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Stralsund Radweg zum Königsstuhl kommt 2018
Vorpommern Stralsund Radweg zum Königsstuhl kommt 2018
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00:06 22.11.2017
Wirtschaftsminister Harry Glawe (li.) übergab den Förderbescheid für den Radweg an den Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht. Quelle: Foto: Maik Trettin
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Sassnitz

Ein Vierteljahrhundert hat man auf Jasmund gehofft, gestritten, geplant und vielleicht auch gebetet. Jetzt soll es wirklich losgehen: Im nächsten Jahr wird mit dem Bau des Radweges von Sassnitz bis zum Königsstuhl begonnen. Wirtschaftsminister Harry Glawe übergab am Montag einen Bescheid über das notwendige Fördergeld. Das Land finanziert den Löwenanteil des rund drei Millionen Euro teuren Projekts.

Über zwölf Kilometer schlängelt sich der Weg vom Ortsausgang an der Sassnitzer Stubbenkammerstraße durch die Stubnitz. Am Ortseingang von Hagen werden die Radfahrer die Landesstraße überqueren müssen. Dann geht es vorbei am Schwierenzer Baumhaus bis kurz vor den Eingang des Nationalparkzentrums am Königsstuhl. Allein die Festlegung der Trasse in dem geschützten Gebiet hatte Jahre in Anspruch genommen. Die Idee, einen Weg parallel zur Landesstraße zu bauen wurde ebenso verworfen wie der Vorschlag, einfach per Markierung eine Radlerpiste von der vorhandenen Fahrbahn abzutrennen.

Ein weiterer Knackpunkt war der Belag: Wie stark kann man den Boden durch eine Radpiste versiegeln, die mitten durch einen Nationalpark führt, und zwar auf einem weitgehend wasserundurchlässigen Kreideuntergrund? Jahrelang setzte man auf ein neues Produkt, den so genannten Lumpenbeton, ein Gemisch aus Zement und Textil. Doch erst explodierten die Preise, dann sah sich der Anbieter nicht imstande, das Material in der benötigten Menge zu liefern.

Die Oberfläche des Radweges war bis zuletzt Gegenstand von Diskussionen und erforderte Plananpassungen. „Wir haben jetzt noch einmal die Ausführung der Deckschicht geändert“, sagte Harry Glawe bei der Übergabe des Fördergeldbescheids. Der obere Teil des Zementgemischs wird dicker ausfallen. Damit entspricht er den geänderten Anforderungen, die der Gesetzgeber stellt. Im Gegenzug kann die vorgesehene untere Frostschutzschicht dünner werden, so dass sich an der Gesamtstärke des Radweg-Aufbaus nichts ändert.

„Dieser Radweg wird sich gut in die Landschaft einpassen“, ist sich Leon Kräusche, Wirtschaftsförderer in der Stadt Sassnitz, sicher. Die Piste sei beispielgebend für ganz Mecklenburg-Vorpommern und stehe dem Nationalpark gut zu Gesicht, lobt der Sassnitzer Bürgermeister Frank Kracht. Die Trasse orientiert sich weitgehend an bestehenden alten Kopfsteinpflasterwegen, die es seit Jahren in der Stubnitz gibt. Zum Teil bleibt das alte Pflaster einfach unter dem neuen Radweg liegen. Das geplante Bauwerk werde nicht durch einen Bordstein oder ähnliches abgegrenzt, sagt Kräusche. „Da gibt es einen relativ nahtlosen Übergang zwischen dem Radweg und der Natur.“

Den finden die Radfahrer und Fußgänger – für beide wird der Weg ausgeschildert – auch an mehreren Rastplätzen, die am Rande der zwölf Kilometer langen Strecke gebaut werden sollen. Und zwar immer an markanten Kreuzungspunkten. Rund 50 Fahrradständer gibt es bereits vor dem Nationalparkzentrum. „Die sind zu anderen Jahreszeiten auch voll ausgelastet“, sagt Mark Ehlers. Er ist Geschäftsführer des Informationszentrums am Königsstuhl und weiß, dass das Interesse der Radfahrer, das Rügener Wahrzeichen per Drahtesel zu erreichen, groß ist. „Wir bekommen regelmäßig auch von Fachzeitschriften Anfragen“, sagt Ehlers. „Die wollen dann wissen, ob es einen Radweg bis hierher gibt. Wir waren dann jedesmal peinlich berührt, wenn wir die Leute erneut vertrösten mussten.“ Gegenwärtig müssen die über die Knüppeldämme im Wald oder auf der engen und vielbefahrenen Landesstraße zu dem Rügener Wahrzeichen radeln.

2,73 Millionen Euro steuert das Land zu dem rund drei Millionen Euro teuren Projekt der Stadt bei. Die Arbeiten sollen so schnell wie möglich ausgeschrieben werden, sagte Bürgermeister Frank Kracht.

Gebaut wird voraussichtlich im nächsten und im übernächsten Jahr. Wann dann die letzte kleine Lücke geschlossen wird, ist noch nicht klar. Das Straßenbauamt zeichnet für die ersten Meter der Trasse von der ehemaligen Förderschule an der Stubbenkammerstraße bis zum Abzweig Waldhalle verantwortlich und will in dem Bereich auch die Fahrbahn erneuern.

Maik Trettin

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