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Stralsund Trickbetrüger einfach auflaufen lassen
Vorpommern Stralsund

Senioren fit machen gegen Trickbetrüger

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15:00 14.01.2020
Jutta Lüdecke und Dieter Wett von der Laienspielgruppe Die Wachsamen während einer Aufführung. Quelle: Christine Zillmer
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Stralsund

Es ist eine nie endende Geschichte: Immer wieder werden Senioren Opfer von Trickbetrügern. Die Zahl derer, die auf die perfiden Maschen der Verbrecher hereinfallen, steigt nach wie vor, auch wenn es für das vergangene Jahr durchaus positive Zahlen gibt. So wurden im vergangenen Jahr im Landkreis Vorpommern-Rügen im ersten Quartal 39 Straftaten zur Anzeige gebracht, im zweiten Quartal waren es 60. Erfolgreich waren die Verbrecher allerdings im ersten Quartal in sieben Fällen (Schadenssumme etwa 66 000 Euro), im zweiten in fünf Fällen (etwa 16 800 Euro).

„Deshalb ist es uns wichtig, weiter möglichst viele Senioren zu informieren und zu sensibilisieren“, sagt Kati Bischoff, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Vorpommern-Rügen. Es sei schwierig, vor allem die Menschen zu erreichen, die noch in der eigenen Häuslichkeit leben und somit oft potenzielle Opfer der Verbrecher sind. Mit zwei unterschiedlichen Projekten wolle man gezielt genau diese Senioren ansprechen.

Authentisch Wissen vermitteln

Bereits seit 2015 gibt es die sogenannten Seniorensicherheitsberater (SSB) und seit drei Jahren die Laienspielgruppe Die Wachsamen. Beide Projekte werden vom Landesrat für Kriminalitätsprävention gefördert, die Seniorensicherheitsberater, einst initiiert vom Landeskriminalamt Mecklenburg-Vorpommern, zusätzlich vom Landesseniorenbeirat. Aber was ist das eigentlich, so ein SSB?

Ernst-Dieter von Allwörden gehört zu den sechs Seniorensicherheitsberatern im Landkreis Vorpommern-Rügen. Quelle: Miriam Weber

„Wir alle sind pensionierte Polizeibeamte“, erklärt Ernst-Dieter von Allwörden, einer von sechs SSB im Landkreis. „Habe ich mich in meiner aktiven Zeit als Polizist vorrangig mit der Strafverfolgung beschäftigt, geht es nun um den Opferschutz – und noch viel mehr um die Prävention“, sagt der 65-Jährige. Die Sicherheitsberater versuchen, andere Senioren „in lockerer Runde zu informieren und sie dahin zu bringen, aufmerksam im Alltag zu sein“, erklärt der Stralsunder. Diese lockere Atmosphäre, das kann zum Beispiel eine Kaffeerunde sein, zu der die SSB eingeladen werden – in Seniorengruppen, sozialen Einrichtungen, Verbänden, der Kirche oder der Volkssolidarität.

Den Kontakt zur Polizei halten

„Es ist authentischer, wenn nahezu Gleichaltrige mit den Senioren sprechen, als wenn das zum Beispiel ein ganz junger Beamter macht“, sagt Kati Bischoff. „Das Gute ist, dass wir bei unseren Vorträgen nahezu tagesaktuell reagieren können“, erklärt Ernst-Dieter von Allwörden. Denn die SSB halten den Kontakt zur Polizei, arbeiten mit ihr zusammen. „Wir nehmen auch an Weiterbildungen teil“, sagt von Allwörden, der über 38 Jahre im Polizeidienst war.

Danach gefragt, warum er sich ehrenamtlich engagiere, muss er nicht lange überlegen. „Als ich in den Ruhestand ging, habe ich überlegt, was nun für mich kommen kann und festgestellt, dass es so ganz ohne Polizei auch nicht geht. Das ist wohl genetisch bedingt“, sagt er mit einem Lachen. Das Angebot des Landkreises sei damals deshalb genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Außerdem mache es einfach Spaß, weil es bei den Vorträgen „eine enorme Resonanz gibt. Es kommen so viele Fragen und es entstehen Diskussionen. Das ist auf der einen Seite unglaublich erfrischend und auf der anderen zeigt es, dass es noch jede Menge Aufklärungsbedarf gibt.“ Umso wichtiger sei es, die Senioren selbstbewusst und aufmerksam zu machen.

Humor als wichtigste Zutat

Das gleiche Ziel, nämlich die Fallstricke der Betrüger zu zeigen, aber einen anderen Ansatz verfolgt die Laienspielgruppe Die Wachsamen. Seit etwa drei Jahren arbeiten Damen und Herren in dieser Theatergruppe zusammen, derzeit sind es sechs. „Wir können also dringen Verstärkung gebrauchen“, sagt Dietlinde Bryx. Die Stralsunderin erklärt, dass es in den etwa einstündigen Programmen viele Lieder, Spielszenen und Sketche gibt, allerdings alle eben mit dem ernsten Hintergrund. „Wir zeigen, wie ältere Leute über den Tisch gezogen werden“, sagt Dietlinde Bryx und schiebt hinterher, dass der Enkeltrick zwar ein Dauerbrenner sei, aber „wir versuchen, das immer spannend zu verpacken.“

Piet Oltmanns ist Theaterpädagoge und Spielleiter der Laienspielgruppe Die Wachsamen. Quelle: Miriam Weber

„Der Humor ist für uns eine wichtige Komponente“, sagt Spielleiter Piet Oltmanns, denn „es ist immer eine Gratwanderung. Wir wollen die Senioren zur Wachsamkeit animieren, aber sie sollen auch nicht überreagieren“, erklärt der Theaterpädagoge.

Kontakt zu anderen Menschen halten

Auch die Zielgruppe der „Wachsamen“ sind, ebenso wie bei den Seniorensicherheitsberatern, die Menschen, die noch zu Hause leben. „Man darf auch nicht vergessen, dass unsere Generation durchaus noch mit dem Gedanken an Hilfsbereitschaft aufgewachsen ist“, sagt Dietlinde Bryx. Genau das werde schamlos von den Betrügern ausgenutzt. Das Theaterspiel bedeutet für die Stralsunderin „das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden. Die Verbindung zu Menschen ist wichtig und man kommt mit vielen anderen Leuten ins Gespräch.“

Das Nützliche mit dem Angenehmen verbinden: Dietlinde Bryx spielt gern bei den „Wachsamen“. Quelle: Miriam Weber

Einig sind sich alle darüber, dass das Thema viel präsenter sein sollte. „Immer und immer wieder, nicht nur bei den Senioren“, sagt Ernst-Dieter von Allwörden. Je öfter und öffentlicher man darüber spreche, desto präsenter sei das Thema in der Gesellschaft, die auch dazu angehalten sein sollte, öfter genauer hinschauen.

Die Laienspielgruppe trifft sich donnerstags von 10 bis 12 Uhr in der Auferstehungskirche in Grünhufe. Die Wachsamen und die Seniorensicherheitsberater können über Kati Bischoff unter Telefon 038 31 / 35 71 231 gebucht werden.

Von Miriam Weber

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