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Stralsund Rettungsschwimmer dringend gesucht
Vorpommern Stralsund Rettungsschwimmer dringend gesucht
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00:00 05.07.2018
Ferienzeit und Sommerwetter: Rügens Strände, hier Binz, sind wieder voll. Rettungstürme sind da unerlässlich. Quelle: Foto: Hannes Ewert
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InselUsedom / Insel Rügen / Stralsund / Lubmin

„Können Sie schnell mitkommen, wir sind am Strand und meiner Frau gehts nicht gut.“ Der Urlauber aus Thüringen hat am Rettungsturm der Seebrücke Lubmin seinen Wunsch noch nicht ganz zu Ende gesprochen, da läuft Rettungsschwimmer Ralf Neumann (41) mit ihm los ... Neumann gehört zur dreiköpfigen Mannschaft der DRK-Wasserwacht, die derzeit auf dem Rettungsturm täglich neun Stunden Dienst versieht. Ihm zur Seite stehen Hans Kuty (70) und Axel Vogt (51). Mit Argusaugen beobachten sie den Strand links und rechts der Seebrücke. „In diesem Jahr ist bisher alles ruhig geblieben“, sagt Vogt als Wachleiter.

Die Gewinnung von Nachwuchs ist schwierig. Nicht jeder will in diesem Ehrenamt arbeiten. So bleiben in der Vor- und Nachsaison Rettungstürme unbesetzt.

Seit 27 Jahren wird der Lubminer Turm mit Rettungsschwimmern der DRK-Ortsgruppe Greifswald besetzt. Ab dem Wochenende geht die Hochsaison los. Alle Wachtürme entlang der Ostseeküste und auch an den Binnenseen sind dann besetzt, um die Sicherheit der Badegäste zu gewährleisten. Vielfach wurde auch in neue Technik investiert. Sogar Drohnen kommen zum Einsatz (die OZ berichtete). „Doch die Zeiten, in denen jede Menge Personal zur Verfügung stand, sind vorbei. Unsere Ausbildungskurse sind zwar immer voll, doch viele Teilnehmer machen ihren Rettungsschwimmer aus beruflichen Gründen“, so Vogt.

Besonders während der Vor- und Nachsaison werde es von Jahr zu Jahr schwerer, geeignete Leute zu finden. In der Hauptsaison gelinge das noch mit Stammpersonal. „Wir machen das ja alle im Ehrenamt“, betont Vogt.

Die Gründe dafür, dass sich die Suche nach Rettungsschwimmern für die Wachtürme schwieriger gestaltet, sind leicht benannt: Die Ehrenamtler müssen für die Zeit ihres Einsatzes auf dem Turm Urlaub nehmen. Das lässt sich nicht in jeder Familie realisieren. Die Unterkunft wird in den meisten Fällen gestellt. Auch da seien die Ansprüche heute andere: Zweibettzimmer mit Dusche ist Standard. Hinzu kommt eine geringe Aufwandsentschädigung von 35 Euro pro Tag. Das wurmt viele. Denn darin enthalten ist auch das Verpflegungsgeld von 15 Euro. „Am Ende geht man für neun Stunden Dienst mit 20 Euro nach Hause“, weiß Axel Vogt.

„Ein Ferienjob, etwa der Eisverkauf am Strand, wird mit Mindestlohn deutlich besser bezahlt und die Verkäufer sind noch am Umsatz beteiligt“, weiß Olaf Mesing. Er ist Wachleiter auf dem DRK-Rettungsturm in Karlshagen. „Das Ehrenamt der Rettungsschwimmer muss anders gewertschätzt werden. Jede Gemeinde bezahlt anders“, hat er festgestellt. Mittlerweile seien auf Usedom auf vielen Türmen auch polnische Rettungsschwimmer mit im Einsatz, um die Zeiten abzudecken. Außerdem gebe es immer mehr Binnengemeinden, die Rettungsschwimmern für den Einsatz in Freibädern Saison- oder feste Arbeitsverträge anbieten oder Aufwandsentschädigungen von 78 Euro pro Tag zahlen.

Thorsten Erdmann, Sprecher der Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft (DLRG) auf Landesebene, verweist auf die 1500 Rettungsschwimmer im Land. „Ab diesem Wochenende sind 260 unserer Rettungsschwimmer entlang der Ostseeküste und an Binnenseen im Einsatz. Nachwuchssorgen haben wir nicht. Wir bilden viele aus und können sie halten. Eine ausgezeichnete Jugendarbeit leisten beispielsweise die Ortsverbände Stralsund, Bergen/Rügen, Grimmen und Greifswald“, betont er. Aber die Attraktivität des Einsatzes spiele eine große Rolle: Wo und wie sind die Retter untergebracht, gibt es Sachleistungen wie Fahrtkosten, Veranstaltungstickets oder ähnliches?

Die DRK-Wasserwacht in Zingst sieht sich gut aufgestellt. Mehr Rettungsschwimmer als gebraucht haben sich für einen Einsatz gemeldet, sagt Wachleiter Christian Kleist. Ihn freut vor allem, dass sich unter den Rettungsschwimmern auch Ärzte und Rettungssanitäter befinden. Umso besser funktioniere das Zusammenspiel von Wasserwacht und Rettungsdienst. Im vergangenen Jahr konnten gar nicht alle Interessenten eingesetzt werden. Überzählige Rettungsschwimmer würden an andere Stationen vermittelt. Den Run auf Zingst erklärt sich Christian Kleist mit den hervorragenden Unterkünften im gemeindeeigenen Gästehaus. Dazu komme ein „kurzer Draht“ zur Kommune sowie eine Ausstatttung der Wache mit moderner Technik, neuerdings auch mit einer Drohne.

So viele Retter

140 000 ehrenamtliche Mitglieder zählt die Wasserwacht des DRK: In Schwimmbädern, an Flüssen, Seen sowie an der Ostsee retten sie nicht nur Menschenleben, sondern bilden Rettungsschwimmer aus und bringen vielen das Schwimmen bei.

Seit der DLRG-Gründung 1913 ist das Retten von Menschenleben die satzungsgemäße Aufgabe der weltgrößten freiwilligen Wasserrettungsorganisation. Neben der Ausbildung von Schwimmern und Rettungsschwimmern zählt der Wasserrettungsdienst zu den Hauptaufgaben.

Cornelia Meerkatz und Timo Richter

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