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Stralsund Schrottplatz-Brand bei Stralsund: Autos haben sich selbst entzündet
Vorpommern Stralsund Schrottplatz-Brand bei Stralsund: Autos haben sich selbst entzündet
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17:30 01.07.2019
Nach dem Brand in Duvendiek am Sonntag begannen inzwischen auf dem Schrottplatz die Aufräumarbeiten. Quelle: Christian Rödel
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Duvendiek

Es ist schon irgendwie ein gespenstisches Bild, dass sich am Eingang des Schrottplatzes in Duvendiek nahe Stralsund bietet. Wenige Stunden nach dem großen Brand – hier standen am Sonntag zwischen 300 und 400 ausrangierte Autos in Flammen – beherrscht die Farbe Grau das Gelände, denn die Fahrzeuge sind völlig ausgebrannt. Wie die Polizei mitteilte, geht man von einer Selbstentzündung aus. Geschätzter Schaden: 24 000 Euro.

Autos werden schon entsorgt

Auch wenn der Schock noch tief sitzt, begannen die Mitarbeiter des Schrottplatzes schon mit dem Aufräumen. „Wir haben vom Staatlichen Umweltamt grünes Licht bekommen, mit der Entsorgung zu beginnen“, sagt Firmenchef Detlef Salomon. „Wir fangen erst einmal mit den Autos an, die nicht gebrannt haben. Am nächsten Tag kommen die anderen dran. Das geht eigentlich zügig, denn wir hatten ja alles schon für den Abtransport vorbereitet.“

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In Duvendiek bei Niepars brannte am Sonntag ein Schrottplatz. Das Feuer griff bereits auf ein Feld über. Etwa 150 Feuerwehrleute haben den Brand am Nachmittag löschen können.

Dass sich so viele Autos auf dem Platz angesammelt hatten, erklärt der Unternehmer so: „Der einzige Betrieb in MV, der sich um die fachgerechte Entsorgung der Schrottautos kümmert, war ein paar Wochen geschlossen, deshalb hat sich bei uns einiges aufgestapelt.“

Diese Rostocker Firma wird nun die Duvendieker Wracks verwerten. Eigentlich geht das so: „Die Autos kommen in einen Reißwolf, muss man sich wie eine Kaffeemühle vorstellen. Darin wird alles bis auf fünf bis zehn Zentimeter große Teile geschreddert. Magnete trennen dann nach Polster, Plaste, Eisen, Kupfer und so weiter.“ Die Metalle landen zum Beispiel im Hochofen. Aber Kupfer und Aluminium werden eingeschmolzen.

Viele Schrottautos jetzt Sondermüll

So können in der Anlage 60 Tonnen Schrott pro Stunde sortiert werden. „Das sind 100 Autos, per Hand würde man dafür ewig brauchen“, weiß Detlef Salomon und schiebt hinterher: „Das, was nicht verwertbar ist, landet als Sondermüll auf einer entsprechenden Deponie. Wir müssen jetzt erst mal sehen, was bei unseren Autos noch zu retten ist.“

Ist der Schrottplatz leer geräumt, werden weitere Kontrollen folgen. „Man muss ja gucken, wie tief die Schadstoffbelastung geht. Dazu wird es dann eine Baugrund-Untersuchung geben, damit wir wissen, wieviel Boden ausgetauscht werden muss.“

„Das war der heißeste Geburtstag meines Lebens.“ – Detlef Salomon

Deshalb könne man im Moment zu den genauen Kosten oder Verlusten noch gar nichts sagen. Detlef Salomon ist erst mal froh, dass niemandem etwas passiert ist. Und seine flotten Sprüche sprudeln auch schon wieder. Nachdem er am Sonntag zu seinem 58. Ehrentag geschockt auf den brennenden Schrottplatz guckte, sagt er am Montag mit einem Grinsen: „Das war der heißeste Geburtstag meines Lebens...“

Heiß war natürlich auch den Löschkräften, die Sonntag von kurz nach 10 Uhr bis gegen 19.30 Uhr bei 34 Grad im Schatten mit dem Feuer kämpften. „Zwei Feuerwehrmänner erlitten aufgrund der Hitze einen Schwächeanfall, aber ansonsten haben wir den Einsatz unbeschadet und unverletzt, dennoch völlig geschafft beendet“, sagt der Nieparser Feuerwehr-Chef Matthias Horn der OZ. „Aber das war schon ein krasser Einsatz – und die reinste Materialschlacht. Das erlebt man nicht alle Tage.“

Brandbekämpfer hatten Glück mit der Windrichtung

Denn immer wieder musste Nachschub geordert werden – ob weitere Feuerwehrkräfte oder Spezialfahrzeuge. Selbst eine Evakuierung wurde gedanklich vorbereitet. „Aber es hat alles gut geklappt, und wir hatten Glück mit der Windrichtung“, findet der 41-jährige Oberbrandmeister, von Beruf Bau-Monteur. Das Besondere: Immer wieder explodierten Airbags, das Gas in bestimmten Teilen verpuffte. „Es knallte am Anfang ganz schön. Deshalb mussten wir uns genau überlegen, wie wir vorgeh’n, um niemanden zu gefährden“, so Wehrleiter Matthias Horn, der mit 17 Nieparser Kameraden, darunter auch Einsatzleiter Benjamin Lange, bis zum Schluss ausharrte.

Erst als die Wärmebildkameras keine erhöhten Temperaturen innerhalb der Autos mehr anzeigten, war die Duvendieker Hitzeschlacht beendet.

Klicken Sie sich durch die Fotostrecke zu Bränden, die sich seit 2018 in Mecklenburg-Vorpommern ereignet haben, und passen Sie auf sich auf.

Die feuerwehrtechnische Zentrale sorgt nun für den Austausch der Schläuche und das Prüfen und Befüllen der Atemschutzgeräte. Doch beim Einrollen der kilometerweit verlegten Schläuche half am Montag der Bauhof. Matthias Horn: „Den Jungs möchte ich ebenso Danke sagen wie den Duvendiekern, die für die Feuerwehrleute ihre Vorratskammern plünderten und sie bei der Hitze bestens versorgt haben.“

14 Wehren im Einsatz

150 Feuerwehrleute waren am Sonntag beim Großbrand auf dem Schrottplatz im Einsatz. Als erste Einheit griff die Nieparser Truppe an. Hinzu kamen im Laufe des Tages die Blauröcke aus Barth, Binz, Groß Kordshagen, Zimkendorf, Preetz, Prohn, Steinhagen, Negast, Ribnitz, Velgast und Grimmen.

Doch auch die Berufsfeuerwehr und die Freiwillige Feuerwehr aus Stralsund halfen beim Löschen der brennenden Autos. Im Einsatz waren auch Polizei, Rettungswagen, Betreuungszug, Führungsgruppe und Spezialkräfte. 31 Fahrzeuge hatten sie für die Brandbekämpfung mitgebracht.

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Ines Sommer

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