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Stralsund SWG: Lückenhafte Akten bei Chefposten-Vergabe
Vorpommern Stralsund SWG: Lückenhafte Akten bei Chefposten-Vergabe
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11:31 30.03.2019
Dem Vernehmen nach sollen sich auf die ausgeschriebene Position als Geschäftsführer der SWG insgesamt 28 Kandidaten beworben haben. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

Sind im Zuge des Auswahlverfahrens eines neuen Geschäftsführers für die Stralsunder Wohnungsbaugesellschaft (SWG) Akten frisiert worden? Nach OZ-Informationen soll es in den Unterlagen, die eine Berliner Unternehmensberatung während des Auswahlverfahrens angelegt hat, auffällige Lücken geben. Bei dem Unternehmen handelt es sich um die Beratungsfirma Deininger Consulting. Wie es auf der Internetseite heißt, suchen die Berater von Deininger für Unternehmen weltweit nach „Führungspersönlichkeiten der ersten und zweiten Managementebene“.

Auf die ausgeschriebene Position als Geschäftsführer bei Stralsunds größtem Vermieter haben sich insgesamt 28 Kandidaten beworben, sechs davon sollen von der Personalberatung vorab ausgewählt und der Gesellschafterversammlung vorgelegt worden sein – darunter befand sich auch die Bewerbung des CDU-Stadtvertreters Hendrik Lastovka, der den Job am Ende bekommen hat. In den Akten sollen aber weder Hinweise noch schriftlich dokumentierte Begründungen dafür existieren, auf welcher Grundlage die sechs Finalisten aus den 28 insgesamt ausgewählt worden sind.

Wie aus einem mehrseitigen Anforderungsprofil hervorgeht, war Deininger Consulting von der Stadtverwaltung sowie von der SWG mit der Suche nach einem neuen Geschäftsführer für die städtische Gesellschaft beauftragt worden. Das Anforderungsprofil selbst zählt zwar zu dem Unterlagenbestand, den die Beratungsfirma angelegt hat, aber auch an dieser Stelle sollen Hinweise, inwiefern die Profile der einzelnen Kandidaten mit dem zuvor erstellten Anforderungsprofil abgeglichen worden sind, in den Akten fehlen, die den Auftraggebern ausgehändigt worden sind.

Die städtische Gesellschafterversammlung, auf deren Zusammensetzung Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) großen Einfluss hat, wählte später aus den sechs verbliebenen Kandidaten Lastovka als den kompetentesten aus. Auffällig ist, dass drei Mitglieder des Gremiums ein CDU-Parteibuch haben: der OB selbst, Susanne Lewing, die Vorsitzende des Aufsichtsrates und Rainer Behrndt vom Beteiligungsmanagement des Rathauses. Zudem sollen eine weitere Mitarbeiterin des Beteiligungsmanagements und ein Vertreter von Deininger an der entscheidenden Sitzung teilgenommen haben. Alle Anwesenden durften auch an den Bewerbungsgesprächen teilnehmen. Anschließend sind die Kandidaten bewertet worden.

Später, während einer Sitzung des Hauptausschusses der Bürgerschaft, der die Auswahl von Geschäftsführern kommunaler Unternehmen stets abschließend bestätigen muss, hatte Badrow plötzlich zwei Kandidaten präsentiert, die die SWG nun gemeinsam führen sollen – neben Lastovka die langjährige Prokuristin des Unternehmens, Kathrin Maaß. Der OB hat damit offenbar auf den öffentlichen Druck reagiert, nachdem der Eindruck entstanden war, dass einem CDU-Stadtpolitiker und Sohn des früheren Oberbürgermeisters Harald Lastovka ein lukrativer Posten zugeschoben werden soll. Lastovka hat bisher weder weitreichende Erfahrungen in Wohnungsbranche, noch in der Führung größerer Unternehmen. Er äußert sich zu der Sache seit Wochen nicht. Badrow und Lastovka gelten als enge politische Weggefährten.

Ben Weidemüller, der bei Deininger den Fall SWG betreut hat, stuft den Vorgang als „gängige Praxis“ ein. „Es ist normal, dass wir als Deininger Unternehmensberatung aus der Gesamtanzahl der Bewerber beziehungsweise der eigegangenen Bewerbungen einen Kandidatenpool generieren, der am Ende der Auswahlkommission vorgestellt werden kann“, sagt er. Und weiter: „Sie können also davon ausgehen, dass wir alle 28 Bewerber auf die vorher angelegten Kriterien und Anforderungen streng geprüft haben.“

Die Grünen-Fraktion in der Bürgerschaft will während der nächsten Sitzung am 4. April den Antrag zur Abstimmung stellen, „bei zukünftigen Bewerbungsverfahren, in deren Rahmen der Hauptausschuss bei der Entscheidung zur Besetzung/Bestellung der entsprechenden Positionen beteiligt ist, das Gremium für die Vorauswahl so zu besetzen, dass jede Bürgerschaftsfraktion mindestens eine Person in das Vorauswahlgremium entsenden kann“, wie es in einer entsprechenden Beschlussvorlage heißt. Damit hätte Badrow auf die Zusammensetzung der Gesellschafterversammlung deutlich weniger Einfluss.

„Zusätzlich werden wir den Oberbürgermeister dazu auffordern, sicherzustellen, dass bei zukünftigen Bewerbungsverfahren für Leitungspositionen in der Verwaltung und in städtischen Gesellschaften jede Phase der erforderlichen Auswahlprozesse und die Gründe für die Auswahl sorgfältig und nachvollziehbar dokumentiert werden“, sagt Fraktionschef Jürgen Suhr. Nimmt die Stadtverwaltung zur Suche von geeigneten Kandidaten künftig erneut ein Beratungs- oder Personaldienstleistungsunternehmen in Anspruch, so solle bereits im Auftrag vertraglich festgeschrieben sein, dass das Unternehmen die Vorgänge nachvollziehbar dokumentiert.

Die Personalberatung Deininger soll bereits Anfang 2017 mindestens ein weiteres Mal für die Stralsunder Stadtverwaltung tätig gewesen sein: bei der Besetzung des Chefpostens der Stadtwerke Stralsund. Der ausgewählte Kandidat damals: Bauamtschef Dieter Hartlieb. Partei? Ebenfalls CDU.

Benjamin Fischer

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