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Stralsund Schäden am Stralsunder Wald nehmen zu
Vorpommern Stralsund Schäden am Stralsunder Wald nehmen zu
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07:49 27.11.2019
Zahlreiche Bäume haben in den trockenen Sommern gelitten. Quelle: dpa
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Stralsund

Der Zustand des Stralsunder Waldes hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verschlechtert. Wie die Stadtverwaltung auf eine Anfrage von Grünen-Bürgerschaftsmitglied Josefine Kümpers mitteilt, wurden seit 2011 zum Teil erhebliche Schäden durch Trockenheit und Schädlinge wie dem Borkenkäfer auf mehr als 200 Hektar Waldfläche verzeichnet. Die Hansestadt Stralsund bewirtschaftet auf der Insel Rügen circa 550 Hektar Wald und auf dem Festland rund 80 Hektar. Am schlimmsten ist die Esche betroffen: 70 Prozent sind stark, 15 Prozent leicht geschädigt. Auch jede fünfte Eiche hat starke Schäden, ebenso jede fünfte Fichte.

Andre Kobsch, Leiter der Abteilung Liegenschaften im Stralsunder Amt für Bau und Planung, gibt zu bedenken: „Wenn die Klimasituation sich nicht substanziell verbessert, wird es zu überdurchschnittlichen Waldeinschlägen und zu überdurchschnittlichen Nachpflanzungen kommen.“ Die Waldungen auf der Insel Rügen seien entgegen den Waldungen auf dem Festland weniger stark geschädigt.

Auftrieb für Debatte um Klimanotstand?

Vor allem die Sommer in den vergangenen Jahren mit lang anhaltender Trockenheit haben den Wäldern großen Schaden zugefügt. Die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im 19. Jahrhundert, informiert das Umweltbundesamt. Anzeichen, dass sich der Trend umkehrt, gibt es nicht.

„Besorgniserregend“, nennt Kümpers die Situation. „Direkt vor Ort zeigen sich so die Auswirkungen der Klimaänderung und ermahnen uns, auch hier in Stralsund und Umgebung endlich konsequente Maßnahmen für den Schutz des Klimas umzusetzen.“ Ob damit die Debatte um das Ausrufen des Klimanotstandes in Stralsund neue Nahrung bekommt, bleibt abzuwarten.

Tausende Bäume und Sträucher wurden gepflanzt

Stadtökologisch sei der Erhalt städtischer Waldflächen ein wichtiger Bestandteil, den menschengemachten Klimawandel abzumildern, so Kümpers. „Wir werden uns daher weiterhin dafür engagieren, dass Waldstandorte, Einzelbäume und Hecken erhalten bleiben und auch weitere Flächen dafür ausgewiesen werden.“ Darüber hinaus fordert sie, dass weitere Maßnahmen vorangetrieben werden sollen, etwa der Ausbau der Radinfrastruktur, die ökologische Aufwertung der städtischen Pachtflächen im Umland, die Verbesserung der Busverbindungen und die effiziente Energienutzung in kommunalen Gebäuden.

Neben den schlechten Nachrichten gibt es auch gute. So heißt es weiter in der Auskunft von Andre Kobsch: „Zur weiteren Verbesserung des Ökosystems Wald wurden seit 2011 insgesamt 1175 Meter Waldrand angelegt. Hinzu kommen 63 158 Bäume und 9038 Sträucher, die zwischen 2016 und 2018 auf Ummanz aufgeforstet wurden sowie circa 5400 Baumpflanzungen, die als Ersatz für etwa 2050 im Stadtgebiet gefällte Bäume erfolgt sind.“

Kleinflächige, ökologisch nachteilige Folgen für Flora und Fauna

Vor allem die großen und prächtigen Eschen leiden. Ihnen macht ein Pilz zu schaffen. Quelle: Kai Lachmann

In Bezug auf Wald stellt sich neben der ökologischen auch die ökonomische Frage. Die wirtschaftlichen Folgen seien laut dem Abteilungsleiter schwer abzuschätzen. Einerseits ist unter anderem aufgrund der trockenen Sommer auf dem Markt ein Überangebot an Holz, was die Preise nach unten drückt. Andererseits gehen auch neue Pflanzungen ins Geld – und es ist alles andere als sicher, dass diese prächtig gedeihen werden. Der nächste Jahrhundertsommer kommt bestimmt. Kobsch sieht durch rechtzeitige Neupflanzungen Chancen, dass „die Waldfunktionen erhalten werden. Dies schließt aber kleinflächige, ökologisch nachteilige Folgen für Flora und Fauna nicht aus.“

Um die Folgen besser abschätzen zu können, lässt die Stadt derzeit ein Waldentwicklungskonzept mit dem Fokus Klimastabilität erstellen. Federführend ist Cornell Kuithan, Revierleiter im Forstamt Rügen. „Für jeden Hektar soll geprüft werden, welche Baumarten vorhanden sind und welcher Schädigungsgrad vorliegt.“ Außerdem werden die Bodengüte und der Grad der Feuchtigkeit ermittelt. „Wir machen sozusagen Inventur.“

Schwarznuss, Esskastanie und Zerreiche

Daraus sollen Handlungsempfehlungen für die einzelnen Gebiete abgeleitet und geschädigte Bäume durch robustere und klimastabilere Arten ersetzt werden. Dafür wären etwa Schwarznuss, Esskastanie oder Zerreiche Kandidaten. 2021 soll das Konzept vorliegen. Aber was ist, wenn uns weitere Rekordsommer ins Haus stehen? „Dann geht das Sterben schneller, als wir es prognostizieren können“, meint Kuithan. Der Waldumbau ist natürlich nicht gratis. Die Kosten für einen Hektar – Pflanze, Pflanzung, Zaun, Pflege – schätzt Kuithan auf 15 000 bis 22 000 Euro. drei bis fünf Jahre in Anspruch nehmen.

Zuletzt hatte die Stralsunder Verwaltung angekündigt, im östlichen Teil des Stadtwalds am Moorteich massiv Eschen zu fällen, da diese vom Eschentriebsterben betroffen und nicht mehr zu retten sind. Zudem stehen weitere Bäume auf der Fäll-Liste, da sie entweder durch die Trockenheit beschädigt wurden oder am Ende ihrer Lebenszeit angekommen sind. Die Fällungen haben noch nicht begonnen.

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