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Stralsund Ab 2020: Rettungshubschrauber auch nachts in Vorpommern im Einsatz
Vorpommern Stralsund Ab 2020: Rettungshubschrauber auch nachts in Vorpommern im Einsatz
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11:24 21.11.2019
Daumen hoch für mehr Einsätze: Der in Greifswald stationierte „Christoph 47“ soll 2020 auch nachts fliegen. Das neue, acht Millionen Euro teure Modell wurde im vergangenen Jahr in Dienst gestellt und bietet eine höhere Reichweite, mehr Platz für die Patientenversorgung und sogar einen Inkubator für Säuglinge. Quelle: Tilo Wallrodt
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Greifswald/Stralsund

Ein Auto prallt gegen ein anderes – mehrere Schwerverletzte. Ein älterer Mann mit Herz-Rhythmus-Störungen verliert das Bewusstsein. Ein Kind stolpert, stürzt eine Treppe herunter, erleidet mehrere Knochenbrüche und bleibt regungslos liegen. All dies sind Vorfälle, die zu jeder Tages- und Nachtzeit passieren können.

Ist es draußen noch hell, wird dazu auch ein Rettungshubschrauber alarmiert. Im östlichen Landesteil ist dies in der Regel der am Greifswalder Uniklinikum stationierte „Christoph 47“. Sein Einsatzgebiet erstreckt sich über die beiden vorpommerschen Landkreise sowie Teile der Mecklenburger Seenplatte. Betrieben wird die Station von der DRF Luftrettung. Zum Personal zählen neben den Piloten auch Notärzte und Notfallsanitäter der Universitätsmedizin Greifswald und der DRF.

Nächstes Jahr soll es losgehen

Geschieht ein eingangs genannter Vorfall aber nach Einbruch der Dunkelheit, dann bleibt der Hubschrauber am Boden und die Patienten können nur hoffen, dass der Rettungswagen schnell zur Stelle ist. Gerade auf Rügen und Usedom sind die Transportstrecken mitunter sehr lang.

Dies soll künftig anders werden: Die Landesregierung beabsichtigt „eine Ausweitung der Einsatzzeiten am Luftrettungsstandort in Greifswald umzusetzen“, wie Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) im September auf eine kleine Anfrage des Landtagsmitglieds Matthias Manthei (Freie Wähler/BMV) mitteilte. Glawe rechnet damit, dass es „im Laufe des Jahres 2020“ so weit sein wird.

In MV ist (noch) kein Rettungshubschrauber nachtflugtauglich

Ministeriumssprecher Gunnar Bauer erklärt auf OZ-Anfrage, dass bis dahin eine Reihe zusätzlicher Voraussetzungen erfüllt werden muss, die sich aus dem Luftfahrtrecht ergeben. „So muss der Hubschrauber für die Durchführung von Flügen bei Nacht technisch nachgerüstet werden, die Piloten müssen hierfür trainiert werden. Die Maschinen müssen nachts mit zwei Piloten besetzt sein. Auch an der Luftrettungsstation sind bauliche Anpassungen vorzunehmen.“

Eine weitere Voraussetzung für Einsätze nach Einbruch der Dunkelheit: Die Landestelle muss ausgeleuchtet werden. Diese Aufgabe könnte entweder die Feuerwehr oder das Technische Hilfswerk übernehmen. Möglich ist auch, dass ein bordeigener Scheinwerfer des Helikopters zum Einsatz kommt. Derzeit ist laut Glawe kein einziger in Mecklenburg-Vorpommern stationierter Rettungshubschrauber nachtflugtauglich.

Studie: Lärm ist zumutbar

Betreiber wie die DRF Luftrettung müssten also investieren. Aber dazu sind sie offenbar gewillt. Die DRF unterhält in Deutschland eigenen Angaben nach bereits zehn 24-Stunden-Stationen. Zudem hat das Unternehmen dem Ministerium bereits ein Gutachten vorgelegt, das eine mögliche nächtliche Lärmbelastung in Greifswald untersucht hat. Ergebnis: Teilweise würden Maximalpegel überschritten. Doch aufgrund der seltenen Einsätze werde dies laut Gesundheitsminister Glawe als „zumutbar“ gewertet. Gesundheitliche Risiken bestehen demnach nicht, „in Einzelfällen kann es jedoch zu einer Beeinträchtigung der Anwohner kommen“, so der Minister. Bisher fliegt der Greifswalder Hubschrauber rund 1500 Einsätze im Jahr, im Schnitt vier pro Tag.

Ein entsprechend ausgestatteter Hubschrauber muss aber nicht immer zum Klinikum nach Greifswald fliegen, sondern könnte auch Landeplätze an anderen Kliniken anfliegen. Beispielsweise verfügen die Standorte Wolgast, Anklam, Ribnitz-Damgarten und Stralsund über Landeplätze. In der Stadt am Sund investiert Krankenhausbetreiber Helios gerade: „Wir bauen aktuell unsere Parkplatzkapazitäten rund um den Landeplatz aus. In diesem Zuge sind wir auch dabei, die Befeuerung für den Landeplatz aufzurüsten“, sagt Klinikumssprecher Mathias Bonatz.

Welches Krankenhaus angesteuert wird, sei laut Bonatz eine Frage der Schnelligkeit: „Von Hiddensee oder Ummanz würde der Hubschrauber eher nach Stralsund fliegen, von Thiessow vielleicht eher nach Greifswald. Natürlich muss das Krankenhaus die Behandlungsmöglichkeiten vorhalten, aber bei den häufigsten Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Polytrauma nach Unfall ist das für beide Krankenhäuser ohnehin der Fall.“

Warum heißen Rettungshubschrauber „Christoph“?

Wie im Namen Christoph schon zu erkennen ist, hat die Benennung von Rettungshubschraubern mit diesem Vornamen einen religiösen, genauer gesagt einen christlichen Hintergrund. Denn der gewählte Name ist zurückzuführen auf den Heiligen Christophorus, dessen Existenz nicht zweifelsfrei belegt ist und um den sich mehrere Legenden ranken. Die bekannteste: Als Riese soll er Reisenden, darunter Jesus Christus, geholfen haben, einen Fluss zu durchqueren. Papst Pius XI. erklärte Christophorus während seines Pontifikats (1922-1939) zum Schutzpatron für Autofahrer und Verkehrsmittel.

Ein Großteil, der in Deutschland eingesetzten Rettungshubschrauber, ist nach dem Heiligen benannt und weitestgehend durchnummeriert. Mehrere Rettungs- und Intensivtransporthubschrauber haben zudem geografische Bestandteile meist zum Standort im Namen, etwa „Christoph Weser“ (in Bremen), „Christoph Brandenburg“ (in Senftenberg) oder auch „Christoph Europa 1“ in Würselen in Nordrhein-Westfalen.

In Mecklenburg-Vorpommern sind neben „Christoph 47“ in Greifswald auch „Christoph 48“ in Neustrelitz, „Christoph 34“ in Güstrow sowie „Christoph Rostock“ in der größten Stadt des Landes stationiert. Weitere Hubschrauber stehen in Pinnow bei Schwerin („AHS Pinnow“), in Warnemünde („SAR 24“), in Kessin nahe Rostock („Rettung 029-01-82-01“) sowie in Güttin auf Rügen („Northern Rescue 02“).

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