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Stralsund Prohner Peter Messing verabschiedet sich aus der Kommunalpolitik
Vorpommern Stralsund Prohner Peter Messing verabschiedet sich aus der Kommunalpolitik
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17:09 10.05.2019
Abschied von Peter Messing, Bürgermeister in Prohn und Amtsvorsteher Altenpleen: Christin Mahnke und Christel Lemke von der Rewa (v.l.)  bedanken sich bei Peter Messing für die gute Zusammenarbeit.
Abschied von Peter Messing, Bürgermeister in Prohn und Amtsvorsteher Altenpleen: Christin Mahnke und Christel Lemke von der Rewa (v.l.) bedanken sich bei Peter Messing für die gute Zusammenarbeit. Quelle: Ines Sommer
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Altenpleen

Ein Mann, der immer wusste, was er sagt, hatte doch gestern mehrfach einen dicken Kloß im Hals und kämpfte mit den Tränen: Peter Messing. Der 74-Jährige, ein Urgestein der Kommunalpolitik, nahm Abschied von der politischen Bühne.

Seit 25 Jahren sitzt er auf dem Bürgermeister-Stuhl der Gemeinde Prohn, seit 15 Jahren leitet er als Amtsvorsteher auch die Geschicke des Amtes Altenpleen. „Ich werde im Dezember 75, da muss auch mal Schluss sein“, sagte uns der Prohner im Vorfeld ganz klar. Doch gestern wurde dem „Macher“ dann irgendwie doch ganz komisch...

Denn viele waren zum Empfang nach Altenpleen gekommen, und es wurde ein würdiger letzter Arbeitstag für Peter Messing. Zu seiner Überraschung tauchte sogar „De Prohner Hafengäng“ auf und brachte dem Sängerkollegen ein Ständchen. Die verschmitzten „Chorknaben“ waren so gut drauf, dass sie auch den Letzten im Saal mit guter Laune ansteckten.

„Vor fünf Jahren hast du gesagt, es wird deine letzte Amtszeit, viel stand da noch auf dem Zettel, was du vollenden wolltest. Zum Beispiel den Bau des Radweges nach Groß Mohrdorf. Auch die Schulsanierung in Altenpleen lag dir am Herzen. Und mal abgesehen von Straßen- und Wohnungsbau in Prohn, hast du in deiner Gemeinde auch noch ganz nebenbei ein Seniorenhaus gebaut“, ist Vize-Amtsvorsteher und Kramerhofs Bürgermeister Christian Seide voll des Lobes. „Darauf kannst du stolz sein, und ich bedanke mich für die gute Zusammenarbeit.“ Die Blumen überreichte Seide dann Christine Messing, seit 50 Jahren an der Seite ihres Mannes, und immer bereit, ihm den Rücken frei zu halten.

„Es ist nach so vielen Jahren im Ehrenamt völlig verständlich, dass Peter Messing für fünf Jahre eine Auszeit nimmt, um dann wieder zu kommen“, sagte Landrat Stefan Kerth (SPD) und hatte damit die Lacher auf seiner Seite. Auch er dankte dem Bürgermeister und Amtsvorsteher und erinnerte daran, dass die Ämterbildung in den 90er-Jahren eine spannende Zeit war.

Joachim Mathys, quasi ein ganzes Politikerleben als Stellvertreter an der Seite von Peter Messing, hob ein paar Meilensteine der Zusammenarbeit hervor. „Kita-Neubau, Infrastruktur in Prohn, Schulsanierungen, Maßnahmen mit Straßenbauamt oder über die Flurneuordnung. Man könnte ganz viel aufzählen. Für all das hat sich die Gemeindevertretung am Donnerstagabend bedankt. Auch diese Sitzung hat Peter geleitet – wie immer. Ich habe in der ganzen Zeit vielleicht anderthalb Sitzungen gemacht, denn Peter war immer da.“

Verwaltungs-Chefin Ines Materna-Braun hatte sich besonders viel Mühe gemacht – und 15 gemeinsame Jahre liebevoll in Reimform verpackt. Und das ging in einem Vers so: „Wir lieferten einen Lagebericht, erklärten die rechtliche Situation, da verdunkelte sich die Stimmung schon. Ihr wollt mir nicht sagen: Das geht so nicht. Euer Auftrag heißt Lösung, das ist eure Pflicht. Wir schauten uns an, und uns war klar, dass dieser Spruch von einem Lehrer war.“

Einst in Gotha geboren, kam Peter Messing 1968 als Lehrer an die neue Schule nach Prohn. Ein Jahr später heiratete der studierte Biologie- und Sportlehrer seine Christine. 1990 entschloss er sich, die neue Zeit mitzugestalten, arbeitete in der Gemeindevertretung mit – seit 1994 dann in der Wählergemeinschaft, der er bis heute angehört, und das mit Bürgermeister-Zepter in der Hand.

Viele positive Beispiele hatten die Gratulanten gestern auf Lager. Doch was waren die schweren Momente als Bürgermeister und Amtsvorsteher: „Ganz knifflig war der Neubau der Kita in Prohn, da hatten wir viel Gegenwind. Doch inzwischen haben wir schon angebaut, und trotzdem gibt es noch Wartelisten“, so Peter Messing nicht ohne Stolz. „Schlimm war auch die zeit, als es ständig hieß: Das Amt Altenpleen ist nicht lebensfähig. 6000 Einwohner reichen nicht. Was haben wir gekämpft. Konzepte ausgearbeitet, die uns in die Zukunft bringen sollten“, schüttelt Peter Messing den Kopf und meint: „Tja, und entgegen aller Prognosen wachsen wir wieder.“ Er freut sich, dass das Amt Altenpleen nicht kleinzukriegen ist.

Und was kommt nun? „Langweilig wird mir nicht, denn ich kümmere mich um die Organisation im Shanty-Chor. Also ich falle definitiv in kein schwarzes Loch...“ Die nächsten Tage dürfte er allerdings erst einmal mit Geschenke-Auspacken, Lesen der lieben Grußkarten und Blumenpflege zu tun haben...

Altenpleener Verwaltungschefin Ines Materna-Braun Quelle: Ines Sommer

Ines Materna-Braun, Verwaltungs-Chefin in Altenpleen, in ihrem Abschiedsgedicht:

„Eins muss ich euch noch erzählen, bevor wir am 26. Mai neu wählen: In Prohn der Platz vor der Kirche brauchte noch etwas Charme, so es zu einem Förderantrag kam. Es wurde gebaut ein Platz für Feste, mit Tribüne, Beleuchtung und Schautafeln für Gäste. Als Petersplatz ist er unter den Einwohnern bekannt – als Ehre für dich wird er so genannt.“

Ines Sommer