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Stralsund Schadet größerer Strelapark der Stralsunder City?
Vorpommern Stralsund Schadet größerer Strelapark der Stralsunder City?
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12:03 11.09.2019
Volle Fußgängerzone: Wenn im Sommer kein Strandwetter ist, kommen Touristen oft in die Stralsunder Altstadt zum Bummeln. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Die geplante Erweiterung des Einkaufszentrums Strelapark sorgt weiter für Kritik. Am Dienstagabend diskutierten die Stralsunder Grünen mit Händlern über das Vorhaben. Befürchtet wird, dass durch die Vergrößerung von derzeit 17 000 auf 22 500 Quadratmeter Verkaufsfläche die Innenstadt leiden könnte, weil Geschäfte an den Stadtrand umziehen und Kunden in der City ausbleiben würden. „Es darf keine Verschiebung der Kaufkraft zulasten der Altstadt geben“, fordert Jürgen Suhr, Chef der Grünenfraktion in der Bürgerschaft.

Die Entscheidung zur Vergrößerung war von der Stralsunder Bürgerschaft und der Gemeinde Kramerhof, in dessen Gebiet der Strelapark liegt, getroffen worden, ohne ein regionales Einzelhandelsgutachten (REHG) abzuwarten. Dieses liegt nun vor, beleuchtet die Gesamtsituation von Stadt und Umland und ist, wie Suhr beteuert, „kein Gefälligkeitsgutachten“.

Gutachten empfiehlt eine Studie

Der von manchem Händler und Lokalpolitiker vermutete Tenor, das Strelapark-Vorhaben solle rasch und vorbehaltlos umgesetzt werden, ist in dem rund 230 Seiten starken Papier nicht zu finden. Das REHG empfiehlt stattdessen, in Sachen Strelapark erst mal eine Verträglichkeitsstudie anzufertigen.

Im Gutachten wird davon ausgegangen, dass die Einwohnerzahl Stralsunds bis 2027 von 59 600 auf 62 000 steigt. Die Kaufkraft in der Region soll von 355 auf 388 Millionen Euro steigen. Beste Voraussetzungen für mehr Verkaufsflächen also? Innenstadthändler Hermann Jesske bezweifelt das: „Da ist noch keine Inflation berücksichtigt, keine Zunahme des Onlinehandels und kein wirtschaftlicher Abschwung.“

Das ist der Strelapark-Deal

Kramerhof sagt Ja zur Wohnbebauung hinter dem Hansedom, gibt die Gebäude wie Hotel, Vogelsang-Halle und Hansedom an die Stadt ab, behält aber den jetzigen Strelapark mit rund 17 000 Quadratmetern. Der Investor kann das Einkaufszentrum modernisieren, aber auch um etwa 5500 Quadratmeter erweitern. Dazu wird auf der rechten Seite (Nähe Apotheke) nach vorn in Richtung McDonald’s angebaut.

Die Hansestadt will den neuen Teil des Strelaparks, diese Einnahmen gehen also auf das Stralsunder Konto. Als Ausgleich für die Grundstücke bekommt die Gemeinde Kramerhof von Stralsund 2,5 Millionen Euro, zu zahlen in vier Raten. Zusätzlich verpflichtet sich Stralsund, bis zum Jahr 2025 einen neuen Bebauungsplan aufzustellen, der die Erweiterung ermöglicht. Sollte diese Frist nicht eingehalten werden, wird der Grundstücksdeal vollständig zurückgedreht.

Sortimentsfestlegung nur für Erweiterung

Um den Strelapark zu erweitern, wird ein Bebauungsplan benötigt. In diesem soll auch festgelegt werden, wie viel der neuen Fläche für welches Sortiment höchstens zur Verfügung stehen darf, um kein Überangebot zu schaffen. Jesske weist besorgt darauf hin, dass es eine solche Sortimentsfestlegung für den bereits bestehenden Park aber nicht gibt.

Das heißt: Selbst wenn in der Erweiterung nur auf 30 Prozent der Fläche Bekleidung angeboten werden dürfte, wäre es möglich, dass ein Modehändler aus dem bestehenden Teil des Strelaparks in die Fläche zieht und ein weiterer Modehändler in die bisherigen Räume nachzieht, sodass letztlich doch mehr Kleidung angeboten wird. „Das läuft dann unkontrolliert, da bekommt man keinen Daumen mehr drauf“, meint Jesske. Zudem könne eine Sortimentsfestlegung auch aufgeweicht werden, weil die Angebotspaletten breiter werden. Zu den Top 10 der Kleidungshändler in Deutschland zählen auch Lidl und Aldi, wie Jesske berichtet.

„Wir sind nicht daran interessiert, dass es der Innenstadt schlecht geht“

Um diese Befürchtung weiß Harald Rottes, Mitglied der Geschäftsleitung bei der Citti Handelsgesellschaft mit Sitz in Kiel, zu der der Strelapark zählt. Sein Ansatz: „Wir müssen eine vernünftige Festlegung treffen – für den gesamten Strelapark. Wir sind nicht daran interessiert, dass es der Innenstadt schlecht geht.“ Einheimische und Touristen müssten gerne in Stralsund sein. „Wenn sie sich hier nicht wohlfühlen, dann sind sie in kurzer Zeit in Greifswald oder Rostock und geht da einkaufen.“

Das REHK wird auf einer gemeinsamen Sitzung der Ausschüsse für Wirtschaft und Stadtentwicklung am Donnerstag, den 12. September, ab 17 Uhr im Löwenschen Saal im Rathaus vorgestellt. Sollte es später von der Bürgerschaft beschlossen werden, gilt es als Grundlage für weitere Entscheidungen.

Es ist bereits hier online zugänglich (auf „Aktenmappe“ klicken).

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