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Stralsund Kostenloser Schulbus: Die OZ sagt, wer kein Ticket bekommt
Vorpommern Stralsund Kostenloser Schulbus: Die OZ sagt, wer kein Ticket bekommt
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07:00 30.01.2019
Für viele Schüler im Landkreis ist der Schulbus – hier auf Rügen – kostenlos, doch es gibt Ausnahmen. Quelle: fotos: Mathias Otto
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Stralsund

Die gute Nachricht hatte sich nach dem letzten Kreistag schnell verbreitet: Der Kreis Vorpommern-Rügen greift tief in die Kasse und bezahlt auch den Schülern, die eine örtlich nicht zuständige Schule besuchen das Schülerbus-Ticket. Rund 1,3 bis 1,4 Millionen Euro plant der Kreis für diese freiwillige Leistung in diesem Jahr ein. Nimmt man die ohnehin anfallenden Kosten für die Beförderung zur örtlich zuständigen Schule dazu, summiert sich das Ganze auf Ausgaben von 9,4 Millionen Euro. Und doch kommen nicht alle Kinder in den Genuss eines kostenlosen Schülertickets. Drei Ausnahmen gibt es – und die erklärt Gerlind Ockert, im Kreis Leiterin des Fachbereiches Schule.

1. Kilometer-Grenze beachten

Für die Kostenübernahme durch den Landkreis gelten zwei Grenzen: Bei den Grundschülern von Klasse 1 bis 4 muss der Weg von der Wohnung zur Schule länger als zwei Kilometer sein. Bei den Großen bis Klasse 12 gilt eine zumutbare Strecke von vier Kilometern. Der Kreis stellt damit in der neuen Satzung erstmals beide Schülergruppen gleich – die, die eine örtlich zuständige und die, die eine nicht zuständige Schule besuchen.

Das heißt auch: Wenn ein Schüler innerhalb einer Stadt wie Stralsund, Sassnitz oder Ribnitz die Zwei- oder Vier-Kilometer-Grenze überspringt, hat er laut der im Dezember vom Kreistag beschlossenen Satzung das Recht auf ein bezahltes Ticket. Als Verkehrsmittel zählen Bus und Bahn, nicht der private Pkw.

2. Kreisgrenze zählt

„Es gibt Schüler aus Ribnitz, die gern in Rostock zur Schule gehen möchten. Das können sie natürlich. Aber wir zahlen dann das Ticket nur bis zur Kreisgrenze, das heißt, wir übernehmen nur einen Anteil der Kosten. Dabei ist egal, ob der Schüler mit dem Bus, mit der Deutschen Bahn oder zum Beispiel der UBB fährt“, sagt Gerlind Ockert der OZ.

Die Anfahrt mit der Bahn wird erst mit Inkrafttreten der neuen Satzung bezahlt, das heißt ab zweitem Schulhalbjahr 2018/19. „Deshalb müssten alle, die das nutzen wollen, bei uns auch einen Antrag stellen“, so die Mitarbeiterin der Kreisverwaltung. Der sei auf der Homepage des Kreises als „Antrag Kostenbeteiligung Schülerverkehr“ zu finden.

3. Konzession entscheidet über Anerkennung der Busfirmen

Grundsätzlich müssen Anbieter, die den Schulbusverkehr übernehmen, eine Konzession dafür haben. Bei den Verkehrsbetrieben ist das ebenso der Fall wie bei jenem Unternehmen, das die Mädchen und Jungen von Rügen über Stralsund bis nach Greifswald zur Waldorf-Schule bringt. Da wird auch das Schüler-Ticket bezahlt.

In einem anderen Fall übernimmt der Kreis nicht die Kosten. „So hat die private Schule in Dettmannsdorf selbst ein Bus-Unternehmen gechartert, das die Kinder zur Schule bringt. Dieser Anbieter hat keine Konzession. Das wäre aber eine Bedingung für die Kostenübernahme“, erklärt Gerlind Ockert. Weg aus der Misere: Entweder so ein Unternehmen beantragt beim Land die Konzession oder man verhandelt mit den Verkehrsbetrieben, um die Schule ans Liniennetz anzuschließen. Nach OZ-Informationen laufen dazu bereits Gespräche.

In der Regel übernehmen die Verkehrsbetriebe Vorpommern-Rügen (VVR) mit ihrem Liniennetz den Schülerverkehr. Allerdings, so Pressesprecher Michael Lang, könne man nicht jedes kleine Gehöft oder jede Stichstraße anfahren. „Da müssten die Eltern die Kinder dann zur nächsten Haltestelle bringen.“ Gerlind Ockert hat noch ein anderes Beispiel: „Wer in Seedorf auf Rügen wohnt, hat super Anbindung an die Grundschule nach Sellin oder die Regionalschule Binz. Möchte die Familie nun aber, dass das Kind nach Dreschvitz zur Schule geht, müssten die Eltern den Nachwuchs zur entsprechenden Linie bringen.“ Die Eltern-Logistik funktioniere in der Regel aber gut, sagt die Verwaltungs-Fachwirtin, die seit 1991 in der Schulverwaltung arbeitet.

Georg Rüting, zuständiger Fachdienstleiter in der Kreisverwaltung, betont, dass außer den bereits erklärten Ausnahmen alles vom Kreis getragen wird. „Und das ist eine freiwillige Leistung, die uns viel Geld kostet. Das Land hat die freie Schulwahl per Gesetz festgehalten und müsste demzufolge auch für den Schülerverkehr sorgen und den auch komplett bezahlen. Das muss in der Novelle zum Schulgesetz unbedingt geändert werden“, sagt er. Bereits in der Kreistagsdebatte zum Schülerverkehr im Dezember hatten viele Fraktionen kritisiert, dass das Land die Kreise und Kommunen bei der Finanzierung des Schülerverkehrs im Regen stehen lässt, weil nur geringe Zuschüsse aus Schwerin fließen.

Landkreis-Sprecher Olaf Manzke stellt gegenüber der OZ noch einmal heraus, dass Vorpommern-Rügen mit dem kostenlosen Schulbus Vorreiter im Land ist. „Es gibt andere Kreise, die auch was zahlen, aber nicht in diesem Umfang wie wir.“ Und er unterstreicht, dass nicht nur der reine Schulbus bezahlt wird. „Wenn die jungen Leute abends oder am Wochenende noch mal in ihren Schulort und zurück fahren wollen, nutzen sie ihr Ticket.“

Das kostenlose Schülerticket war eines der Wahlkampfversprechen des im vergangenen Jahr gewählten Landrats Stefan Kerth (SPD).

9,4 Millionen zahlt der Kreis jährlich für den Schülerverkehr

19 000 Schüler gibt es im Landkreis Vorpommern-Rügen. 9000 von ihnen besuchen eine nach der Schulnetzplanung für sie örtlich zuständige Schule. 2500 Mädchen und Jungen nehmen täglich den Weg zu einer für sie nicht örtlich zuständigen Schule. 9000 Schüler der insgesamt 19 000 liegen unter der Mindestentfernung und bekommen deshalb nichts vom Kreis erstattet.

2017 zahlte der Kreis rund 7,5 Millionen für den Schülerverkehr. Damals gab es gar keine freiwilligen Leistungen. Mit anderen Worten: Eltern, die ihr Kind auf die nicht zuständige Schule schickten, mussten alles selbst bezahlen.

2018 wuchsen die Kreisausgaben schon auf 8,2 Millionen Euro. Hier gab es mit der 50-Euro-Regelung bereits einen Teil freiwilliger Leistungen. Mit der vollständigen Kostenübernahme steigt die Summe nun. Der Kreis plant für den Schülerverkehr 2019 rund 9,4 Millionen Euro. Darin enthalten ist nicht nur das Schülerticket, sondern auch Ausgaben für die VVR-Tariferhöhung oder den Mindestlohn bei den Taxifahrern (fahren zu Förderschulen).

Ines Sommer

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