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Stralsund Setzungen an der A 20: Land wusste seit fast einem Jahr davon
Vorpommern Stralsund Setzungen an der A 20: Land wusste seit fast einem Jahr davon
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22:13 03.06.2019
Pannenautobahn A20: Das Verkehrsministerium wusste offenbar seit Monaten von zwei Setzungen, ohne die Öffentlichkeit zu informieren. Quelle: Michael Prochnow
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Stralsund/Schwerin

Die Landesregierung war bereits vor knapp einem Jahr über zwei neuere Schäden durch Setzungserscheinungen an der A 20 informiert, hatte die Probleme zu dieser Zeit aber selbst nicht kommuniziert. Dies geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke im Landtag hervor. „Die Setzungen der Bundesautobahn A 20 (BAB 20) bei Neubrandenburg wurden im Juli 2018 festgestellt, die Setzungen der BAB 20 bei Sanitz im August 2018“, heißt es darin. In beiden Fällen hatte sich die Autobahn um fünf bis sechs Zentimeter abgesenkt. Im Bereich Neubrandenburg ist die Höchstgeschwindigkeit seither auf 130 Kilometer pro Stunde begrenzt.

Herausgekommen waren die Schäden allerdings erst Anfang Mai 2019, nachdem die Grünen-Bundestagsabgeordnete Claudia Müller bereits eine Anfrage an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gerichtet und die Antwort veröffentlicht hatte. Grund für das Absacken der Autobahn sei der trockene Sommer 2018 gewesen, hieß es erst daraufhin in einer Reaktion von Landesverkehrsminister Christian Pegel (SPD). Setzungen unterhalb von zehn Zentimetern seien unbedenklich.

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Müller: „Salami-Taktik des Ministeriums bei Informationen muss ein Ende haben“

Die Autobahn führe an den betroffenen Stellen über etwa einen Meter starke Torfschichten, denen durch den heißen Sommer das Wasser entzogen worden sei. Dieser Prozess habe zu einem Absinken des Straßendamms geführt, hieß es damals weiter. Da die Schäden in der Nähe von Neubrandenburg bereits im Juli 2018 festgestellt worden waren, müsste die Torfschicht innerhalb sehr weniger Wochen so weit nachgegeben haben, dass die Fahrbahn absackte. Müller forderte bereits im Mai, dass die „Salami-Taktik des Ministeriums bei Informationen ein Ende haben muss“.

Unbeantwortet ist bisher – wie die Frage nach der genauen Ursache für den dramatischen Grundbruch der A 20 bei Tribsees – auch, warum eine nur einen Meter starke Torfschicht beim Bau der A 20 nicht entfernt und durch Sand ersetzt worden ist. In der Antwort auf die Kleine Anfrage der Linken bezeichnet das Schweriner Verkehrsministerium dies selbst als eine Möglichkeit: „In Abhängigkeit von ihrer Lage im Untergrund können diese Schichten entweder entfernt und durch den Einbau von tragfähigem Material ersetzt werden. In anderen Fällen, zum Beispiel bei tiefer liegenden, nicht tragfähigen Bodenschichten geringer Stärke ist es allerdings wirtschaftlicher, wenn diese durch die Straßenkonstruktion überbaut und durch die Eigenlast des Straßendamms kontrolliert zusammengepresst werden, bis die erforderliche Tragfähigkeit des Untergrundes erreicht ist.“ Im Fall der Problembereiche von Neubrandenburg und Sanitz ist beim Autobahn-Bau der letztgenannte Weg gewählt worden.

Überwachung der Autobahn wurde nicht verschärft

Bei Setzungen handle es sich um Erscheinungen, die zum Tagesgeschäft eines jeden Straßenmeisters gehörten, sagte Renate Gundlach, die Sprecherin des Verkehrsministeriums in Schwerin, auf Anfrage der OZ. „So lange sie nicht den Straßenverkehr beeinträchtigen, gibt es daher keinen Grund, diese Setzungen öffentlich zu kommunizieren.“

Wie aus der Kleinen Anfrage weiter hervorgeht, sei die Überwachung der Autobahn insgesamt nicht verschärft worden, Messungen finden lediglich im Problembereich bei Neubrandenburg statt. „Der Zustand und die Verkehrssicherheit der BAB 20 werden im Rahmen der regelmäßigen Streckenkontrollfahrten zwei Mal wöchentlich überprüft. Der abgesenkte Abschnitt bei Neubrandenburg wird zusätzlich alle drei Monate dahingehend kontrolliert, ob weitere Setzungen auftreten“, heißt es in der Antwort, die das Verkehrsministerium verfasst hat.

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