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Vorpommern Stralsund Politik Tausende Kinder ohne Unterhalt
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00:00 20.07.2017
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Stralsund/Bergen

Tausende Kinder im Landkreis Vorpommern-Rügen, die von einem Alleinerziehenden großgezogen werden, bekommen vom anderen Elternteil keinen Unterhalt gezahlt. Nach Angaben des Jugendamtes des Landkreises in Bergen auf Rügen betrifft das knapp 9000 junge Menschen im Alter von bis zu 17 Jahren. Das ist fast ein Drittel aller rund 32000 Kinder in Vorpommern-Rügen. Für die Betroffenen ist das eine schwierige Situation. „Alleinerziehende Eltern gehen in der Regel zwar arbeiten und bekommen Kindergeld. Doch oftmals reicht das nicht, um ein Kind zu versorgen“, sagt Susan Csallner vom Jugendamt.

Sie ist Fachgebietsleiterin für den sogenannten Unterhaltsvorschuss, der den Familien dann vom Staat ausgezahlt wird, wenn der andere Elternteil nicht überweisen kann oder will. Doch derzeit bekommen nur rund 4800 Kinder diese Unterstützung, weil sie bislang maximal für 72 Monate gewährt wurde. Ein neues Gesetz schafft diese Grenze nun ab. So haben alle Kinder, die noch nicht erwachsen sind oder eine Ausbildung beendet haben, Anspruch auf die staatliche Hilfe, wenn Papa oder Mama nicht zahlen. Zehn Millionen Euro wird das in der Region voraussichtlich kosten. 1,2 Millionen Euro muss der Landkreis selbst beisteuern, der Rest sind Landes- und Bundesmittel. Die Verwaltung hat mehrere Mitarbeiter umgesetzt, um den Ansturm bewältigen zu können.

Doch was erstmal gut klingt, bringt einige Probleme mit sich. In den vergangenen Wochen sind schon mehr als 1300 Anträge in der Kreisverwaltung eingegangen, doch noch kein einziger konnte von den Mitarbeitern bearbeitet werden. Grund hierfür ist, dass das Gesetz noch immer nicht in Kraft getreten ist, obwohl Bundesrat und Bundestag Anfang Juni zugestimmt haben. „Die Kreisverwaltung vermutet, dass die Finanzierung zwischen Bund und Ländern noch nicht endgültig geklärt ist“, sagt Susan Csallner. Selbst wenn es soweit ist, rechnet sie mit einer Bearbeitungszeit von vier Wochen, ehe die Leute ihr Geld bekommen. Fakt ist aber, wer bis Ende August den Antrag einreicht, bekommt den Vorschuss rückwirkend zum 1. Juli.

Doch es gibt laut Susan Csallner noch ein zweites, weitaus schwerwiegenderes Problem. Es kann passieren, dass Kinder, die bald den neuen Unterhaltsvorschuss bekommen, formal nicht mehr als hilfebedürftig gelten. Dann würden Sozialleistungen aus verschiedensten staatlichen Systemen wegfallen. Dazu gehört beispielsweise das Bildungs- und Teilhabepaket. Daraus werden Mittagsverpflegung, Klassenfahrten, Wandertage, Schulmaterialien, Vereinsbeiträge und mehr bezahlt. „Ich bezweifle, dass man das mit dem Unterhaltsvorschuss wieder aufwiegen kann“, sagt Susan Csallner. Diesen einfach nicht zu beantragen, sei aber auch keine Lösung. Weil der Unterhaltsvorschuss eine sogenannte vorrangige Leistung ist, könne das zu Ärger mit anderen Behörden führen.

Alexander Müller

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