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Stralsund Rettung in letzter Sekunde? Drei Bieter wollen die Volkswerft
Vorpommern Stralsund Rettung in letzter Sekunde? Drei Bieter wollen die Volkswerft
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06:54 08.04.2014
Stralsunder und Werftarbeiter demonstrieren am Montag auf dem Markt.
Stralsunder und Werftarbeiter demonstrieren am Montag auf dem Markt. Quelle: Dpa
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Stralsund

Kurz vor dem drohenden Aus der Stralsunder Volkswerft wächst die Hoffnung, dass der insolvente Schiffbaubetrieb in letzter Sekunde gerettet werden kann. Wie ein Sprecher von Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann Montag am Rande einer Protestaktion der IG Metall in Stralsund bestätigte, liegen seit Freitag erstmals drei verhandlungsfähige Angebote vor.

Zu den Bietern zählen demnach Nordic Yards aus Wismar und Warnemünde, die im Schiff- und Stahlbau tätige Heinrich-Rönner-Gruppe aus Bremerhaven und der Rostocker Kranbauer Liebherr.

Nordic und die Rönner-Gruppe würden die Volkswerft als Ganzes übernehmen und hätten Brinkmann zufolge Beschäftigungszusagen in ähnlichen Größenordnungen gemacht. Danach werden unmittelbar nach einer möglichen Übernahme zunächst 250 Mitarbeiter auf der Werft beschäftigt. Bis 2016 würden beide Interessenten die Zahl der Beschäftigten auf rund 500 anheben. Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) hatte zuvor eine Beschäftigungsgarantie zur Voraussetzung für eine Übernahme der Volkswerft gemacht.

„Der Knoten ist jetzt hoffentlich geplatzt“, sagte Brinkmann gestern vor rund 1000 Stralsundern, die sich an einer Protestveranstaltung beteiligt hatten. Nordic hatte bereits am Wochenende verkündet, ein neues Angebot für die Übernahme des Stralsunder Standortes der früheren P+S-Werften vorgelegt zu haben. Brinkmann: „Alle Angebote müssen aber noch durchgeprüft werden.“ Sellering bezeichnete die vorliegenden Angebote als „kleinen Lichtblick“.

Eine Ansiedlung von Liebherr sei aus seiner Sicht zwar langfristig die bessere Alternative, aber mit Anfangsinvestitionen im mehrstelligen Millionenbereich verbunden. Grund: Liebherr bewirbt sich nicht um die Werft selbst, sondern lediglich um eine Ansiedlung auf der Fläche des Schiffbaubetriebes, die in diesem Fall zunächst auf Kosten von Land und Bund in einen maritimen Industriepark umgewandelt werden müsste. Dies schließt eine deutliche Vertiefung des Fahrwassers über eine Länge von 55 Kilometern ein. Die Fahrrinne war zuletzt im Jahr 2005 von 6,90 Meter auf 7,50 Meter vertieft worden, was damals bereits 15 Millionen Euro kostete. Dem Vernehmen nach müsste sie nun, um die Voraussetzungen für eine Ansiedlung von Liebherr zu schaffen, auf eine Tiefe von neun Metern ausgebaggert werden. Sellering und Brinkmann wollten diese Zahl gestern weder bestätigen noch dementieren, sondern verwiesen auf entsprechende Gespräche mit der Bundesregierung. Bei der Fahrrinne zum Werftgelände handelt es sich um eine Bundeswasserstraße.

Die Werftarbeiter verlangten von der Landesregierung am Montag ein klares Bekenntnis zur Weiterführung des Schiffbaus in der Welterbestadt. „Das Land ist getrieben von der Angst, dass es mit Werftenbürgschaften nochmals in Risiken gehen muss“, sagte IG-Metall-Sprecher Heino Bade. Auf der insolventen Werft wird indes die Zeit knapp. Alle Arbeitsverträge der noch 274 beschäftigten Werftarbeiter und 53 Ingenieure enden am 30. April.



Benjamin Fischer