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Politik Gelbe Problemsäcke: Vorerst keine Lösung in Sicht
Vorpommern Stralsund Politik Gelbe Problemsäcke: Vorerst keine Lösung in Sicht
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07:50 20.07.2017
Gelbe Säcke lagen im Stralsunder Friedrich-Loennies-Weg zur Abholung bereit. Quelle: Foto: Jörg Mattern
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Stralsund

Etwas über 1500 Tonnen Leichtverpackungen mit dem Grünen Punkt wurden 2016 von der Stralsunder Entsorgungs GmbH eingesammelt. Die nutzt dafür 1100 Liter Container vor Wohnblöcken wie etwa in Grünhufe und Knieper West. Im Rest der Stadt kommen die bekannten gelben Säcke zum Einsatz. Letztere wurden in der jüngsten Sitzung der Bürgerschaft zum Stein des Anstoßes.

„Die gelben Säcke sind einfach zu dünn. Sie reißen leicht und wenn Wind sie durch die Straßen weht, verlieren sie oft genug ihren Inhalt“, ärgert sich Christian Ramlow (CDU) und stellte für seine Fraktion den Antrag, Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) zu beauftragen, dem Problem mit den gelben Säcken abzuhelfen. Ein Antrag, der mit großer Mehrheit beschlossen wurde.

Wären also dickere gelbe Säcke eine Lösung? „Nein. Deutschlandweit gibt es zwei Standardmodelle in Polyethylen-Folien mit Dicken von 22 und 15 Mikrometern“, sagt Heiko Müller von der Pressestelle des Dualen Systems Deutschland (DSD) in Köln. Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist etwa zwischen 50 und 70 Mikrometer dick.

Das Material der gelben Säcke muss laut Norm eine 10-prozentige Dehnung in beiden Richtungen aushalten. „Das erfordert schon eine vorsichtige Handhabung“, räumt Heiko Müller ein. Früher, in den Anfangszeiten des DSD, seien die gelben Säcke dicker gewesen, was deren Zweckentfremdung gefördert habe – als Müllbeutel oder Laubsack.... Die neuen Standard-Säcke sind daher nur ein Kompromiss zwischen wenig Materialverbrauch, um Missbrauch zu stoppen und der Aufgabe, Leichtverpackungen aufzunehmen.

Was wäre die Alternative? „Die gelbe Tonne“, sagt Heiko Müller. Doch die ist nicht nur unbeliebt, weil sie extra Platz zum Aufstellen braucht. Sie verursacht vor allem Mehrkosten – etwa bei der Anschaffung der Tonnen sowie der dazugehörigen Entsorgungsfahrzeuge. Kosten, die bei den Entsorgungsunternehmen hängenblieben, da der DSD-Nutzer seinen Obolus für den Grünen Punkt bereits beim Kauf der Leichtverpackungen entrichtet hat.

Entsprechend sensibel reagiert der „Arbeitskreis Ausschreibung“ für Leistungen des DSD zum Einsammeln der Leichtverpackungen. Dem Gremium gehören Zusammenschlüsse von Entsorgungsunternehmen aus ganz Deutschland an. Torsten Ewert kann ein Lied davon singen. Der Leiter des Eigenbetriebes Abfallwirtschaft des Landkreises Vorpommern-Rügen verweist auf das ursprüngliche Vorhaben, gelbe 240 Liter Tonnen – wie es sie derzeit nur in Ribnitz-Damgarten gibt – im ganzen Kreis einzuführen. Deren Nutzung sollte auf freiwilliger Entscheidung der Kunden basieren, ähnlich wie bei blauen Papiertonnen.

„Der ,Arbeitskreis Ausschreibung’ ist dabei nicht mitgegangen“, dokumentiert Ewert den geringen Einfluss des Eigenbetriebes auf die Entscheidung gelber Sack oder Tonne.

Daran dürfte sich in und um Stralsund bis Ende 2020 nichts ändern. So lange gelten die Verträge der aktuellen Ausschreibungen. Oberbürgermeister Alexander Badrow hat also noch gut drei Jahre Zeit, den Beschluss der Bürgerschaft zum gelben Sack praxistauglich umzusetzen.

Jörg Mattern

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