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Stralsund Stralsunds St. Nikolai: Pommernabend mit Chören und Solisten
Vorpommern Stralsund

Pommern-Konzert in Stralsund: Chöre und Solisten in St. Nikolai

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12:01 08.09.2021
Kammerchor St. Nikolai
Kammerchor St. Nikolai Quelle: privat
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Stralsund

Nur Landschaft, Feld, Wald und Wiese? Nein, denn im Pommern des 17. und 18. Jahrhunderts gab es bedeutende Städte, bis 1637 einen Fürstenhof, große Kirchen, Schulen und akademische Institutionen. Und entsprechendes Personal!

Bachchor, Kammerchor und zahlreiche Solisten

Kantoren und Organisten etwa oder Hofmusikanten und Stadtmusici, die nicht selten Musiker und Komponisten zugleich waren; oft als Schüler berühmter Zeitgenossen. Ihr kompositorisches Schaffen ist allerdings nahezu vergessen, die Quellenlage spärlich. Umso wichtiger ist es, das vorhandene Erbe zum Klingen zu bringen. So wie am Wochenende, wo in Stralsund Nikolai-Organist und KMD Matthias Pech einen reinen Pommernabend anbot: Musik des 17. Jahrhunderts unter dem Thema „Angst der Hellen und Frieden der Seelen“.

Ein verdienstvoller Kraftakt, abgerungen coronabedingten Zwängen und wenigen Proben, aber beeindruckend in der Kompetenz und Hingabe, mit der sich Bachchor und Kammerchor von St. Nikolai sowie professionelle Vokal-und Instrumentalsolisten aus Wismar, Hamburg, Rostock, Lüneburg, Berlin, Greifswald und Stralsund diesem nicht alltäglichen Thema widmeten. Insider durften sich bestätigt fühlen. Für viele andere aber könnten einige Aha-Effekte den Abend in der sehr gut besuchten Kirche St. Nikolai geprägt haben.

„Oratorium“ unter inspirierender Leitung

Instrumentalmusik, schlichtes Chorlied, weltliche und geistliche Aria, Motette, Geistliches Konzert oder gar ein großformatiger „actus musicus“ (Oratorium?) - Pommersche Komponisten hatten ihr Handwerk offensichtlich gut gelernt und beherrscht! Umso schöner deshalb, dass – unter anderem – einem Johann Vierdanck, Johann Flitner, Julius Ernst Rautenstein, Paul Peetschius, Eucharius Hoffmann, Johann Martin Rubert, Friedrich Gottlieb Klingenberg und – vor allem – Andreas Fromm (actus musicus) alle Sorgfalt einer beeindruckenden, die Zuversicht und gläubige Kraft dieser Musik und ihrer Botschaften sehr direkt präsentierenden Aufführung zuteil wurde.

Matthias Pech hatte sichtlich vieles gefordert – und es bekommen. Seine Chöre agierten aufmerksam und gestalterisch überzeugend. Ihr größtes Pfund: Sichtlich leidenschaftlicher Einsatz für ein als besonders lohnend empfundenes Projekt. Für die mehr als zehn „Profis“ galt Gleiches. Alle zusammen waren unter der sichtlich inspirierenden Leitung von Mattias Pech Garanten für ein Unternehmen, das in vielerlei Hinsicht vorbildhaft war. Und ein bisschen Lokalstolz durfte auch sein, denn nicht wenige Komponisten des Abends waren einst in Stralsund tätig. Und wahrscheinlich ist manches Werk seit seinem Entstehen erst jetzt wieder erklungen.

Von Ekkehard Ochs