer Umsetzung. Heißt: die gesamte Tourismussaison mit Stau. Dann würden nacheinander die beiden neuen Trassen der A 20 errichtet, auch auf schweren Betonsäulen. Er sei immer noch zuversichtlich, dass dieser Termin zu halten ist.

Im Publikum herrscht Sorge, dass Einzelhandel und Tourismus erheblich unter der A-20-Baustelle leiden werden. Uwe Ahlers (FDP), Bürgermeister von Dranske auf Rügen, regt weiterführende Umleitungen an. Die werden kommen, so Pegel, etwa für den Usedom-Verkehr über Demmin. Ausgenommen sei aber die B105, denn die sei in der Hochsaison bereits stark belastet.

Pegel appelliert an das Publikum: „Die Autobahn ist nicht unterbrochen.“ Diese Botschaft sollte möglichst jeder in der Region verbreiten. Er kritisiert, dass der Automobilclub ADAC auf einer Karte die Strecke als gesperrt ausweist. „Da ist das Worst-Case-Szenario für eine Tourismusregion.“ Man sollte auch mit dem Wort Stau „vorsichtiger umgehen“, so Pegel. In Nordrhein-Westfalen seien 30 Minuten Verzögerung kein Stau. Es schrecke zusätzlich Urlauber ab, wenn aus MV heraus zu viele Negativ-Botschaften kämen. Andreas Kuhn, Bäderverband MV, wünscht sich mehr Kommunikation mit Betroffenen. Auch hier hat Pegel eine Antwort: Touristiker auf Rügen und Usedom würden sich abstimmen und den Bettenwechsel der Touristen zeitversetzt umsetzen. Auch so könnten Blechlawinen auf der A 20 vermieden werden.

Schulterzucken im Saal. Fragen gibt es nach gut einer Stunde nicht mehr. Auf die Gästezahlen im Urlaubsland MV habe sich das A-20-Desaster noch nicht negativ ausgewirkt, sagt Tobias Woitendorf, Landestourismusverband. Im ersten Quartal habe es sogar ein Plus bei Übernachtungen von 6,5 Prozent gegeben. Allerdings sei „die Branche in großer Sorge“. Gut 20 Prozent von im Mai befragten Touristikern fürchteten Einbußen wegen der A 20.

„Ich bin enttäuscht“, sagt Lars Petersen, Bürgermeister von Heringsdorf auf Usedom. Er könne nicht verstehen, warum eine Behelfsbrücke so lange dauert. Ende des Jahres, „das wären ein Jahr und vier Monate bis zur Umleitung. Das ist eine Katastrophe.“ Er fürchte einen massiven Einbruch bei Gästezahlen in der Zukunft. „Ein ganzer Landesteil ist abgehängt.“ Er erwartet von der Politik schnelles Handeln. „Der Stau spricht sich rum“, so Petersen.

OZ

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