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Stralsund Performdance: Bürgerschaft beschließt drastische Kürzung der Förderung
Vorpommern Stralsund Performdance: Bürgerschaft beschließt drastische Kürzung der Förderung
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15:37 13.05.2019
Seit vielen Jahren feiert Performdance den Welttanztag in Stralsund. Zuletzt am 29. April mit insgesamt 150 kleinen Tänzern im Stadtteil Grünhufe. Dabei wird der öffentliche Raum zur Bühne. Dieses Projekt ist nun in Gefahr. Quelle: Stefan Sauer
Stralsund

Herber Schlag für eines der bekanntesten kulturpädagogischen Projekte in Vorpommern: Nachdem zwischen der CDU- und der SPD-Fraktion bereits im Verlauf der vergangenen Woche heftig über die Vergabe städtischer Fördermittel an das Tanzprojekt Performdance gestritten worden war, hat die Stralsunder Bürgerschaft dem Trägerverein nun einen Großteil der städtischen Fördermittel für zwei Projekte gestrichen. Zuvor war die Zuwendung jahrelang bewilligt worden, um die pädagogische Arbeit von Performdance zu unterstützen.

Statt 5000 Euro wie bisher sollen für das Programm anlässlich des Welttanztages und zur Durchführung der Weihnachtsproduktion nun lediglich 1000 Euro an den Verein fließen. Pikant: Von der Stadtverwaltung soll die Freigabe der Gelder längst befürwortet worden sein, ehe die Fraktionen von CDU und der Wählergemeinschaft Bürger für Stralsund (BfS) vorschlugen, die Mittel stattdessen in einen lokalen Contest für Nachwuchsbands zu investieren. Insgesamt stellt die Stadtverwaltung jedes Jahr 30 000 Euro zur Förderung verschiedener kultureller Projekte bereit. Bei einem der Veranstalter des Band-Contests handelt es sich um den Vize-Präsidenten der Bürgerschaft, Thomas Schulz. Er gehört zur BfS-Fraktion.

SPD spricht CDU christliche Gesinnung ab

Performdance war in Stralsund im Sommer 2001 gegründet worden, mit dem Ziel Tanztheater-Inszenierungen mit Jugend­li­chen, Tanz­stu­denten und pro­fes­sio­nellen Tanz­künst­lern zu erar­beiten und auch an unge­wöhn­li­chen Orten aufzuführen.

Eine Szene aus der Performdance-Produktion zu dem Theaterstück Babel im Jahr 2017. Quelle: Stefan Sauer

Nach einer kontroversen Debatte hatte sich insbesondere die CDU mit der Streichung der Performdance-Mittel durchgesetzt. SPD-Stadtvertreterin Ute Bartel findet deutliche Worte und spricht der CDU kurzerhand ihre christliche Gesinnung ab: „C – das steht für christlich, für die zehn Gebote, die das Zusammenleben mit Gott und den Menschen regeln. Das siebte Gebot lautet: Du sollst nicht stehlen. Für mich ist das Vorenthalten von Geldern, um sie nach eigenem Wunsch zu vergeben, eine Art Diebstahl.“

Ann Christin von Allwörden (CDU) räumt ein, sich bereits zu Beginn der Debatte bis zu dieser Entscheidung bei der Auslegung einer entscheidenden Formulierung in der Förderrichtlinie der Stadtverwaltung geirrt zu haben. „Ich räume ein, einen Fehler gemacht zu haben.“ Konkret geht es um den Satz: „Die Anträge sollten bis zum 15. Februar 2019“ gestellt werden. Dieses Datum fiel auf einen Freitag.

Von Allwörden: „Ich stehe zu meinem Fehler.“

Von Allwörden ist indes davon ausgegangen, dass es in der Richtlinie statt der Möglichkeitsform sollte soll heißen würde – also die für Performdance vorgesehenen Mittel daher als nicht rechtzeitig beantragt gelten würden und demzufolge nicht zugeteilt werden könnten. So hatte die CDU ihren Entschluss begründet, das Geld stattdessen in das Bandfestival zu investieren, das im November in der Stralsunder Brauerei veranstaltet werden soll. Von Allwörden: „Ich stehe zu meinem Fehler, entscheide mich jetzt aber nicht noch mal um und habe weiter vor, das neue Projekt zu fördern.“ Zudem sei es nicht so, dass Performdance gar kein Geld erhalte.

Bartel zufolge lag der Antrag des Vereins der Stadtverwaltung am Dienstag nach dem betreffenden Freitag vor und hätte einen Postausgangsstempel vom 15. Februar getragen, womit die Bedingungen der Förderrichtlinie ohnehin erfüllt gewesen seien. Von Allwörden forderte, die Förderrichtlinie so zu verändern, dass sie eindeutig ist.“

Maik Hofmann (BfS) ermahnt die SPD die Entscheidung des Bildungs- und Kulturausschusses, der sich bereits vor der Bürgerschaftssitzung am Donnerstag für eine Streichung des Geldes für Performdance ausgesprochen hatte, zu respektieren. „Als die Mittel jahrelang in eine Richtung (Anm. d.Red.: an Performdance) flossen, hieß es, das ist Demokratie. Jetzt ist eine Mehrheit dafür, dass das Geld in die andere Richtung fließt, auch das gehört dann zur Demokratie.“

Performdance-Chef: „Das ist kein Ausdruck von Respekt“

Stefan Hahn, der künstlerische Leiter von Performdance, versteht die nun getroffene Entscheidung als einen Affront gegen die jahrelange Arbeit, die der Verein in Stralsund leiste. „Das ist kein Ausdruck von Respekt“, sagt er. Die Förderung sei vonseiten der Stadt mit 5000 Euro angesichts der vielen Projekte und Kurse, die der Verein anbiete, sowieso immer knapp bemessen gewesen. Ein Teil dieser Arbeit sei nun bedroht. Dass der Verein seine Räumlichkeiten in der Frankenstraße kostenfrei nutzen könne, sei aber lobenswert.

Viele der Stadtvertreter wüssten offenbar dennoch nicht, in welchen verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen sich Performance in Stralsund über das Medium Tanz einbringe. „Wir haben das Programm für den diesjährigen Welttanztag nicht ohne Grund in Grünhufe inszeniert, weil wir in die Problemviertel gehen, um dort mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten“, betont Hahn. Es sei bemerkenswert, dass die Fraktionen in der Bürgerschaft dies zwei Wochen vor einer Kommunalwahl nicht honorierten.

Benjamin Fischer

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