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Stralsund Helfen am Limit: So steht es um die Stralsunder Tafel
Vorpommern Stralsund

Spenden sichern Betrieb: So schlecht steht es um die Stralsunder Tafel

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08:00 19.12.2019
Die Stralsunderinnen Petra Perlberg (67) und Stefanie Witt (32) sortieren Obst und Gemüse. Quelle: Kay Steinke
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Stralsund

Die Stralsunder Tafel ist am Limit. Leiterin Kornelia Uschmann, Stellvertreterin Angelika Nahrhaft und das Team aus rund 25 ehrenamtlichen Helfern und geförderten Mitarbeitern arbeitet besonders in der Weihnachtszeit im Akkord. Täglich versorgen sie bis zu 150 Bedürftige. „Viele sind Rentner“, erklärt Angelika Nahrhaft. „Die Rente reicht nicht zum Leben.“ Neben dem Sortieren und der Ausgabe der Lebensmittelspenden kommen im Dezember noch weitere Aufgaben hinzu. So packen die Helfer um Nahrhaft, die selbst im Jahr 2013 als Ehrenamtliche angefangen hat, nebenbei noch Geschenktüten – mit Süßigkeiten und Spielzeug. „Damit auch bedürftige Kinder etwas Freude an den Festtagen haben“, sagt Nahrhaft. „Daher freuen wir uns auch über jede Einzelspende, die spontan vorbei gebracht wird.“ Doch die Stralsunder Tafel ist selbst in Not. Trotz Unterstützung der Hansestadt Stralsund ist die wohltätige Einrichtung des DRK-Kreisverbandes Rügen-Stralsund unterfinanziert. „Mit bis zu 30 000 Euro jährlich“, wie Burkhard Päschke, Leiter Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit beim DRK, erklärt.

Ohne diese Hilfe könnte die Stralsunder Tafel nicht arbeiten

Sparkasse spendet für Stralsunder Tafel: Daniela Freier, Filialleiterin der Sparkasse Vorpommern in Stralsund, Brigitte Dittmann, Tafel-Köchin, Anja Schurich, stellvertretende Präsidentin des DRK-Kreisverbandes Vorpommern-Rügen, Angelika Nahrhaft, stellvertretende Leiterin der Stralsunder Tafel. Quelle: Kay Steinke

Durch Spenden läuft der Betrieb trotzdem weiter. Hilfe kommt auch von der Sparkasse Vorpommern. Die Stralsunder Filialleiterin Daniela Freier überreichte am Mittwochvormittag einen Scheck über 4000 Euro. „Damit können wir einen Teil der laufenden Kosten decken“, sagt Angelika Nahrhaft. Nach Möglichkeit soll auch Geld zurückgelegt werden. Einer der zwei Transporter, mit denen täglich rund 33 Märkte, Discounter und Bäckereien in Stralsund angefahren werden, muss wohl 2020 ersetzt werden. Die Fahrzeuge sind wichtig. An fünf Tagen die Woche werden 800 bis 1000 kg Ware zur Tafel transportiert. Etwa nur 80 Prozent davon können an die bedürftigen Kunden verteilt werden.

Die Sortierung der Lebensmittel nimmt einen Großteil des Arbeitsalltags in der Stralsunder Tafel in Anspruch. Eine der ersten Helferinnen ist morgens immer Stefanie Witt. Die 32-Jährige wohnt ganz in der Nähe. „Ich war Kunde“, sagt Witt. „Ich helfe gern. Daher habe ich mich auf einen Aushang gemeldet“. Mittlerweile arbeitet die junge Mutter hier regelmäßig, gegen eine Mehraufwandsentschädigung.

Tafel hilft Arbeitslosen, Rentnern und Migranten

Mit Sorge sieht Petra Perlberg die Entwicklung bei der Tafel. Die 67-Jährige engagiert sich seit rund 20 Jahren. „Damals war ich arbeitslos, heute bin ich in Rente“, sagt die Stralsunderin. „Früher gab es weniger Bedürftige“, sagt sie. „In den letzten Jahren sind es immer mehr geworden. Immer mehr Arbeitslose und einsame Rentner. Wir helfen diesen Menschen“, sagt Perlberg. Doch noch mehr Menschen kann offenbar nicht geholfen werden. Die Räume im Gebäude in Grünhufe sind begrenzt, die Kühlzelle ist klein, eine Expansion am derzeitigen Standort eher nicht möglich. „Mehr als die rund 800 bedürftigen Kunden und deren Familien können wir nicht bedienen“, sagt Nahrhaft. Schon jetzt liege die Wartezeit für die Berechtigung, einmal wöchentlich Lebensmittel zu holen, bei rund drei Monaten. Neben Rentnern und Arbeitslosen wird seit 2015 eine weitere Gruppe zunehmend mitversorgt. „Wir haben hier auch viele Migranten“, sagt Nahrhaft. „Der Anteil liegt bei rund 50 Prozent.“

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Von Kay Steinke

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