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Stralsund So viel Steuergeld ist in brachliegende Gewerbegebiete geflossen
Vorpommern Stralsund So viel Steuergeld ist in brachliegende Gewerbegebiete geflossen
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06:57 18.05.2019
In Stralsund sind zuletzt der Frankenhafen und das maritime Gewerbegebiet Franzenshöhe an das Gleisnetz angeschlossen worden. Die Auslastung der Flächen beträgt bisher trotzdem nur 26 Prozent. Quelle: Stefan Sauer
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Stralsund

Viel Platz für Hase und Igel: Die Gewerbegebiete im Landkreis Vorpommern-Rügen sind nicht einmal zur Hälfte belegt (48,8 Prozent). Im Nachbarkreis Vorpommern-Greifswald liegt die Auslastung der Flächen mit aktuell 58,4 Prozent knapp zehn Prozent darüber. Dies geht aus der Antwort der Landesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion im Landtag hervor. Darin sind alle Gewerbegebiete in Mecklenburg-Vorpommern genannt, deren Ausbau in den vergangenen zehn Jahren mit Steuergeld unterstützt worden ist.

Am besten sind dieser Auflistung des Wirtschaftsministeriums zufolge mit einer Quote von 89 Prozent die Gewerbeflächen im Landkreis Nordwestmecklenburg ausgelastet. Selbst Rostock kommt als größte Stadt des Landes nur noch auf einen Wert von 75 Prozent und liegt damit einen Prozentpunkt hinter dem des Landkreises Ludwigslust-Parchim. Die Zahlen belegen, dass die Auslastung der Gewerbegebiete im Land von Westen in Richtung Osten stark abnimmt.

Ein Gewerbegebiet in Sassnitz nur zu neun Prozent belegt

Dem entgegen stehen die Fördermillionen, die in den vergangenen zehn Jahren in die Entwicklung der Gebiete gesteckt worden sind. Den Zahlen zufolge, die Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zur Beantwortung der Kleinen Anfrage zusammenstellen ließ, floss das meiste Fördergeld in dieser Zeit in verschiedene Gewerbegebiete in Rostock (14,3 Millionen Euro), Stralsund (10, 4 Millionen) und Sassnitz (14,8 Millionen). Der Ausbau des Pommerndreiecks an der A 20 bei Grimmen ist bisher mit zwei Millionen gefördert worden.

In Sassnitz sind mit der Summe drei Gewerbegebiete rund um den Fährhafen Sassnitz Mukran unterstützt worden. Wie das Wirtschaftsministerium auf OZ-Anfrage mitteilte, liegt die Auslastung der Flächen dort in einem Fall bei 76, bei den anderen beiden Gebieten allerdings lediglich bei 36 beziehungsweise neun Prozent.

Stralsund investiert in Flächen mit Hafenkante

In Stralsund hat die Landesregierung die mit Hilfe des Bundes aufgebrachten 10,4 Millionen Euro ausschließlich in die Erschließung des maritimen Gewerbegebietes Franzenshöhe sowie des Frankenhafens investiert. Erst im Herbst vergangenen Jahres war dort mit viel Regional-Prominenz aus Wirtschaft und Politik ein neuer Gleisanschluss feierlich eröffnet worden, was der früheren Industriebrache der Volkswerft helfen soll, eines Tages ein modernes Logistikzentrum zu sein. Glawe kündigte seinerzeit an, dass nun weitere 26 Millionen Euro in das maritime Gewerbegebiet Franzenshöhe fließen sollen, das direkt an den Frankenhafen grenzt.

Die Auslastung dieses 13,8 Hektar großen Gewerbegebietes mit Kaikante liegt Angaben der Stadtverwaltung Stralsund zufolge bisher bei lediglich 26 Prozent. Übrig seien derzeit noch fünf Baufelder mit zehn Hektar Fläche, teilte Rainer Lange vom Amt für Wirtschaftsförderung der Hansestadt jetzt auf Anfrage der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft mit. Zurzeit liefen aber Verhandlungen für alle verfügbaren Ansiedlungsplätze. Lange: „Sollten alle Verhandlungen erfolgreich abgeschlossen werden, gibt es dort keine vermarktbaren Flächen mehr.“ Sofort losbauen könnten die Unternehmen dort allerdings nicht immer, weil in Einzelfällen Altlasten wie kleinere baufällige Industriehallen beseitigt werden müssen.

Das Gelände hat in den vergangenen 20 Jahren immer wieder Millionen der öffentlichen Hand verschlungen, ohne dass es dort im Anschluss nennenswerte Industrieansiedlungen gegeben hat. Zuletzt war die am Frankenhafen geplante Ansiedlung des österreichischen Seilherstellers Teufelberger gescheitert. Laut Glawe habe nun aber die Reaktivierung der Volkswerft durch Genting zu einer erhöhten Nachfrage nach Gewerbeflächen in der Nähe der Werft geführt.

Teile der Gewerbeflächen gelten inzwischen als Biotop

Insgesamt verfügt Stralsund über fünf Gewerbegebiete mit einer Fläche von zusammen 119 Hektar. „Durchschnittlich sind 76,3 Prozent aller Flächen, welche sich in kommunalem Eigentum befanden, an Gewerbetreibende verkauft oder verpachtet worden“, sagte Lange. Damit liegt die Auslastung dieser Flächen in der Hansestadt deutlich über dem Durchschnittswert des Landkreises Vorpommern-Rügen.

Gut sieben Hektar können in Stralsund derzeit nicht verkauft oder bebaut werden, weil sie nach jahrelangem Wildwuchs inzwischen als Biotop gelten. Dazu gehören auch Gewerbeareale, die heute derart dicht bewachsen sind, das sie nun unter dem Schutz des Landeswaldgesetzes stehen, weil die Grünflächen aus Kostengründen jahrelang ungepflegt geblieben und deshalb zum Teil stark zugewuchert sind.

Benjamin Fischer

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