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Stralsund Schon drei Vibrionen-Fälle in Stralsund: Wie sicher ist das Baden im Bodden?
Vorpommern Stralsund Schon drei Vibrionen-Fälle in Stralsund: Wie sicher ist das Baden im Bodden?
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16:10 27.08.2019
Marietta Will schwimmt gerne im Strelasund. Doch Menschen, die zur Risikogruppe gehören, sollten von einem Bad absehen. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

Der Sommer ist zurück in MV – und damit steigt auch die Ansteckungsgefahr mit Keimen beim Baden in der Ostsee oder in Boddengewässern wie dem Strelasund. Algen und andere Verschmutzungen aufgrund der Hitze trüben die Badefreuden in einigen Gewässern des Landes. Bisher gibt es nach Angaben des Landesamtes für Gesundheit und Soziales (Lagus) aber nur Badeverbote für Seen.

Betroffen ist unter anderem die Badestelle Rieth am Neuwarper See (Vorpommern-Greifswald) und Thursee beim Pampow wegen Cyanobakterien (Blaualgen). Doch Bakterien wie Vibrionen gedeihen bei der Hitze auch im Strelasund. In dieser Saison hat Ingo Klempien, Leitender Arzt für Klinische Hygiene und Infektiologie, bereits drei Fälle am Stralsunder Helios Klinikum behandelt.

Keine Gefahr für gesunde Badegäste

So hatte sich Peter Weissenborn (82), ein Urlauber aus Hamburg, offenbar beim Baden im Strelasund mit dem Erreger infiziert. Er wurde im Juli in der Hansestadt behandelt, weil er starke Schmerzen und eine Blutvergiftung hatte. „Ich bin mit einer offenen Wunde in den Strelasund gegangen. Ohne das ich es wusste, sind da Bakterien reingekommen“, sagte der 82-Jährige dem TV Magazin Brisant. Zum Glück stellten die Ärzte den Vibrionenbefall schnell fest. Die Infektion konnte mit spezieller Antibiotika schnell kuriert werden.

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„Völlig gesunde Badegäste können baden gehen“, sagt Ingo Klempien. Solche Infektionen könne auch Kindern nichts anhaben. Klempien will jedoch eine andere Risikogruppe sensibilisieren. „Es kann ältere Menschen mit einer geschwächten Abwehr treffen“, erklärt Klempien und sagt weiter: „Das Baden im Strelasund ist sicher. Aber nicht mit großen, offenen Wunden.“ Über einen Mückenstich sei eine Infektion unwahrscheinlich. Zu Verletzungen könnten eher Muscheln oder auch Scherben führen. Dabei könnten sich Vibrionen, die sich erst bei warmen Temperaturen in Gewässern mit wenig Bewegung in Ufernähe vermehren, einnisten.

Vibrionen-Infektionen treten saisonal auf

Klempien selbst hat in Stralsund den ersten Fall vor rund 15 Jahren nachgewiesen. Seit dem würden Vibrionen-Infektionen saisonal immer wieder auftreten. „Wir hatten noch keinen Toten. Aber ja, man kann daran sterben“, sagt der Spezialist. „Aber das ist unwahrscheinlich. Andere Infektionen wie Streptokokken sind häufiger und bedrohlicher.“ Wichtig sei, dass man sich nach einer möglichen Infektion beim Arzt melde und auch sage, ob man Baden war. „Damit wir reagieren können“, sagt Klempien.

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„Es handelt sich um eine Weichteilinfektion“, sagt Klempien. Anzeichen könne man an Füßen und Unterschenkeln sehen. Die Aussaat der Bakterien in die Blutbahn würde zu einer Blutvergiftung führen. „Wir nehmen Gewebe aus der Wunde und senden es ins Labor. Bei uns ist das ein geübtes Vorgehen. Wenn wir wissen, was genau der Patient hat, können wir die Therapie oft mit rund einem Verzögerungstag einleiten“, so Klempien. Der Vorteil: Vibrionen sind nicht multiresistent und könnten nach der Diagnose gezielt bekämpft werden.

Das sagen Gäste der Stralsunder Badeanstalt

Egal ob Altefähr oder Stralsunder Badeanstalt, die Badewasserqualität des Strelasundes wird vom Lagus als „ausgezeichnet“ eingestuft. Dieselbe Qualität hat auch der Greifswalder Bodden und die Ostsee vor Rügen. „Ich gehe im Sommer jeden Tag mindestens einmal am Tag zum Schwimmen in den Sund“, sagt Helmut Wellsandt. Der 74-jährige Stralsunder weiter: „Ich bekomme dabei auch mal Wasser in den Mund, bin aber trotzdem noch gesund.“

Trotzdem mag nicht jeder im Brackwasser baden. So wie Strandbad-Besucherin Sieglinde Binkowski. „Ich genieße die Sonne gerne im Strandkorb am Strelasund“, sagt die 65-Jährige. „Aber zum Baden gehe ich lieber in die offene Ostsee auf Rügen oder auf dem Darß.“ Und Freizeitschwimmer Wolfgang Unger (69) sagt: „Mit meinen Leuten vom Pommerschen Sportverein gehe ich jeden Tag mindestens einmal im Strelasund zum Schwimmen. Das Wasser hat für mich Topqualität.“

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