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Sport Stralsund Boxtalente Mike Hinze und Lotte Mielke erst im Finale gestoppt
Vorpommern Stralsund Sport Stralsund Boxtalente Mike Hinze und Lotte Mielke erst im Finale gestoppt
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11:27 30.04.2019
Phoenix-Kämpfer Mike Hinze (l.) unterlag erst im Finalkampf des 50. Ostseepokal gegen Nauros Khaled Quelle: fotos (2): Horst Schreiber
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Stralsund

Als der Gong zur dritten Runde ertönte wurde es auf einmal laut in der blauen Ecke. Alle Boxer aus Mecklenburg-Vorpommern feuerten ihren Kollegen im Ring Mike Hinze an. Den Boxer des Phoenix SV Stralsund schien das zu beflügel. Wie wild ging er auf seinen Kontrahenten Nauros Khaled los. 90 Sekunden später war es totenstill in der Halle der Jahnsportstätte: Mike, sein Trainer Johannes Poge und die Fans in der blauen Ecke blickten gebannt auf den Ringrichter, der – zur Enttäuschung des Stralsunder Lagers – den falschen Arm hob. Nauros Khaled aus Nordrhein-Westfalen gewann den Finalkampf um den 50. Ostseepokal der Kadetten bis 38 Kilogramm.

„Ich ärgere mich schon. Aber ich habe gut geboxt, alles gegeben. Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Es war ein guter Gegner“, nahm Mike die Niederlage sportlich, obwohl die letzte Runde an ihn ging. Der 13-Jährige saß nach dem Kampf am Sonnabend erschöpft auf einem Stuhl am Seitenrand. Drei Tage lang hatte er geboxt und sich teilweise überraschend ins Finale gearbeitet.

Mike hat im Viertelfinale einen Schweizer rausgehauen und im Halbfinale einen favorisierten Berliner bezwungen. Sein Finalgegner hatte zuvor nur einen Turnierkampf. Deswegen ist die Leistung umso höher einzuschätzen. Ich bin stolz“, bemerkte Trainer Johannes Poge.

Genauso matt wie Mike beobachtete Lotte Mielke die Endkämpfe am Wochenende. Die PSV-Boxerin hätte beinahe für ein Novum beim Ostseepokal gesorgt. Lotte stand als erste MV-Starterin im Finale des Traditionswettkampfs, bei dem im Jubiläumsjahr erstmals auch Mädchen boxten. Zuvor ging sie bereist sechs Mal als Siegerin aus dem Ring. Doch ihre tschechischen Final-Kontrahentin Viktorie Jilkova war zu stark.

„Ich habe im Kampf schnell gemerkt: Sie geht voll ran. Das hätte ich auch machen müssen“, gab die 13-Jährige zu, für die Silber kurz nach dem Duell nur ein schwacher Trost war. „Ich bin erstmal durch für heute“, seufzte Lotte am Sonnabendvormittag. Seit drei Jahren boxt die Schülerin. „Das schönste Gefühl beim Boxen ist, wenn der Gong ertönt, du dir die Handschuhe ausziehen kannst und dann dein Arm gehoben wird“, erzählt Lotte. Dieses Gefühl blieb ihr im Finale der Gewichtsklasse bis 44 Kilogramm verwehrt. Dennoch ist der zweite Platz beim Ostseepokal ihr bislang größter Erfolg.

Lotte Mielke (Phoenix SV Stralsund) im Finalkampf beim 50. Ostseepokal gegen die Tschechin Viktorie Jilkova Quelle: Horst Schreiber

Premiere für Mädchen

Dass sie diesen überhaupt einfahren konnte, verdankt sie der Wettbewerbsveränderung des Ostseepokals. 49 Mal durften nur männlichen Kadetten und Schüler boxen. Nur die Öffnung für den weiblichen Nachwuchs. „In Deutschland wurde das Mädchenboxen verschlafen“, meint Ralf Grabow vom ausrichtenden Phoenix SV. Nachdem Frauenboxen 2012 olympisch wurde, begann das Umdenken. Der PSV hat mit den Queens Cup und der Deutschen Meisterschaft der weiblichen U 17 bereits ein Auge auf das Mädchenboxen geworfen und nun auch beim Ostseepokal installiert.

Allerdings könnte die erste Frauenteilnahme beim Ostseepokal auch die letzte gewesen sein. Die Fortsetzung des Turniers steht auf der Kippe. „Wir haben die 50 voll gemacht und uns nun entschieden, den Staffelstab abzugeben“, so Grabow. Ob es eine 51. Auflage geben und wer sich dafür verantwortlich fühlen wird, ist noch unsicher. „Wir hoffen, dass der Verband das weiterführt. Es wäre eine Katastrophe, wenn es nun vorbei wäre. Der Ostseepokal ist eine Marke! Es gibt kein anderes Kadetten-Turnier, das so viel Tradition hat“, so Grabow.

1970 wurde der Ostseepokal ins Leben gerufen und diente den Sportlern als Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft. Der ESV Lok Stralsund war in den Anfangsjahren Ausrichter, ab 2000 der Boxclub Stralsund, 2012 übernahm der Phoenix SV im Zusammenarbeit mit dem Boxverband MV als Veranstalter. Kontinuierlich stiegen Teilnehmerzahl und Qualität. Neben den deutschen Spitzenleuten waren auch diesmal wieder Tschechen, Schweden, Niederländer und Schweizer dabei. „Durch die ausländischen Starter erlebt das Turnier natürlich nochmal eine enorme Qualitätssteigerung. So ist der Ostseepokal ist eines der größten Turniere dieser Altersklasse in Europa“, meint Grabow, der Anfang der 1980er selbst beim Cup geboxt hat.

Für Lotte und Mike waren die Kämpfe in eigener Halle ein gelungener Test für die Deutschen Meisterschaften im brandenburgischen Lindow in knapp einer Woche, an der auch Phoenix-Boxer Jason Rudolph teilnimmt. Dann soll der Ringrichter nach dem Finalkampf Lottes und Mikes Arm in die Höhe strecken.

Horst Schreiber

Für Albert Lawrenz sind es die ersten Einzel-Meisterschaften im Ringen, Henning Löbl und Matti Stolt sind zum zweiten Mal dabei. Das Trio des Hanseatischen Athletik Club Stralsund will im bayrischen Hösbach Edelmetall holen. Dafür soll auch die Playlist vor Wettkampfstart sorgen.

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