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Stralsund Schuss im Stralsunder Amtsgericht: Anwalt fällt Waffe aus der Tasche
Vorpommern Stralsund Schuss im Stralsunder Amtsgericht: Anwalt fällt Waffe aus der Tasche
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17:45 07.06.2019
Das Amtsgericht Stralsund: Hier ereignete sich der Vorfall. Quelle: Christian Rödel
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Stralsund

Wildwest im Stralsunder Amtsgericht: Als eine Teenagerin am Freitagmorgen um 9 Uhr dem Haftrichter vorgeführt wird, fällt plötzlich ein Schuss. Nach einer Schrecksekunde wird den Beteiligten klar, dass sich dieser aus einer Waffe gelöst hatte, die dem Pflichtverteidiger aus einer Tasche gefallen war.

„Der Knall war so laut, dass alle erst mal geschockt waren. Der Raum ist ziemlich klein, da hallt es besonders schlimm“, sagte ein Zeuge der OZ. Kurz darauf habe der Anwalt die Waffe mit einer lapidaren Entschuldigung in den Nebenraum gebracht. Bei der Waffe soll es sich um eine 9-Millimeter-Schreckschuss-Pistole handeln. Genaue Angaben dazu gibt es nicht, denn die Polizei wurde nicht benachrichtigt.

Verdacht auf Knalltrauma

Nach einer Standpauke des zuständigen Richters wurde die Haftprüfung fortgeführt. Vor dem Richter: eine 18-Jährige, der räuberische Erpressung vorgeworfen wird. Deshalb waren auch ein Betreuungsrichter und ein Mitarbeiter des Jugendamtes in dem kleinen Haftprüfungsraum des Stralsunder Amtsgerichtes dabei.

Erst später werden einige Betroffene, denen der Schreck noch in den Gliedern sitzt, zur Untersuchung ins Helios Hanseklinikum gebracht: Verdacht auf Knalltrauma. Zu eventuellen Spätfolgen konnten gestern noch keine Aussagen getroffen werden.

Gerichtsleiter stellt Strafanzeige gegen Pflichtverteidiger

„Ich frage mich, warum ein Rechtsanwalt mit einer Waffe ins Gericht kommt. Das darf doch hier nicht passieren. Man darf gar nicht daran denken, was hätte geschehen können. Außerdem kann ein Laie doch eine echte Waffe nicht von einer Schreckschuss-Pistole unterscheiden“, sagte der Zeuge entsetzt und meinte: „Und warum wurde die Polizei nicht gerufen? Stattdessen macht man mit der Haftprüfung einer jungen Frau weiter, als wäre nichts passiert. Dabei waren alle geschockt.“

Der neue Amtsgerichtsleiter Sascha Ott bestätigte den Sachverhalt. „Ich habe Strafanzeige gegen den Anwalt gestellt“, berichtete er. Grund: Verdacht auf Verstoß gegen das Waffengesetz. Aufgabe der Staatsanwaltschaft ist es nun, zu klären, was für eine Waffe es war und ob der Verteidiger berechtigt war, sie zu tragen. Für das Tragen einer Schreckschuss-Pistole ist in Deutschland der Kleine Waffenschein erforderlich.

„Öffentliche Behörde, keine Festung“

Darüber hinaus verwies Ott auf die Hausordnung: „Waffen und gefährliche Werkzeuge haben im Amtsgericht nichts zu suchen.“ Da in diesem Fall dagegen verstoßen wurde, will es der Leiter nicht auf sich beruhen lassen: „Zunächst werde ich dem Betroffenen die Gelegenheit geben, sich dazu zu erklären.“ Dann wolle er ihm noch einmal die Hausordnung verdeutlichen und weitere Konsequenzen darlegen. „Als Verteidiger hat er eine Vorbildfunktion.“

„Mir ist es wichtig, dass sich Mitarbeiter und Besucher sicher fühlen“, sagte der Gerichtsleiter. Doch welche Schutzmaßnahmen gibt es und wann werden sie umgesetzt? „Im Bedarfsfall stellen wir Torsonden auf und kontrollieren die Besucher individuell“, erklärte Ott. Man könne sich das wie am Flughafen vorstellen. Allerdings dauere es dann auch dementsprechend länger. Bei Prozessen, zum Beispiel wenn sogenannte Reichsbürger beteiligt sind, würden solche Maßnahmen erwogen. Wichtig sei, dass Maß gehalten werde. „Wir sind eine öffentliche Behörde, keine Festung“, meinte Ott.

Der Zwischenfall wurde umgehend an das Schweriner Justizministerium gemeldet. „Dies ist ein berichtenswertes Ereignis“, sagte Ministeriumssprecher Tilo Stolpe. „Waffen sind grundsätzlich am Gericht verboten.“ Der Beruf des Rechtsanwalts würde nicht automatisch dazu berechtigen, Waffen mit sich zu führen. Der Pflichtverteidiger wollte sich gegenüber der OZ nicht äußern.

Ines Sommer und Kai Lachmann

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