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Stralsund Stadt plant neues Zuhause für 350 Stralsunder
Vorpommern Stralsund

Stadt plant neues Zuhause für 350 Stralsunder

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12:08 21.01.2020
Kolberger Straße: Noch ist hier die Stadt zu Ende. Künftig soll die Straße im Bogen durchs neue Wohngebiet weiterführen. Quelle: Kai Lachmann
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Stralsund

Die Hansestadt ist beliebt und Wohnraum ebenso knapp wie bezahlbarer Grund für Einfamilienhäuser. Das Problem soll nun abgemildert werden mit einem Baugebiet in einer Größenordnung, wie sie Stralsund lange nicht mehr gesehen hat: Voraussichtlich 94 Einfamilienhäuser, elf Mehrfamilienhäuser und bei Bedarf eine Kita oder alternativ zwei weitere Wohnhäuser sollen am westlichen Rand des Gebietes Viermorgen entstehen. Die Stadt will so Platz schaffen für circa 160 Wohnungen, in denen dann rund 350 Einwohner leben.

Das Areal befindet sich westlich der Lindenallee nahe des Beruflichen Bildungszentrums. Wie eine Klammer führt es um die schon bebauten Flächen herum. Noch ist dort die Stadt zu Ende. Die Lindenallee mündet in einer Buswendeschleife. Künftig soll die Straße im Bogen durchs neue Baugebiet führen. Die Wendeschleife kommt dort in die Mitte. Die Planstraße wird an die Kolberger Straße angeschlossen werden, die derzeit noch kurz vor einem Acker endet. Zwar wird es auf der Kolberger dann mehr Verkehr geben, verbreitet werden soll sie aber nicht.

Die Buswendeschleife in der Lindenallee wird verlegt ins Zentrum des neuen Wohngebiets. Quelle: Kai Lachmann

54 Parkplätze, ein Spielplatz

Von der Planstraße gehen mehrere kleine Anwohnerstraßen ab sowie eine weitere größere Planstraße. Diese soll später mal bis nach Freienwalde führen. Zudem ist ein Radweg in Richtung des Ostsee-Centers geplant. 54 Stellplätze für Besucher wird es geben, auch ein Spielplatz ist dabei. In der Mitte des Baugebiets bleibt ein breiter grüner Streifen, den die Verwaltung als „Frischluftschneise bei Westwind“ bezeichnet.

In dem Gebiet sind stellenweise Häuser mit bis zu vier Geschossen zulässig, nach außen zum neuen Stadtrand hin soll dann nur noch ein Geschoss möglich sein. Auch für die Dachformen gibt es Vorgaben. „Es soll einheitlich aussehen. Wir wollen kein Wildschweinsiedlungsgebiet“, sagte Kirstin Gessert, Leiterin des Amtes für Planung und Denkmalschutz, bei der Vorstellung des Plans im städtischen Bauausschuss in der vergangenen Woche.

Das neue Gebiet umfasst fast 21,8 Hektar. 10,6 davon werden bebaut, 11,2 sind Grünflächen als Ausgleich, die laut Verwaltung „insektenfreundlich“ sein und gepflegt werden sollen. Die Grundstücke von Einzelhäusern müssen mindestens 620 Quadratmeter groß sein.

Das Baugebiet im Stralsunder Stadtteil Grünhufe im Detail. Quelle: OZ-Grafik Arno Zill

Keine Versorgung mit Gas

Die Versorgung mit Wasser-, Abwasser, Elektro- und Telekommunikationsleitungen erfolgt durch den Anschluss an vorhandene, öffentliche Leitungen außerhalb des Gebiets. Die Stralsunder Stadtwerke planen den Aufbau eines sogenannten Niedertemperatur-Wärmenetzes, weshalb eine Versorgung mit Gas nicht vorgesehen ist.

„Wie sich herausgestellt hat, kann das Regenwasser in dem Bereich nicht in die Kanalisation abgeleitet werden“, erläuterte Gessert. „Die Lösung wird sein: Ein Großteil des Wassers soll überwiegend in den Grünhufer Bruch, eine feuchte Niederung im Norden, sowie in den Kanal in der Lindenallee eingeleitet werden.“ Dies sei mit den entsprechenden Behörden abgestimmt.

Boden ist nicht mal mittelgut

Die Auswirkung auf Pflanzen, Tiere, Fläche und Boden bezeichnet die Verwaltung im Beschlusstext als „erheblich“. Doch sie könnten durch verschiedene Maßnahmen „überwiegend ausgeglichen“ werden. Beispielsweise dadurch, dass die Ackerflächen teilweise in Wiesenflächen, Gehölzpflanzungen und freiwachsende Hecken umgewandelt werden. Laut Verwaltung wird die Planung deshalb „keine erheblichen nachteiligen Umweltauswirkungen“ haben.

Der Landwirtschaft gingen keine bedeutenden Flächen verloren, da die Bodenwertzahl dort unter 50 liegt. Das heißt, der Grund kann als „schwerer bis toniger Lehm“ bezeichnet werden. Oder anders gesagt: Der Boden ist eher unterdurchschnittlich ertragreich.

Gräser, Büsche, Acker: So sieht das Gebiet derzeit aus. Quelle: Kai Lachmann

Beginn des Hochbaus spätestens in zwei Jahren

Der städtische Bauausschuss hat ohne grundsätzliche Diskussion dafür votiert, dass der Plan öffentlich ausgelegt werden soll. Zwar hat die Bürgerschaft das letzte Wort, die nächste Sitzung ist am 30. Januar, die Zustimmung gilt aber als wahrscheinlich.

Sollten dann keine Einwände bestehen und alles geht weiter seinen Gang, dann könnte ab 2021 die Erschließung beginnen, informierte Gessert. „Ab Ende 2021 oder Anfang 2022 wäre dann der Hochbau möglich.“ Die Kosten für Planung und Erschließung werden von der Stralsunder Liegenschaftsentwicklungsgesellschaft (LEG) getragen. Sie belaufen sich auf etwa fünf Millionen Euro.

Einwohnerzahl

Laut Statistischem Landesamthat die Einwohnerzahl der Hansestadt im vergangenen Jahrzehnt merklich zugenommen. Lebten in Stralsund Ende 2011 noch etwas weniger als 57 000 Einwohner, waren es zum Stichtag 31. Dezember 2018 genau 59 421 Personen. Der Höchststand war übrigens Mitte der 1980er Jahre erreicht, als mehr als 75 000 Menschen in Stralsund lebten.

Trotz der Wachstumszahlen prognostiziert der jüngste Demografiebericht der Bertelsmann Stiftung Stralsund bis 2030 einen Bevölkerungsrückgang – im Vergleich zu 2012 ein Minus von 5,2 Prozent. Zwar würden laut Bertelsmann-Annahme mehr Leute nach Stralsund ziehen als wegziehen, doch die Zahl der Geburten, sie wird mit 6,7 je 1000 Einwohner prognostiziert, liegt weiter unter der der Sterbefälle, die mit 15,5 je 1000 Einwohner angenommen wird.

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