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Stralsund So sieht das verlassene Stralsunder Werft-Hochhaus von innen aus
Vorpommern Stralsund So sieht das verlassene Stralsunder Werft-Hochhaus von innen aus
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18:07 26.12.2018
Weiter Rätselraten um die Zukunft eines der bekanntesten Häuser in Stralsund: Das frühere Verwaltungsgebäude der Volkswerft steht noch immer leer und verwahrlost zusehends. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Weiter Rätselraten um die Zukunft eines der bekanntesten Häuser in Stralsund: Das frühere Verwaltungsgebäude der Volkswerft steht noch immer leer und verwahrlost zusehends. Anfang September 2014 war das Hochhaus direkt an der Rügenbrücke von dem Ingenieur Henry Gerhard Müller bei einer Grundstücksauktion ersteigert worden. Anfangs wurden 19 000 Euro aufgerufen, bei 127 000 Euro erhielt Müller den Zuschlag für diese besondere Immobilie Stralsunds.

Sie gilt wegen ihrer Bedeutung in den 70er-Jahren, als die Volkswerft noch mehr als 7000 Menschen Arbeit gab, aber auch aufgrund ihrer prägenden Gestalt in der Stadtsilhouette durchaus als eines der baulichen Wahrzeichen Stralsunds, wenn auch als ein vergessenes.

Einst einer der modernsten Bürokomplexe der ehemaligen DDR, fristet das Stralsunder Werft-Hochhaus direkt an der Rügenbrücke seit 2002 ein trauriges Dasein. Jeden Tag fahren tausende Menschen hier mit dem Auto vorbei. Unser Fotograf Stefan Sauer hat viele Details aus besseren Zeiten des Hochhauses festgehalten.

Wer Müller und den Plänen, die er für das Werft-Hochhaus haben könnte, nachspüren will, beißt auf Granit. Es scheint so, als würde er immer dann, wenn Telefonnummern mit einer Stralsunder Vorwahl im Handydisplay aufleuchten, auf „Anruf ablehnen“ drücken. Auch in seinem Büro landen Anrufer im Nirvana oder bekommen das Gefühl, ebenfalls weggedrückt zu werden, wenn das langgezogene Klingel-Signal im Telefonhörer plötzlich auf den hektisch getakteten Besetztton umspringt. So geht das tagelang. Reden will hier niemand. Investor offenbar abgetaucht.

Auch im Bauamt der Stadtverwaltung ist guter Rat teuer. Dort hat man zu Herrn Müller ebenfalls keinen Kontakt. Letzte Informationen sind bereits knapp zwei Jahre alt. Demnach hätte Müller vorgehabt, auf die elfte und oberste Etage des Bürogebäudes noch eine zwölfte draufzusetzen, um dort ein Panorama-Restaurant unterzubringen. Diese Idee habe Müller im Jahr 2015 geäußert, dann aber wohl nicht weiterverfolgt, teilte Bauamtschef Ekkehard Wohlgemuth bereits vor geraumer Zeit mit. „Die bisher einzige konkrete Aktivität war ein Bauantrag für eine übergroße Fremdwerbung an der Fassade, der mangels Genehmigungsfähigkeit vom Antragsteller wieder zurückgezogen wurde“, sagte Wohlgemuth.

Dass das Gebäude aufgrund seiner exponierten Lage an der Rügenbrücke als gemauerte Werbetafel herhalten soll und sonst nicht viel passieren könnte, hatten nach der Versteigerung viele Stralsunder befürchtet. Grund dafür ist auch eine Reihe an Einschränkungen, die das Entwicklungspotenzial des Hochhauses von vornherein begrenzt. Dazu zählt, dass die Grundfläche, die Müller bei der Auktion miterworben hat, lediglich der Grundfläche des Hochhauses plus einem kleinen Streifen ringsherum entspricht. Dies genügt nicht, um dort eigene Parkplätze anzulegen. Zudem ist die Heizungsanlage an die Wärmeversorgung der Werft gekoppelt. Sie war auch in dem Haus von der Werft bis zuletzt in Betrieb gehalten worden.

Müller hatte anfangs mehrfach wiederholt, dass er seine Pläne für das Haus bald vorlegen werde. „Wenn ich was Neues habe, werde ich Sie informieren“, hieß es während der ersten zwei Jahre, nachdem das Gebäude in seinen Besitz übergegangenen war, immer wenn man ihn anrief. Der Diplomingenieur für Klima- und Trocknungstechnik betreibt in Dresden das Ingenieurbüro RMP-Ingenieure GmbH. Sein Unternehmen beschäftigt sich laut eigener Auskunft mit der Planung, Bauüberwachung und Gebäudeausrüstung für Wohn- und Geschäftshäuser, Eigentumswohnungen, Ferienimmobilien sowie Gewerbekomplexe in Sachsen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Das Werft-Hochhaus galt in den 70er-Jahren als der modernste Büro-Komplex auf dem Boden der DDR. So war der Fußboden erstmals mit Steckdosen ausgestattet, sodass es Strom für technische Geräte direkt unter dem Schreibtisch gab. Die einzelnen Etagen waren parallel zu dem großzügigen Treppenhaus mit einem Paternoster verbunden. Der steht zwar seit Jahren still, hat die Zeit aber optisch gut überdauert und macht den Eindruck, als müsse man ihn nur wieder anwerfen.

Auch Kulisse für TV-Krimi

42 Meter hoch ist das Haus, das bis 2002 für Verwaltungszwecke genutzt wurde. Experten gehen davon aus, dass eine gründliche Sanierung Millionen verschlingen wird – etwa eine Million pro Etage. Das wären bei elf Geschossen elf Millionen Euro. Problem: Es gibt keinen eigenen Parkplatz. Die Landespolizei hat in den Räumen hin und wieder den Einsatz bei Geiselnahmen und das Aufbrechen schwerer Stahltüren geübt. Schauspielerin Katharina Wackernagel hat indes als Fernsehpolizistin Nina Petersen für einen der Stralsund-Krimis ganz oben ihr Kommissariat bezogen. Der Raum ist noch heute ganz in dunkelblau gestrichen, was damals für die Dreharbeiten vorgenommen worden ist.

Angesichts dieser und weiterer bauhistorisch wertvoller Details gab es bereits Anregungen, das Werft-Hochhaus unter Denkmalschutz zu stellen. Zuständig dafür wäre nach Angaben des Kultusministeriums die Stralsunder Stadtverwaltung als untere Denkmalschutzbehörde. „Das Landesamt für Kultur und Denkmalpflege wird sich erst mit der Angelegenheit befassen, wenn die untere Denkmalschutzbehörde einen entsprechenden Antrag auf Änderung der Denkmalliste gestellt hat. Dies ist bislang nicht geschehen“, sagte der Sprecher des Ministeriums, Henning Lipski.

Benjamin Fischer

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